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In Russlands Gefängnissen schon mehr als 300 Wagner-Söldner angeworben

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Von Kirsten Ripper  & Euronews  mit Moscow Times, AP
Gefängnis in St ¨Petersburg in Russland - ARCHIV
Gefängnis in St ¨Petersburg in Russland - ARCHIV   -   Copyright  Dmitry Lovetsky/AP

Im Osten der Ukraine fehlen der russischen Armee offenbar mehr und mehr die Soldaten für die geplante Einnahme der gesamten Region Donbas. Laut mehreren Berichten aus Russland rekrutieren der Inlandsgeheimdienst FSB und die Wagner-Gruppe jetzt in Gefängnissen und in Werften "Freiwillige" für den Krieg in der Ukraine. 

Und offenbar funktioniert diese Methode. Kreml-Kritiker Igor Sushko berichtet auf Twitter - unter Berufung auf den Menschenrechtsaktivisten Wladimir Osechkin, der vor allem Missstände in russischen Gefängnisssen aufgedeckt hat und seit Jahren in Frankreich lebt -, dass in einer Strafkolonie offenbar 300 Häftlinge für die Wagner-Gruppe angeworben wurden. Die kleine Republik Adygeja liegt im Nordkauskasus.

Auch den Gefangenen in St. Petersburg und anderen Orten in Russland wird offenbar ein teilweises Erlassen der Haft sowie ein Sold angeboten. Im Gegenzug sollen sie im Donbas an der Front kämpfen oder Minen räumen. Den Häftlingen wird auch erklärt, dass die Familien im Fall ihres Todes ihre Leichen nicht erhalten.

Für den angebotenen Job gibt es laut Sushko keine schriftlichen Verträge, sondern nur mündliche Zusagen.

Die Moscow Times berichtet ebenfalls davon, dass den Familien von Häftlingen fast 90.000 Euro angeboten werde, wenn die "Freiwilligen" in der Ukraine ums Leben kommen sollten.

Igor Sushko - der unter dem Slogan #WindofChange aktiv ist - fordert die internationale Staatengemeinschaft und alle dazu auf, die Anwerbung von Gefangenen in Russland zu stoppen. Verzweifelte Familien flehen Berichten zufolge um Hilfe, da die Häftlinge in den Strafkolonien nicht wirklich die Wahl hätten.

Die Moscow Times schreibt, dass laut einer Recherche von istories die für den Kreml arbeitende private Wagner-Söldner-Gruppe Gefangenen in St. Petersburg und Nischni Nowgorod sechs Monate Straferlass angeboten hat. Dem Bericht zufolge wurden in St. Petersburg 200 Gefangene angesprochen, von denen sich etwa 40 verpflichtet haben sollen.

"Meinem Verwandten wurde gesagt: 'Es ist sehr schwierig, dort [in der Ukraine] Nazis aufzuspüren, sie sind sehr gut ausgebildet'", sagte das Familienmitglied eines Häftlings gegenüber iStories und erzählte von einem Treffen seines Verwandten mit den Rekrutierern. "Sie sagten: 'Du wirst in der Vorhut sein und helfen, die Nazis aufzuspüren, also wird nicht jeder zurückkommen.'" Die offizielle russische Erklärung für den Einmarsch in die Ukraine ist die "Entnazifizierung" des Nachbarlandes.

Versuchte Anwerbung von Werft-Arbeitern in Russland für den Krieg in der Ukraine

Laut Moscow Times gab es auch in zwei Werften, die von der staatlichen United Shipbuilding Corporation und dem Bergbauunternehmen Metalloinvest des Milliardärs Alisher Usmanow betrieben werden, Anwerbeversuche. Der Oligarch Usmanow hat neben einer Luxusjacht auch Immobilenbesitz am Tegernsee.

Sowohl gegen Usmanow als auch gegen die United Shipbuilding Corporation gelten derzeit Sanktionen der USA, Großbritanniens und der EU wegen des Kriegs in der Ukraine.

In den Werften in St. Petersburg sollen den Arbeitern Verträge mit dem russischen Verteidigungsministerium angeboten worden sein - mit einem monatlichen Gehalt von 300.000 Rubel (mehr als 5.000 Euro).

Die Werftmitarbeiter wurden in einem Rekrutierungsbüro befragt, wobei die Anwerber fragten: "Sind Sie damit einverstanden, unter [militärischem] Vertrag zu dienen?" Keiner seiner Kollegen stimmte den Bedingungen zu, so ein Arbeiter gegenüber der Moscow Times.

Mehrere westliche Militärexperten gehen davon aus, dass Russland über genügend Waffen verfüge - wenn auch nicht unbedingt Präzisionsraketen. Doch schon seit Beginn des Einmarsches vor mehr als vier Monaten fehlen der russischen Armee motivierte Soldaten. Zudem sind laut ukrainischen Angaben inzwischen mehr als 27.000 Soldaten aus Russland im Krieg in der Ukraine getötet worden. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben derzeit nicht.