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Jahrelanger Krieg, jetzt Dürre: Der Irak fürchtet um seine Getreideversorgung

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Von Euronews  mit AFP
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Irakischer Landwirt bei der Weizenernte in der zentralen Provinz Diwaniya (26. April 2022)
Irakischer Landwirt bei der Weizenernte in der zentralen Provinz Diwaniya (26. April 2022)   -   Copyright  Haidar INDHAR / AFP

Nach Jahren des Krieges und der Zerstörung steht der Irak vor einer weiteren großen Herausforderung: die durch den Klimawandel verursachte und eine verfehlte Wasserpolitik zusätzlich verschärfte Trockenheit.

Die Auswirkungen bekommen die rund 40 Millionen Einwohner:innen des Landes täglich zu spüren. Von versiegten Flüssen bis zu immer häufiger auftretenden Sandstürmen.

Landwirte wie Kamel Hamed fürchten um ihre Ernte und ihre Zukunft. "Im Moment wissen meine Familie und ich nicht, wie wir weiterleben sollen. Ich habe weder eine Arbeit noch Lohn.

Wohin soll ich gehen? Der Staat hilft uns nicht mit dem Wasserproblem. Wir haben eine Dürre und werden im nächsten Jahr wir wahrscheinlich nicht pflanzen können. Dieses Jahr haben wir nur 25 % der Ernte angepflanzt. Und nächstes Jahr werden wir gar nichts anpflanzen können, wenn sich nichts ändert."

Von oben angeordnet: Weniger Wasser, weniger Ernteland

Wie alle Landwirte im Irak folgt Kamel Hamed den Anweisungen der Behörden, die sein Getreide aufkaufen. Sie bestimmen die Größe der Anbauflächen und den Bewässerungsgrad, je nach Wasservorräten und Regenfällen.

Aufgrund der Wasserknappheit hat der Irak in diesem Jahr die Anbauflächen um die Hälfte reduziert. Dementsprechend verringert sich der Ernteertrag.

Hamed hat ein Viertel seiner 10 Hektar Land bepflanzt. Der Krieg in der Ukraine habe zudem die Preise für Treibstoff und Saatgut in die Höhe getrieben. "Eine weitere finanzielle Belastung für die Landwirte", seufzt er.

2019 und 2020 wurden im Irak fünf Millionen Tonnen Weizen angebaut, laut Landwirtschaftsministerium genug, um die "Selbstversorgung" zu gewährleisten.

Doch in diesem Jahr werden es wohl nicht mehr als 3 Millionen Tonnen sein, was bedeutet, dass der Irak importieren muss. Angesichts der wegen des Ukrainekrieges horrenden Getreidepreise auf dem Weltmarkt eine neue Unwägbarkeit für das krisengeschüttelte Land.

Wassermangel und Landflucht

Die Wasserversorgung ist für den Irak auch eine entscheidende geostrategische Herausforderung. Das Land teilt sich das Wasser mehrerer Flüsse, insbesondere des Tigris und des Euphrat, mit der Türkei und Syrien, aber auch mit dem Iran. Bagdad wehrt sich gegen den Bau flussaufwärts gelegener Staudämme in seinen Nachbarländern, die die Fließgeschwindigkeit der Flüsse bei ihrer Ankunft im Irak verringern.

Die Provinz Diwaniya wird vom Euphrat bewässert und erhält normalerweise 180 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. In diesem Jahr schwankt der Pegel zwischen "80 und 90 Kubikmetern", beklagt Hani Chaër, der ein Kollektiv von Landwirten in Jaliha leitet, das für die Verteilung des Wassers zuständig ist.

Er kritisiert auch die mangelnde Unterstützung der Behörden. Seiner Meinung nach hat das Landwirtschaftsministerium seiner Kollektive in dieser Saison nur 5 Kilogramm Dünger zur Verfügung gestellt, im Vergleich zu 40 Kilogramm in den Vorjahren.

"Die Bauern werden das Land aufgeben und in die Stadt gehen, um irgendeine Arbeit zu suchen", bedauert er.