Russische Luftabwehr schießt ukrainische Drohnen über der Krim ab

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin begutachtet den Start eines Dronenschwarms in Mountain View (Kalifornien), 1.12.2023
US-Verteidigungsminister Lloyd Austin begutachtet den Start eines Dronenschwarms in Mountain View (Kalifornien), 1.12.2023 Copyright Lolita Baldor/Copyright 2023 The AP. All rights reserved.
Von Christoph Debetsdpa, EFE
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Russland meldet Abschuss von 26 ukrainischen Drohnen. Die Ukraine berichetet von mehreren russischen Angriffswellen gegen die Südukraine und Kiew. In der Ostukraine lieferten sich beide Seiten Dutzende Bodengefechte.

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Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden am späten Freitagabend innerhalb weniger Stunden mindestens 26 ukrainische Drohnen über der besetzten Krim abgeschossen, gegen Mitternacht noch einmal sechs. Nutzer sozialer Medien berichten von Explosionen praktisch rund um die Halbinsel sowie in Henitschesk ist eine Stadt in der südukrainischen Oblast Cherson am Asowschen Meer, die ebenfalls von russischen Streitkräften besetzt ist.

Ukrainische Drohnenangriffe auf die Krim

In der Hafenstadt Sewastopol auf der Krim waren am Freitagabend Explosionen zu hören, weil nach Angaben des russischen Stadtchefs Michail Raswoschajew die Flugabwehr im Einsatz war. Eine ukrainische Drohne sei dabei abgeschossen worden. Unabhängig überprüfbar waren diese Angaben nicht.

Auch aus der russischen Region Kursk an der Grenze zur Ukraine meldeten die Behörden ukrainische Drohnenangriffe. Vier Drohnen seien abgefangen worden, teilte Gouverneur Roman Starowojt mit. Dennoch richteten die übrigen Drohnen Schäden an Gebäuden, Bahnanlagen und Überlandleitungen an.

Zusammen mit anderen russischen Grenzregionen wie Belgord und Brjansk wurde Kursk in der Vergangenheit wiederholt von ukrainischen Drohnen angegriffen

Mehrere russische Angriffswellen gegen die Südukraine und Kiew

Die Ukraine meldet ebenfalls einen neuen massiven russischen Drohnenangriff. Gegen Mitternacht entdeckte das Militär mehrere Angriffswellen auf die südukrainischen Gebiete Cherson und Mykolajiw sowie in Richtung Kiew. Ukrainische Medien berichten von Explosionen am Rande der Hauptstadt.

Russland hat seine Luftangriffe auf die Ukraine in den vergangenen Tagen verstärkt und dabei Drohnen, ballistische Raketen, Hyperschallraketen und Marschflugkörper eingesetzt. Ihrerseits schien auch die Ukraine Drohnen in Richtung der von Russland annektierten Halbinsel Krim und nach Kursk gestartet zu haben. 

Dutzende Bodengefechte in der Ostukraine

Der ukrainische Generalstab berichtete in seinem Lagebericht für Freitagabend von 82 einzelnen Gefechten mit russischen Truppen entlang der Front im Osten und Süden des Landes. Besonders heftig waren die Kämpfe erneut bei der Stadt Awdijiwka. Sie wird von den Ukrainern verteidigt und liegt dicht an Donezk, der russisch kontrollierten Hauptstadt des Kohle- und Industriereviers Donbass.

Russische Bodengewinne bei Marjinka

Zahlreiche Gefechte wurden auch an den Frontabschnitten Kupjansk und Lyman, Bachmut sowie Marjinka gezählt. Auf die Lage in Marjinka ging auch der tägliche Bericht des britischen Verteidigungsministeriums ein. Russland habe die kleinen Bereiche, die dort noch unter ukrainischer Kontrolle sind, weiter reduziert. Ein operativ bedeutsamer russischer Durchbruch in diesem Sektor sei aber höchst unwahrscheinlich, lautete die Einschätzung der Briten. Marjinka liegt knapp 30 Kilometer südwestlich von Donezk. Der Ort hatte vor dem Krieg etwa 9000 Einwohner und ist mittlerweile fast völlig zerstört. 

