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Finnland denkt an die NATO: Ende der militärischen Neutralität?

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Von euronews
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Finnisch-russische Grenze in Salla
Finnisch-russische Grenze in Salla   -   Copyright  Kaisa Siren/AP

Militärisch ist Finnland neutral, politisch seit dem Beitritt zur Europäischen Union im Jahr 1995 nicht. Doch der Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine hat bei vielen Menschen in Finnland sicherheitspolitische Fragen aufgeworfen.

In einer Erhebung des staatlichen finnischen Rundfunks YLE sprachen sich 53 Prozent der Befragten für einen NATO-Beitritt aus.

Finnland und Schweden: Bald NATO-Mitglieder?

Die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Sanna Marin, die sich zuvor mit den Spitzen der weiteren Parlamentsparteien zu diesem Thema ausgetauscht hatte, sagte, für eine Entscheidung, ob ihr Land einen NATO-Beitritt anstrebe oder nicht, brauche man mehr Zeit. Es habe in den parteiübergreifenden Beratungen aber die Meinung geherrscht, dass sich die außenpolitische Lage durch das Geschehen in der Ukraine beträchtlich geändert habe, so Marin. Ob sie eine finnische Mitgliedschaft in dem Militärbündnis befürworte, ließ die Sozialdemokratin offen und betonte, dass eine solche Entscheidung das Parlament zu treffen habe.

Finnland und Russland: Bewegte Geschichte

Ein Finne sagt: „Ich hatte vorher Bedenken, was die NATO angeht, aber als sich das in der Ukraine ereignete, habe ich meinen Standpunkt geändert und bin jetzt etwas mehr für die NATO. Aber man muss abwarten, was passiert.“ Und ein weiterer Mann meint: „Finnland ist ein westliches Land, hat mit anderen EU-Staaten gemeinsame freiheitliche, demokratische Werte. Es ist nur natürlich, dass das Bündnis, das für den Großteil der Sicherheit der EU sorgt, auch Finnlands Sicherheit gewährleistet."

Russland drohte für den Fall eines finnischen NATO-Beitritts mit politisch und militärisch „schwerwiegenden Auswirkungen“, wie das Außenministerium in Moskau vergangene Woche mitteilte. Finnland gehörte bis 1917 zum Russischen Kaiserreich. Ende November 1939 überfiel die Sowjetunion Finnland, dreieinhalb Monate später wurde ein Friedensvertrag unterzeichnet.