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Verhandlungen um Soldaten in Azovstal gehen weiter

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Von Julika Herzog  mit dpa, AP, AFP
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Gefechte in der Ukraine
Gefechte in der Ukraine   -   Copyright  AFP

Die letzten ukrainischen Soldaten in Mariupol, die weiter im Stahlwerk Azovstal verschanzt sind, haben ein Video veröffentlicht, das die anhaltenden schweren Kämpfe um diese letzte ukrainische Bastion in der von Russland besetzten Hafenstadt zeigen soll.

Diplomatische Bemühungen und Tauschgeschäft für Azovstal-Kämpfer

Russland lehnt bisher jede Evakuierung ab, fordert von den Ukrainern im Werk die Kapitulation, was die ukrainischen Truppen kategorisch ablehnen. Es wird angenommen, dass sich noch mehrere hundert verwundete ukrainische Soldaten ohne medizinische Versorgung in der Fabrik verschanzt haben.

Mit internationaler Unterstützung setzt die ukrainische Führung ihre diplomatischen Bemühungen um Rettung der Soldaten im belagerten Stahlwerk Azovstal in der Hafenstadt Mariupol fort. "Wir haben eine neue Runde der Verhandlungen eröffnet" sagte Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk nach Angaben der "Ukrajinska Prawda". Kiew habe den UN und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz das Mandat zu den Gesprächen mit der russischen Seite erteilt, die Türkei sei inzwischen als Vermittler dabei.

Die ukrainische Führung schlägt dem russischen Militär ein Tauschgeschäft vor. Angestrebt sei eine Evakuierung in mehreren Etappen - an erster Stelle stehe die Rettung von 38 schwer verwundeten Verteidigern aus Azovstal. Sollte dies klappen, "dann bewegen wir uns weiter". Die Ukraine ist unter anderem bereit, russische Kriegsgefangene für die Verwundeten auszutauschen.

Die Familien der Soldaten fordern, dass sie sofort abziehen dürfen: "Was dort gerade passiert, ist kein Krieg, es ist ein Massaker. Das ist ein Verstoß gegen jegliche Konventionen. Da werden Menschen getötet, die eingekesselt sind", sagt der Vater eines im Stahlwerk verschanzten Soldaten.

Unterdessen gehen im Osten der Ukraine die schweren Gefechte zwischen ukrainischen und russischen Truppen weiter. Die Stadt Bakhmut im Donbas steht unter schwerem Beschuss, einige der umliegenden Ortschaften wurden bereits von den Russen eingenommen.

UN fordert Ende von Bombardierung und militärischer Nutzung von Schulen in Ukraine

Die Bevölkerung vor Ort versucht, ihr Leben soweit es geht fortzusetzen, während die Russen langsam auf ukrainisches Territorium vorstoßen. Für Kinder ist die Situation besonders schwer. In U-Bahn-Stationen in Charkiw wird Unterricht organisiert. Die Schulen des Landes bleiben geschlossen und werden nicht selten bombardiert. Die Vereinten Nationen haben ein Ende der Bombardierungen sowie der militärischen Nutzung von Schulen in der Ukraine gefordert.

"Hunderte von Schulen im ganzen Land wurden Berichten zufolge von schwerer Artillerie, Luftangriffen und anderen explosiven Waffen in bewohnten Gebieten getroffen", sagte der Vizedirektor des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Omar Abdi. "Diese Angriffe müssen aufhören."

UN: Knapp 100 tote Kinder in der Ukraine im vergangenen Monat

Der russische Krieg in der Ukraine hat alleine im April nach UN-Angaben 100 Kindern das Leben gekostet. "Und wir glauben, dass die tatsächliche Zahl wesentlich höher liegt", sagte Omar Abdi weiter, bei einer Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen am Donnerstag. Noch mehr Kinder wurden verletzt, Millionen wurden gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, betonte er weiter.

Bei dem Treffen ging es um die humanitäre Situation in dem Konflikt. Abdi fügte hinzu, dass viele Kinder zudem durch die Kampfhandlungen verletzt wurden. Millionen seien vertrieben worden, Schulen würden angegriffen. "Der Krieg in der Ukraine ist wie alle Kriege eine Kinderschutz- und Kinderrechtskrise."

Abdi zufolge wird der Krieg Kinder des Rechts auf Bildung beraubt. Etwa 3,7 Millionen ukrainische Kinder in der Ukraine und im Ausland seien im Fernunterricht, was nur als eine vorübergehende Lösung betrachtet werden könne.