Die schwierige Flucht ukrainischer Transgender: "Legale Transphobie"

Geflüchtete aus der Ukraine treffen am 20.03.22 in Warschau ein
Geflüchtete aus der Ukraine treffen am 20.03.22 in Warschau ein Copyright Czarek Sokolowski/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved
Von Euronews
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Auf der Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat können ukrainische Transgender buchstäblich auch bürokratisch zwischen die Fronten geraten. Aber es gibt Nichtregierungsorganisationen, die beraten und helfen.

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Vor dem Grenzübertritt nach Polen hätte Joanne nie gedacht, dass sie die Ukraine überhaupt verlassen kann. Das liegt daran, dass sie eine Transgender ist, die vor Kriegsbeginn dabei war, ihre Geschlechtszugehörigkeit legal zu ändern. Im Endeffekt hat sie bislang nur ihre Geburtsurkunde aktualisieren können.

Joanne berichtet: "Ich hatte also ein Problem, denn mir wurde beigebracht, dass eine Geburtsurkunde nicht ausreicht, um die Grenze zu passieren. Man braucht einen Ausweis, den ich nicht habe. Meine Sorge war also, dass ich an der Grenze zurückgewiesen werde."

Obwohl es Joanne schließlich gelang, die Grenze zu passieren, hatten viele andere Mitglieder der Trans-Gemeinschaft nicht so viel Glück. 

Joanne fasst zusammen: "Man braucht ganz einfach die Dokumente. Wenn man sie hat, ist alles toll. Wenn man sie nicht hat, ist alles schlecht."

Transgender an die Front

Viele Transgender, die versuchen, aus der Ukraine zu fliehen, werden durch ein Ausreiseverbot für Männer im wehrfähigen Alter (18 Jahre - 60 Jahre) aufgehalten. Und obwohl LGBTQ+- Aktivisten in der Ukraine in den letzten Jahren Fortschritte gemacht haben, gibt es immer noch viele Hindernisse für Trans-Personen.

Zum Beispiel brauchen Transgender nach wie vor den Nachweis einer ambulanten psychiatrischen Untersuchung, um ihre Geschlechtskennzeichnung zu ändern, was zu einem stationären Krankenhausaufenthalt führen kann.

Das bedeutet, dass es immer noch viele Transfrauen mit männlichen Kennzeichen auf ihren Ausweisen gibt.

Igor Medvi ist Koordinator bei der ukrainischen NGO HPLGBT:_ "Die Situation ist sehr schwierig, weil sich die LGBT-Gemeinschaft schon vor dem Krieg ausgegrenzt und diskriminiert fühlte. Viele Menschen sagen, dass die Grenzpolizei und die Grenzbeamten ihre Entscheidung auf der Grundlage der Geschlechtsmarkierung im Pass treffen, wenn sie versuchen, die Grenze zu überqueren. Für uns ist dies ein weiteres Beispiel für legale Transphobie."_

Ausreise ist schwieriger geworden

Laut Igor konnten in den ersten Tagen des Krieges einige wenige Menschen ohne aktuelle Dokumente ausreisen. Seitdem sei dies fast unmöglich geworden. Aber es gibt immer noch Menschen, die extreme Anstrengungen unternehmen, um aus dem Land zu kommen.

Anastasiia Eva Domani ist Geschäftsführerin der ukrainischen NGO Cohort: "Es gibt zwei Trans-Organisationen in der Ukraine, und wir beide raten den Menschen, ihre Dokumente nicht zu verlieren und diese illegalen Methoden wie Bestechung und dergleichen nicht anzuwenden, denn die Leute werden einfach erwischt und ins Gefängnis gesteckt. Das macht die Situation nur noch schlimmer, denn wenn Ihre Dokumente in der Datenbank als verloren gelten, schafft das nur weitere Probleme."

Stattdessen empfahl Cohort den Menschen, in die westlichen Teile des Landes zu ziehen, um ein eventuelles Abflauen oder das Ende der Kämpfe abzuwarten. Und ihre Organisation stellt Hormone für die laufende Behandlung von Transgender bereit, die nicht an der Front sind. Während andere Aktivistinnen und Aktivisten einen humanitären Korridor fordern, um Mitglieder der Trans-Gemeinschaft aus der Ukraine zu bringen.

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