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Nach Sturzfluten an der Adria: Italien räumt auf - Klimawandel wird zum Wahlkampfthema

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Von Euronews  mit AFP/DPA
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Aufräumarbeiten in  Senigallia
Aufräumarbeiten in Senigallia   -   Copyright  Guido Calamosca/LaPresse via AP

Nach den heftigen Unwettern in der Gegend um Ancona haben an der italienischen Adriaküste die Aufräumarbeiten begonnen.

Bei den verheerenden Regenschauern mit Sturzfluten und Schlammlawinen am vergangenen Donnerstag kamen mindestens 10 Menschen ums Leben - vier weitere werden noch vermisst.

Die Gegend wurde vom Unwetter völlig überrascht. Augenzeugen berichten von apokalyptischen Zuständen.,

"Zum Glück wohnen wir im ersten Stock", erklärt Gabriele Balducci, Bewohner des Ortes Pianello di Ostra. "Von unserer Terrasse aus sahen wir, wie die Wassermassen in weniger als 10 Minuten von 50 Zentimetern auf anderthalb Meter anstiegen."

Aurora Marcuri, die in Ostra wohnt berichtet: "Als wir am Morgen im Haus der Großmutter ankamen, war die Situation dramatisch. Es ist nicht mehr bewohnbar, wir haben alles weggeworfen, was drin war, und ich weiß nicht, ob und wann es möglich sein wird, wieder hier zu wohnen."

"Italien und Europa müssen den Klimawandel ernst nehmen"

Erst extreme Dürre- und Hitzephasen, nun sintflutartige Regenfälle, viele sehen einen Zusammenhang mit dem Klimawandel. Das Thema ist plötzlich auch im italienischen Wahlkampf präsent.

Die gesamte politische Klasse gab ihre Unterstützung für die Region Marken und deren Bevölkerung zum Ausdruck, vom Staatspräsident Sergio Mattarella über Noch-Regierungschef Mario Draghi bis hin zu Matteo Salvini, dem Chef der rechtspopulistischen Lega, Enrico Letta, dem Chef der Demokratischen Partei (PD, Mitte-Links), und Giorgia Meloni, der Chefin der postfaschistischen Partei Fratelli d'Italia (FDI).

"Wie kann man glauben, dass der Kampf gegen den Klimawandel nicht oberste Priorität hat", schrieb Letta in den sozialen Netzwerken.

"Italien und Europa müssen den Klimawandel ernst nehmen", urteilte seinerseits der EU-Wirtschaftskommissar, der Italiener Paolo Gentiloni, auf Twitter.

Ein Vorgeschmack auf die Zukunft

Der scheidende Ministerpräsident Mario Draghi rief in den Marken den Notstand aus und gab eine erste Hilfszahlung in Höhe von fünf Millionen Euro bekannt. Er sagte auch: "Die betroffenen Anwohner wollen, dass eine sichere Umwelt wieder hergestellt wird. Ohne dies gibt es für die Menschen, die hier leben, keine Möglichkeit zu bleiben. Das hydrogeologische Problem anzugehen bedeutet auch, das Problem der Infrastrukturen anzugehen, es bedeutet zu investieren, aber vor allem bedeutet es, dem Klimawandel entgegenzuwirken."

Der italienische Zweig der Jugend-Klimabewegung "Fridays for Future" reagierte ebenfalls auf Twitter, während der Präsident des italienischen Roten Kreuzes, Francesco Rocca, seine "Besorgnis über den Anstieg extremer Wetterereignisse" zum Ausdruck brachte.

"Was passiert ist, ist ein außergewöhnliches Ereignis, mit dem niemand gerechnet hat. Etwa 400 mm Regen fielen in sechs Stunden in einem Gebiet, in dem normalerweise 1.500 mm Regen pro Jahr fallen", erklärte Paola Pina D'Astore, Beraterin der Italienischen Gesellschaft für Umweltgeologie (SIGEA). "Das hängt sicherlich mit dem Klimawandel zusammen und wir müssen uns daran gewöhnen und uns anpassen. Was passiert ist, ist (...) ein Vorgeschmack auf die Zukunft", warnte sie.

Wie seine europäischen Nachbarn ist auch Italien vom Klimawandel hart betroffen. Die Po-Ebene, der größte Fluss des Landes, erlebte diesen Sommer die schlimmste Dürre seit 70 Jahren und am 11. Juli kamen 11 Menschen beim Einsturz eines Teils des Marmolada-Gletschers in den italienischen Alpen ums Leben.

Nach Monaten der Dürre und Trockenheit waren in der Gegend um Ancona in rund drei Stunden mehr als 420 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Laut Behörden so viel Regen wie in der Gegend normalerweise in einem halben Jahr niedergeht.