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Britischer Whistleblower sagt aus: Afghanistan-Evakuierung "dysfunktional"

Hunderte Menschen versammeln sich am 17. August 2021 vor dem internationalen Flughafen in Kabul, Afghanistan.
Hunderte Menschen versammeln sich am 17. August 2021 vor dem internationalen Flughafen in Kabul, Afghanistan. Copyright STR/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Julika Herzog mit AP
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Ein Whistleblower in Großbritannien berichtet, dass das britische Außenministerium viele seiner Verbündeten in Afghanistan im Stich gelassen hat.

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Vor gut 100 Tagen hat der letzte Soldat Afghanistan verlassen. Nun hat ein Whistleblower in Großbritannien in einer schriftlichen Stellungnahme vor einem parlamentarischen Ausschuss berichtet, dass das britische Außenministerium viele seiner Verbündeten in Afghanistan im Stich gelassen hat.

Laut Raphael Marshall, der während des Falls von Kabul im Krisenstab des Außenministeriums arbeitete, seien zwischen dem 21. und 25. August Tausende E-Mails von Hilfeersuchenden ungelesen geblieben. Er sprich von einer dysfunktionalen, als auch willkürlichen Evakuierun. 

Ein Teil seiner Beweise zeigt, dass zwischen 75.000 und 150.000 Menschen eine Evakuierung beantragt haben. Die meisten fürchteten um ihr Leben, wegen ihrer Verbindungen zu Großbritannien. Marshall schätzt, dass weniger als 5% Unterstützung erhalten haben.

Marshall listet die Fehler im System auf, darunter:

- ein willkürlicher und dysfunktionaler Priorisierungsprozess

- unzureichende Personalausstattung, einschließlich fehlender Nachtschichten

- mangelnde Fachkompetenz und willkürliche Personalzuweisung

- mangelnde Dringlichkeit

Der frühere britische Außenminister Dominic Raab, der nach der Afghanistan-Krise vom Auswärtigen Amt ins Justizministerium versetzt wurde, musste sein Vorgehen verteidigen: 

"Viele Leute wollten aus den verschiedensten Gründen aus Afghanistan fliehen. Es war richtig, dass wir einen Arbeitsprozess eingerichtet haben, um zwei Dinge zu überprüfen: Erstens, dass wir denen geholfen haben, die wirklich ein Risiko verfolgt zu werden präsentierten, oder britischen Staatsangehörigen und Personen, die für die britische Regierung gearbeitet haben. Und zweitens, dass wir niemanden nach Großbritannien einreisen lassen, der eine Gefahr sein könnte."

Premierminister Boris Johnson hat die Kritik an der Organisation des Abzugs aus Afghanistan zurückgewiesen.

"Das ist völliger Unsinn. Ich denke, dass die "Operation Pitting" - 15.000 Menschen aus Kabul auszufliegen, wie wir das im Sommer getan haben- eine der herausragenden militärischen Aktionen der letzten 50 Jahre oder mehr war."

Großbritannien evakuierte nach eigenen Angaben innerhalb von zwei Wochen im August 202115.000 Menschen und half seither/ seit dem Ende der Operation mehr als 3000 weiteren Personen, Afghanistan zu verlassen.

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