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Schock in Italien: 70-Jährige zwei Jahre nach ihrem Tod entdeckt

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Von Euronews  mit AFP
Senior:innen einer Einrichtung halten sich an der Hand, 12.02.2021
Senior:innen einer Einrichtung halten sich an der Hand, 12.02.2021   -   Copyright  Lynne Sladky/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.

Der Tod einer 70-jährigen Frau, die mehr als zwei Jahre nach ihrem Tod mumifiziert auf ihrem Stuhl aufgefunden wurde, löste in Italien eine Welle der Bestürzung aus. Marinella Beretta, die keine lebenden Verwandten mehr hatte, wurde am Freitag in ihrem Haus in Prestino, in der Nähe des Comer Sees in der nördlichen Lombardei, aufgefunden.

Angaben der Nachbarn zufolge war sie seit zwei Jahren nicht mehr gesehen worden. Die traurige Entdeckung machte die Polizei, die gerufen worden war, um im Garten Bäume zu sichern, die umzustürzen drohten.

"Was Marinella Beretta in Como passiert ist, die Einsamkeit des Vergessens, verletzt unser Gewissen", schrieb die italienische Familienministerin Elena Bonetti auf Facebook und weiter: "Wir müssen aufhören, den Horizont auf die Privatsphäre zu beschränken und wieder anfangen, uns um zwischenmenschliche Beziehungen zu kümmern".

Der grausige Fund hat die Debatte über die Einsamkeit älterer Menschen erneut angefacht. Auf der Titelseite der "Corriere della Sera", einer der meistverkauften Tageszeitungen Italiens stand zu lesen: "Viele von uns haben noch Erinnerungen an die Großfamilien im ländlichen Italien. Stattdessen ist die moderne Familie klein [...] Die Menschen sterben allein. Und wir leben allein, was fast noch schlimmer ist".

Das Blatt "Il Messagero" aus Rom schrieb: "Das Geheimnis von Marinellas unsichtbarem Leben hinter dem Zaun ihres verschlossenen Hauses lehrt uns eine schreckliche Lektion. Die wahre Traurigkeit besteht nicht darin, dass die anderen ihren Tod nicht bemerkt haben. Es ist die Tatsache, dass sie nicht bemerkt haben, dass sie lebte".

In Italien leben fast 40 Prozent der über 75-Jährigen allein, wie das Nationale Statistikinstitut (Istat) 2018 konstatiert. Mindestens genau so viele Senior:innen haben weder Verwandte noch Freunde, an die sich sich wenden können. 

Die Nachbarn der italienischen Rentnerin gaben an, sie seit September 2019 nicht mehr gesehen zu haben. Sie waren allerdings davon ausgegangen, dass sie zu Beginn der Covid-19-Pandemie zu Beginn des Jahres 2020 umgezogen war.

Die Polizei fand vor Ort nichts, was auf einen verdächtigen Tod hindeutete. Die Gemeinde Prestino wird nun die Kosten für die Beerdigung der Verstorbenen übernehmen.