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Ukrainerinnen lernen im Kosovo wie man Minen entschärft

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Von Katharina Sturm
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Ukrainerin lernt wie man Minen entschärft
Ukrainerin lernt wie man Minen entschärft   -   Copyright  Visar Kryeziu/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.

Im Kosovo, weit weg von ihrer Heimat, lernen acht Frauen aus der Ukraine, wie man Minen räumt. Sie wollen ihrem Land bei der Beseitigung von der russischen Armee zurückgelassener, nicht explodierter Sprengkörper helfen - ein Prozess, der wohl noch Jahre nach dem Krieg andauern wird.

Artur Tigani ist Ausbilder für Minenräumung in dem Trainingszentrum in Peja. Er erzählt, dass die Menschen im Kosovo eine ganz ähnliche Situation erlebt haben. Vor allem wenn es um nicht explodierte Kampfmittel wie Minen, Submunition, aus der Luft abgeworfene Bomben und Lenkwaffen ginge, seien sie im Kosovo mit ihrer Erfahrungen aus erster Hand eine große Hilfe für die Ukrainerinnen.

Das Kosovo verfügt über Erfahrung und Fachwissen in diesem Bereich. Nach dem Krieg Ende der 90er Jahre mussten im Kosovo nach damaligen Schätzungen der USA 4.500 Minenfelder entschärft werden. Die meisten Sprengsätze befanden sich in der Nähe der Grenze zu Albanien, in den Bergen der Region Peja, von den Serben Pec genannt, wo die Befreiungsarmee des Kosovo Waffen, Munition und humanitäre Hilfe aus Tirana erhielten.

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Ukrainerinnen lernen wie man Minen entschärftVisar Kryeziu/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.

Dort in Peja üben nun sechs und bald acht Ukrainerinnen unter der Leitung des Mines Awareness Trust (MAT) das Aufspüren und Neutralisieren von Sprengstoffen. Das Trainingszentrum ist übersät mit verschiedenen entschärften Sprengkörpern. Die Auszubildenden lernen den Umgang mit Detektoren, das Erkennen von Minen und die Räumungstechniken. So sollen die Teilnehmerinnen des Trainingszentrums mit den aus der ehemaligen Sowjetunion übernommenen Sprengstoffen vertraut gemacht werden.

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Ausbildugnsstätte für MinenräumungVisar Kryeziu/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.

Die ukrainische Englisch Lehrerin Anastasiia Minchukova sagt, dass sie genau das gerade jetzt bräuchten. Das Land sei wichtig und müsse für den landwirtschaftlichen Anbau geräumt und freigegeben werden, sagte sie. Es gäbe Menschen, die dort leben und arbeiten wollen. Sie hätten keine Zeit und müssten jetzt arbeiten, so die Ukrainerin.

"Es gibt viele Möglichkeiten zu kämpfen. Ich werde es tun, indem ich Gebiete von Sprengkörpern säubere und die Menschen über die Gefahren von Minen aufkläre", fährt die junge Lehrerin fort. "Ich weiß, dass wir die Gelegenheit haben werden, zu beweisen, dass wir in der Lage sind, dasselbe zu tun wie Männer."

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Anastasiia MinchukovaVisar Kryeziu/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.

Anastasiia Minchukova ist sich der Gefahr bewusst, die das Entschärfen von Minen in der Ukraine mit sich bringt. Aber sie sei bereit und habe keine Angst, sagt Minchukova.

"Ich bin bereit. Ich bin Ukrainerin. Ich habe vor nichts Angst."
Anastasiia Minchukova
Ukrainische Lehrerin

Die als Reaktion auf die Invasion in der Ukraine eingerichtete Ausbildung steht allen offen, doch Kiew verbietet Männern zwischen 18 und 60 Jahren, ihr Land zu verlassen. Experten gehen davon aus, dass es Jahrzehnte dauern wird, bis die Tausenden von noch aktiven Sprengkörpern, die auf fast der Hälfte der Ukraine verstreut sind, unschädlich gemacht sind. Seit Beginn des Krieges hat das Kosovo die Ukraine uneingeschränkt unterstützt. Das Kosovo passte sich den westlichen Sanktionen gegen Moskau an und befreite Ukrainer von der Visumspflicht. Die Ausbildungsstätte will schon bald neue Gruppen von Ukrainern aufnehmen.
"Wir planen auch, in die Ukraine zu reisen, um vor Ort Schulungen durchzuführen", erklärt Artur Tigani.

Nach ihrer Rückkehr in die Heimat Mitte Mai wollen die ukrainischen Frauen ihr neu erlerntes Wissen in den Gebieten, aus denen sich die russischen Streitkräfte bereits zurückgezogen haben, in die Praxis umsetzen.