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Massengräber für die Tausenden Toten in Libyen

Rettungskräfte suchen nach Überlebenden in Darna
Rettungskräfte suchen nach Überlebenden in Darna Copyright BASMA BADRAN/AFP
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Von Julika Herzog mit dpa, AFP, AP
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Nach den katastrophalen Überschwemmungen in Libyen suchen Rettungskräfte und Angehörige weiter nach Überlebenden und bergen die vielen Toten. Hunderte Menschen wurden in Massengräbern beerdigt.

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Die Opferzahlen - eine der zwei verfeindeten Regierungen spricht von mehr als 5000- könnten noch steigen, rund 10 000 Menschen gelten nach Angaben des Roten Kreuzes weiter als vermisst.

Bilder aus dem Bürgerkriegsland zeigen das Ausmaß der Schäden, besonders dramatisch ist die Lage in der Hafenstadt Darna, wo zwei Dämme brachen.

Häuser und Menschen ins Wasser gespült

Hier wurden ganze Stadtviertel und zahlreiche Menschen von den Wassermassen ins Meer gespült.

Leider ist die Hälfte der Menschen hier, vielleicht sogar 90 %, ertrunken. Das Haus meiner Tante ist weg, auch meine andere Tante hat ihr Haus verloren, und auch das Haus meines Cousins ist weg. Es ist wie ein Völkermord", berichtete ein Einwohner.

Hunderte Opfer wurden nahe Darna in Massengräbern beerdigt.

"Erst wurden diejenigen begraben, deren Identität festgestellt wurde"», sagte ein Augenzeuge. "Wegen des Stromausfalls und fehlender Plätze für die Leichen wurden die anderen Toten fotografiert und dann begraben, um sie später identifizieren zu können." Unter den Opfern sollen sich ganze Familien befinden, die zusammen beerdigt wurden.

„Wir begraben gerade massenhaft die Leichen. Allein die Zahl der Opfer, die gestern im benachbarten Krankenhaus eintrafen, in der Gegend von Shiha, wird auf etwa tausend Tote geschätzt, darunter Frauen, Kinder, Männer und ältere Menschen“, so ein anderer Mann. 

Wegen der Wassermassen sind viele Gebiete von der Außenwelt abgeschnitten. Erste internationale Hilfe, darunter auch aus Ägypten ist bereits eingetroffen. Immer mehr Länder bieten ihre Unterstützung an, auch die Vereinten Nationen wollen helfen.

Doch die Rettungsmassnahmen werden durch die politische Situation in Libyen behindert. Derzeit kämpfen zwei verfeindete Regierungen mit jeweils einem Sitz im Osten und Westen um die Macht.

Es wird untersucht, wie die Überschwemmungen eine derartige Verwüstung anrichten konnten. Ein Grund ist die nach mehr als zehn Jahren Bürgerkrieg stark geschädigte Infrastruktur und deren fehlende Instandhaltung.

Seit dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 herrscht in Libyen Bürgerkrieg. In dem ölreichen Staat in Nordafrika ringen bis heute zahlreiche Milizen um Einfluss. Alle diplomatischen Bemühungen, den bis heute andauernden Bürgerkrieg friedlich beizulegen, scheiterten bislang. Der Konflikt wird durch ausländische Staaten zusätzlich befeuert. Die staatliche Ordnung in dem Land ist weitgehend zerfallen.

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