Wagner-Symbole in Belgrad: Wie steht es um Serbiens Beziehung zu Putin?

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Von Euronews  mit AP
Symbol der russischen Wagner-Söldner in Belgrad in Serbien
Symbol der russischen Wagner-Söldner in Belgrad in Serbien   -   Copyright  Darko Vojinovic/Copyright 2023 The AP. All rights reserved

Nicht nur in Serbien sorgt das Totenkopf-Emblem der russischen Wagner-Söldner an einer Mauer im Stadtzentrum von Belgrad für heftige Diskussionen. Die Verantwortung für diese Graffiti übernehmen die sogenannten "Volkspatrouillen", eine rechtsextreme Organisation, die schon zuvor - ohne viel Zulauf - Pro-Putin-Kundgebungen in Serbien abgehalten hatte.

Vucic wütend über Wagner-Kampagne auf Serbisch

Der Präsident von Serbien, Alexander Vucic, hat wütend auf ein Video reagiert, in dem Russlands Propagandasender auf Serbisch dazu aufrufen, sich bei den Wagner-Söldnern zu engagieren.

Vucic kritisierte auch russische Websites und Gruppen in den sozialen Medien, in denen Serben dazu angestachelt wurden, sich der umstrittenen Militärgruppe Wagner anzuschließen, die von Jewgeni Prigoschin, einem engen Verbündeten des russischen Präsidenten Wladimir Putin, gegründet wurde.

Serbischen Gesetzen zufolge ist es für serbische Bürger illegal, in Konflikten im Ausland kämpfen. Serbiens Gerichte haben auch schon Söldner, die in der Ukraine waren, verurteilt.

Vucic: "Seit vielen Monaten nicht mehr mit Putin gesprochen"

In Anspielung auf die offenbar nicht wirklich guten Beziehungen zu Moskau erklärte Präsident Vucic, Serbien sei nicht nur "neutral" gegenüber dem Krieg in der Ukraine, sondern er habe "seit vielen Monaten" nicht mehr mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gesprochen.

Bisher waren günstige Gaslieferungen aus Russland, die Mehrheitsbeteiligung von Gazprom an der serbischen Ölgesellschaft NIS und die Weigerung Moskaus, die Unabhängigkeit des Kosovo anzuerkennen, in Belgrad Gründe für die Beibehaltung der traditionell guten Beziehungen.

Der US-Botschafter in Serbien, Christopher Hill, erklärte nach den jüngsten Moskau-kritischen Tönen, er sei froh zu hören, dass Präsident Vucic "die Bedrohung des Friedens und der Stabilität, die von Wagner ausgeht", erkannt habe.

In einem Interview mit Bloomberg sagte Serbiens Präsident, um seine Haltung zu unterstreichen: "Die Krim ist für uns die Ukraine, der Donbas ist die Ukraine, und das wird auch so bleiben."

Serbien hat keine Sanktionen gegen Russland in Kraft gesetzt

Von politischen Widersachern wurde aber auch Alexander Vucic beschuldigt, er stehe auf der Seite der serbischen Rechtsextremisten, die mit der Wagner-Truppe zusammenarbeiten.

So schrieb der Stabschef der Präsidentin des Kosovo Mitte Januar auf Twitter: "Die Unterstützung für Wagner durch Rechtsextremisten in Serbien ist die Fortsetzung der immer stärkeren Präsenz von Söldnern aus der Serbischen Republik an der Seite von Russland im Krieg gegen die Ukraine." Und Blerim Veda beschuldigte den serbischen Präsidenten, Vucic arbeite mit den Rechtsextremisten zusammen, um die Region zu destabilisieren. Wagner-Söldner sollen daran beteiligt gewesen sein, die Spannungen zwischen Serbien und Kosovo zu verschärfen.

Bei den UN-Resolutionen hat Serbien allerdings Russlands Krieg in der Ukraine stets verurteilt.

Die Europäische Union verweist darauf, dass sich Serbien den Sanktionen gegen Russland wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht angeschlossen hat. Das EU-Parlament hat schon zwei Mal für eine Resolution gestimmt, um die Beitrittsverhandlungen Serbiens zur Europäischen Union auszusetzen.

Dabei betont Alexander Vucic erneut den pro-europäischen Kurs seines Landes. In dem Bloomberg-Interview sagte er: "Ich weiß, dass die EU unser Weg ist. Es gibt keine anderen Wege."

Offenbar ist es für Vucic eine Art wackeliger Balanceakt, Serbien zwischen der traditionellen Freundschaft zu Russland und den pro-europäischen Ambitionen zu positionieren. Einige Beobachter meinen auch, was Serbiens Präsident bisher gegen Russlands Krieg in der Ukraine gesagt habe, sei "too little, too late".