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Russische Bezirksrätin kritisiert Krieg und muss Russland verlassen

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Von Euronews
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Nina Belyaeva
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Nina Belyaeva, Abgeordnete des Bezirksrats von Semiluksky in Woronesch, gut 500 Kilometer südlich von Moskau hat sich unbeliebt gemacht. Und nicht nur das. Die anderen Bezirksräte haben sie ausgeschlossen. Sie hat nicht verhehlt, dass sie gegen den Krieg in der Ukraine ist. Sie sagte es ganz offen bei einer Sitzung, filmte sich dabei und veröffentlichte den Film in den sozialen Medien.

In der Sitzung sagte Belyaeva: "Ich bin gegen die Entscheidung des Präsidenten und gegen die Maßnahmen, die auf dem Territorium der Ukraine, eines souveränen Staates, ergriffen werden. Ich halte das, was passiert, für ein Kriegsverbrechen."

Ihre Kolleginnen und Kollegen stimmten für ihren Ausschluss aus dem Bezirksrat. Doch Belyaeva erhielt viele positive Rückmeldungen in den sozialen Medien: 

"Nicht nur aus Moskau und St. Petersburg schrieben mir die Menschen, auch aus ganz abgelegenen Dörfern. Danke Nina, schrieben sie. Viele sagten mir, dass meine Beiträge im Internet ihnen zeigten, dass sie mit ihrer anti-Kriegshaltung nicht alleine da standen. Sie trauten sich, meine Posts ihren Verwandten und Freunden zu zeigen.

Das haben sie sich nämlich vorher nicht getraut. Bei dieser massiven Propaganda, wenn es überall heißt, dass 86 Prozent der russischen Bevölkerung für den Krieg sei. Ich glaube nicht an Prozente. Es gibt viele Menschen, die Angst haben, die fürchten, dass sie ganz alleine mit ihrer Ablehnung des Kriegs sind. Und meine Worte haben ihnen Mut gegeben, dass sie sich anderen offenbarten und mit ihnen über den Krieg sprachen."

Nachdem Nina Belyaeva aus dem Bezirksrat geworfen worden war, kontaktierte sie einen Anwalt. Dieser riet ihr, Russland so schnell wie möglich zu verlassen. Wenn sie bliebe, sei ihr das Gefängnis sicher. Jetzt ist sie in einem europäischen Land. 

Nina Belyaeva sagt: "Es gibt Menschen in Russland, die gegen den Krieg sind, aber leider glauben sie, dass sie unwichtig sind, dass sie ohnehin nichts ausrichten können, dass ihre Meinung nicht zählt. Und dann natürlich die Angst. Ich kann das gut verstehen. Wenn im Bezirksrat wenigstens ein Drittel meiner Kollegen für mich gestimmt hätte, hätte ich vielleicht bleiben können. Aber das war nicht der Fall."