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Die Afghanen leiden schwer an der Machtübernahme der Taliban

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Von Lena Roche  & Sabine Sans
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Die Afghanen leiden schwer an der Machtübernahme der Taliban
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Die Lage in Afghanistan ist nach der Machtübernahme der radikal-islamistischen Taliban Mitte August dramatisch. Das Land leidet unter einer der schwersten Dürren der vergangenen zwei Jahrzehnte. Die Wirtschaft war bereits angeschlagen, bevor die Taliban an die Macht kamen und ist jetzt im freien Fall.

Der UN zufolge hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung nicht ausreichend zu essen. Weibliche Opfer von Gewalt bekommen Amnesty International zufolge kaum noch Hilfe. Viele Menschen fürchten Vergeltungsmaßnahmen der Taliban und versuchen zu fliehen.

Im August gab es chaotische Szenen auf dem Rollfeld des Flughafens in Kabul: Verzweifelte Afghanen versuchten, das Land auf der Flucht vor den Taliban zu verlassen.

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Der Flughafen in Kabul im AugustScreenshot: euronews

Mit der Einnahme der Hauptstadt am 15. August hatte die radikal-islamistische Gruppe ihren schnellen Vormarsch durch das Land abgeschlossen.

Freie Bahn für die Taliban

Sie hatte freie Bahn nach dem Truppenabzug der US-geführten Militärallianz; zwei Jahrzehnte nachdem diese die Kämpfer 2001 entmachtet hatten.

Nach 20 Jahren Krieg war es US-Präsident Joe Biden, der im April den Rückzug ankündigte: "Es ist Zeit, Amerikas längsten Krieg zu beenden. Es ist Zeit für die amerikanischen Truppen, nach Hause zu kommen", sagte er in einer Rede am 14. April im Weißen Haus.

Biden betonte damals, der Abzug werde nicht überhastet vorgenommen, sondern verantwortungsvoll, sicher und durchdacht sowie vollständig abgestimmt mit den Verbündeten. Weiter sagte er: "Wir sind nach Afghanistan gegangen wegen eines schrecklichen Angriffs, der vor 20 Jahren geschah. Das kann nicht erklären, warum wir 2021 dort bleiben sollten." Die USA müssten sich auf aktuelle Herausforderungen konzentrieren, statt mit den Taliban Krieg zu führen.

Antiterror-Feldzug der USA

Als die Taliban die Führung der Terrororganisation Al-Qaida nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht ausliefern wollte, vertrieb eine US-geführte Militärallianz mithilfe lokaler Kräfte die Islamisten von der Macht.

Die USA starteten einen Antiterror-Feldzug gegen die Taliban und Al-Qaida. Man versprach, die Demokratie zu unterstützen und die terroristische Bedrohung zu beseitigen.

Viele Afghanen befürchten Repressalien der Taliban

Der Konflikt hat Zehntausende Menschen getötet und Millionen vertrieben. Die meisten Opfer hatten die Afghanen zu beklagen.

Bis im August 2021 die militärischen Evakuierungen abgeschlossen waren, wurden rund 120.000 Afghanen ausgeflogen. Tausende Afghanen, die mit der westlichen Militärallianz zusammengearbeitet hatten, blieben zurück und müssen Repressalien der Taliban fürchten. Von Berlin bis Ottawa wurde die Frage aufgeworfen, warum nicht früher mehr unternommen wurde, um die Gefährdeten zu retten.

Inmitten des Evakuierungseinsatzes in Kabul sprengten sich im August zwei Selbstmordattentäter des sogenannten Islamischen Staates in die Luft: Bei dem Terroranschlag wurden Dutzende Menschen, darunter 13 amerikanische Soldaten, getötet.

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Der IS- Anschlag am Flughafen in KabulScreenshot: euronews

EU nimmt 40.000 Afghanen auf

15 EU-Staaten wollen ungefähr 40.000 Menschen aus Afghanistan aufnehmen, wo die Situation nach der Machtübernahme der Taliban immer dramatischer wird. Deutschland nimmt aus dem Kontingent 25.000 Menschen auf.

Angesichts der dramatischen Lage nach der Machtübernahme der Taliban wollen Deutschland und 14 weitere EU-Staaten etwa 40.000 besonders schutzbedürftige Menschen aus Afghanistan aufnehmen. Diese Zahl gab EU-Innenkommissarin Ylva Johansson nach einer Sitzung der EU-Innenminister im Dezember bekannt.

Einem Schreiben von Johansson an die beteiligten Innenministerinnen und -minister zufolge ist allein Deutschland bereit, 25.000 Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen.

Insgesamt 60.000 Aufnahmen aus der Region

In den vergangenen Monaten haben die EU-Staaten nach Angaben der Kommission bereits rund 28.000 Menschen aus dem Land evakuiert. Die nun genannten 40.000 kommen demnach hinzu. Dem Johansson-Brief zufolge gibt es ganz konkret 38.146 Zusagen.

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Kinder und vor allem Mädchen haben eine ungewisse Zukunft.Screenshot: euronews

Frauen werden ausgegrenzt

Seit Afghanistan wieder von den Taliban regiert wird, stehen Frauen vor einer ungewissen Zukunft: Mädchen wurde untersagt, weiterführende Schulen zu besuchen. Einem aktuellen UN-Bericht zufolge wird die Ausgrenzung der Frauen das Land noch tiefer in eine "katastrophale" Wirtschaftskrise stürzen. Ohne internationale Hilfe steht Afghanistan, ohnehin eines der ärmsten Länder der Welt, vor einer großen humanitären Krise.

Im anstehenden Winter drohen 55 % der Bevölkerung eine Hungersnot. Viele Geberländer schreckt ab, dass die Taliban auf der Kontrolle über die Hilfe bestehen. Die Leidtragenden dieser Situation sind wieder einmal die Afghanen.