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Präsidentschaftswahlen in Frankreich: Die Mélenchon-Wählerschaft wird zum Königsmacher

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Von Cyril Fourneris
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Wahlkampf-Plakat in Frankreich
Wahlkampf-Plakat in Frankreich   -   Copyright  JOEL SAGET/AFP or licensors

Sie könnten das Zünglein an der Waage sein: die Anhänger:innen von Frankreichs Links-Kandidaten Jean-Luc Mélenchon, der es bei den Präsidentschaftswahlen nicht in die Endrunde schaffte. In Seine-Saint-Denis, einer sozialschwachen Region nahe Paris, hat sich jeder zweite Stimmberechtigte im ersten Wahlgang für den Linkspopulisten entschieden.

"Es ist eine Stichwahl die wir nicht erwartet haben, die wir nicht wollten", kommentiert ein Passant, ein anderer sagt: "Wir haben jetzt schon öfter keine richtige Wahl gehabt."

Einer Umfrage zufolge will mehr als ein Drittel von Mélenchons Wähler:innen für Emmanuel Macron stimmen. Aber die Hälfte lehnt beide ab. Der stellvertretende Vorsitzender von Mélenchons Partei "La France Insoumise" Éric Coquerel erklärt:

"Wir tun mehr als nötig, indem wir sagen, dass keine einzige Stimme an Frau Le Pen gehen sollte, indem wir den Leuten raten, wählen zu gehen. Von da an liegt es vielleicht an Herrn Macron, zu beweisen, dass Frau Le Pen die schlechtere Wahl ist."

Jean-Luc Mélenchon hat sich geweigert, zu einer Stimmabgabe für den Noch-Präsidenten aufzurufen. Er hat mehr als 7 Millionen Menschen von sich überzeugen können. Darauf will seine Partei bei den Parlamentswahlen bauen.

"Der Aufbau einer Mehrheit mit Mélenchons Plattform, zu der auch Parteien gehören, die bei den Präsidentschaftswahlen nicht auf unserer Seite waren und die sich unserer Plattform anschließen könnten, wird die Wählerschaft weiter mobilisieren und - warum nicht? - vergrößern", meint Coquerel.

Der Leiter für Umfragen am Meinungsforschungsinstitut IPSOS Mathieu Gallard hingegen glaubt nicht an den Erfolg einer sogenannten Kohabitation, eine Konstellation bei der Präsident und die stärkste Fraktion im Parlament unterschiedlichen politischen Lagern angehören:

"Die Wahlen zur Nationalversammlung bestätigen traditionellerweise die Ergebnisse der Stichwahl. Aber der Aufruf, nicht zur Wahl zu gehen oder einen ungültigen Stimmzettel abzugeben könnte sich auf die Mobilisierung der Mélenchon-Wählerschaft bei der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl auswirken."

Es wird erwartet, dass die Wahlbeteiligung mit 71 Prozent etwas niedriger sein wird als 2017.

"Es ist Endspurt bei diesen Präsidentschaftswahlen. Von diesem Freitag um Mitternacht an wird Frankreich in eine Schweigefrist vor den Wahlen eintreten, um den Wählern einen Tag Ruhe zu gönnen, bevor sie am Sonntag ihre Entscheidung treffen", fasst Euronews-Korrespondent Cyril Fourneris zusammen.