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Inflation und Personalnot - Wiens älteste Bäckerei Arthur Grimm im Dilemma

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Von Euronews mit AP
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Das Stammhaus der Bäckerei Grimm im Zentrum von Wien
Das Stammhaus der Bäckerei Grimm im Zentrum von Wien   -   Copyright  screengrab AP

Tradition hat vielerorts in Wien noch einen hohen Stellenwert. Die Fiaker, Vorläufer der Taxis, erhielten erstmals 1693 eine Fahrlizenz. Über ein Jahrhundert zuvor gründete Bäcker Arthur Grimm sein Stammhaus in der Kurrentgasse im Herzen von Wien.

2003 übernahm Andreas Maderna das florierende Geschäft von seinem Vater und erweiterte den Betrieb um drei Fillialen. Jetzt bringt der Anstieg der Inflation auf 8,7 Prozent im Juni (höchster Stand seit 1975; Anm.d.Red.) alle Kalkulationen durcheinander.

Andreas Maderna nennt Beispiele: "Im Moment sind wir in einer Situation wenn ich heute einen Preis kalkulier, ist der nächste Woche nicht mehr aktuell. Weil, ich bekomm in der Woche sicher zehn Emails von Lieferanten, die eine Preissteigerung in Aussicht stellen. Nur zum Beispiel: Butter haben wir im November 2021 noch eingekauft für unter vier Euro, mit 3,95. Jetzt ist es so, dass wir bei 8,40 sind."

Maderna hat im laufenden Jahr schon zweimal die Preise erhöhen müssen und teilt damit das Schicksal vieler kleier und mittelständischer Betriebe.

"Kleine Unternehmen können nicht abpuffern"

Franz Sinabell ist Ökonom am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung in Wien: "Getreide ist teurer geworden, somit ist Mehl teurer geworden und vor allem die Energie ist sehr sehr teuer geworden. Und kleine Unternehmen haben nicht die Möglichkeit, das abzupuffern."

Der Verkaufsschlager Laugenbrezen kostet in der Bäckerei Grimm mitlerweile 1,10 Euro. Die kaum weniger begehrten Semmeln gehen - noch - für knapp unter einen Euro über die Theke.

Existenzbedrohend sei aber ein ganz anderer Faktor, so Maderna: "Also am besorgniserregendsten, ja, ist für mich natürlich der Mitarbeitermangel. Die Teuerung, glaube ich oder hoffe ich, ist jetzt ja nur eine - in Anführungszeichen - Modeeerscheinung."

Kein Ersatz für Ruheständler

Ökonom Franz Sinabell spricht von einem klar erkennbaren Trend, dessen Höhepunkt noch nicht erreicht worden sei: "Die Verknappung der Arbeitskräfte sehen wir bereits jetzt. Vor allem in Bereichen, wo die Löhne nicht sehr hoch sind gelingt es den Unternehmen sehr schwer, gut qualifizierte Arbeitskräfte zu finden."

Ein Problem in ganz Österreich sei, dass Mitarbeitende, die in Rente gehen, zu oft gar nicht mehr ersetzt werden können. Laut Sinabell werde sich dieser Personalmangel in drei bis vier Jahren dramatisch zuspitzen.

Durch Verrentungen hat sich auch das Stammpersonal der Bäckerei Grimm auf 18 Angestellte reduziert, obwohl Andreas Maderna eigentlich 28 Mitarbeitende bräuchte. Ihm blieb nichts anderes übrig, als die Öffnungszeiten zu verkürzen und eine Filiale vorübergehend zu schließen.