Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

EZB vor Erhöhung des Leitzinses: Es gilt, einen Inflationstsunami zu verhindern

Access to the comments Kommentare
Von Euronews  mit AFP, DPA
Das EZB-Gebäude
Das EZB-Gebäude   -   Copyright  Diritti d'autore Michael Probst/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved

Die EU-Länder befinden sich in einer Zwickmühle zwischen der Eindämmung der Preisanstiege und der Bewältigung des Wirtschaftsabschwungs. Unter dem Dilemma hat besonders die Euro-Zone zu leiden, da die Europäische Zentralbank wohl am Donnerstag den Leitzins erhöhen wird, um einen Inflationstsunami zu verhindern.

Die unterschiedlichen Inflations-Niveaus der wichtigsten Wirtschaften in der Euro-Zone machen die Aufgabe der EZB nicht einfacher. Die Erhöhung der Leitzinsen ist eine kollektive Maßnahme, die keine individuellen Inflationsraten verschiedener Länder berücksichtigen kann.

Das wird viele Länder vor Probleme stellen. "Wir haben eine einzige Geldpolitik für 19 verschiedene ineffizient koordinierte Budget-Politiken. Selbst zwischen den großen Ländern haben sich bei den wirtschaftlichen Unterstützungsmaßnahmen enorme Unterschiede aufgetan," erklärt Pierre Jaillet, Wirtschaftsforscher am IRIS und am Jacques Delors Institut: "Wir haben über das deutsche Entlastungspaket von 200 Milliarden Euro gesprochen. Sogar Frankreich hat seit Herbst 2021 bemerkenswerte Summen in die Hand genommen. Und dennoch wurden all diese Maßnahmen nicht auf europäischem Level abgesprochen."

Mangelnde Abstimmung als Achillesferse des Euros

Im Gegensatz zu anderen großen Wirtschaften wie der USA, wo der Zusammenhang von Geldpolitik und wirtschaftlichen Maßnahmen ein effektiveres Vorgehen gegen die Gefahren einer Rezession erlaubt, ist die mangelnde Abstimmung die Achillesferse des Euros.

Euronews
Der S&P SMI Index Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und der USA.Euronews

Der S&P SMI Index ist ein aussagekräftiger Indikator für die Einkaufsaktivitäten von Unternehmen: Liegt er unter 50%, ist das ein Zeichen dafür, dass Unternehmen in Erwartung schlechter Zeiten Sparmaßnahmen treffen.

Unternehmen und Verbraucher:innen erleben Einkommensverluste

Die steigenden Kosten für Basisgüter bei Unternehmen und Verbraucher:innen führen zu Einkommensverlusten.

"Wir könnten überlegen, wie wir den Einkommensverlust auf die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten verteilen und dabei Haushalte mit niedrigerem Einkommen schützen", schlägt André Sapir vom Bruegel Institut vor: "Das würde auch bedeuten, dass Menschen mit höherem Einkommen Verluste hinnehmen müssten. Wir können in unserer Wirtschaft nicht jede einzelne Person und jedes Unternehmen individuell kompensieren."

Regierungen werden die perfekte Balance zwischen geldpolitischen Entscheidungen und wirtschaftlichen Maßnahmen finden müssen. Ansonsten könnte die EU an den Rand einer Rezession geraten.