Selenskyj spricht von neuen Initiativen

Der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj würdigte bei einem Besuch im westukrainischen Lemberg die auf dem Lytschakiwski-Friedhof bestatteten Soldaten. Der Friedhof verfügt seit Mitte 2022 über einen eigenen Bereich für Soldatengräber. Er traf auch mit den Familien einiger gefallener Soldaten und Offiziere zusammen.

In einem Video, das auf dem Friedhof aufgenommen wurde, kündigte er weitere außenpolitische Initiativen für das kommende Jahr an. "Wir arbeiten weiterhin mit unseren Partnern zusammen, um sicherzustellen, dass die Einheit bei der Verteidigung der Ukraine gewahrt wird", sagte Selenskyi und  lobte die "hohe Moral" der Bevölkerung. Diese sei wichtig und "eine Ermutigung".

Putin trifft mit dem Präsidenten der russischen Duma und den Fraktionsvorsitzenden zusammen

Der russische Präsident Wladimir Putin traf am Freitag nach Abschluss der Herbstsitzung der Staatsduma im Kreml mit Dumapräsident Wjatscheslaw Wolodin und den Vorsitzenden der Parlamentsfraktionen zusammen.

Zu Beginn des Treffens gratulierte Putin  den Fraktionsvorsitzenden zum 30. Jahrestag der russischen Verfassung, der am 12. Dezember begangen wird

Putin betonte, dass die Verfassung "ein lebendiger Organismus" sei, der die Rolle des Parlamentes durch die 2020 beschlossene Verfassungsänderung erheblich erweitert habe. Diese Verfassungsänderung ermöglicht es Putin unter anderem bis 2026 an der Staatsspitze zu bleiben.

Im Hinblick auf die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen am 17. März rief der Präsident dazu auf, diese "auf einer wettbewerbsorientierten Basis und in voller Übereinstimmung mit den Gesetzen Russlands" sowie auf "transparente, legitime und ehrliche" Weise abzuhalten.

"Alle politischen Parteien und Gruppierungen werden ihren eigenen Standpunkt festlegen. Ich glaube, das Wichtigste für alle ist ein tiefes Verständnis für die wichtigsten nationalen Interessen, für ihre Verantwortung gegenüber dem Volk, dem Land und seiner Zukunft", sagte Putin.

Putin warnt vor ausländischer Einmischung

Er nutzte die Gelegenheit vor ausländischen Einmischungen in die Wahlen und inneren Angelegenheiten Russlands zu warnen. Diese würden "in Übereinstimmung mit den Gesetzen Russlands entschieden unterbunden".

"Wir werden die Freiheit unseres Volkes, seine Souveränität und sein Recht, über seine Zukunft zu entscheiden, verteidigen. Es ist das Volk und nur das Volk, das die einzige Quelle der Macht in unserem Land ist", sagte Putin.

Insbesondere begrüßte er die Tatsache, dass die russischen Parlamentarier "nicht nur ihre feste Meinung zu wichtigen Fragen zum Ausdruck bringen", sondern sich auch an der russischen Militäraktion in der Ukraine beteiligten und die russischen Soldaten, ihre Familien und die Bevölkerung der im September 2022 annektierten ukrainischen Regionen Lugansk, Donezk, Saporischschja und Cherson unterstützten.

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An dem Treffen nahmen neben dem Parlamentspräsidenten auch der Fraktionsvorsitzende der Kreml-Partei Einiges Russland, Wladimir Wasiljew,  KP-Chef Gennadi Sjuganow teil.

Ebenfalls anwesend waren die Vorsitzenden der Sozialdemokraten, der ultranationalistischen Liberaldemokratischen Partei Russlands und der Neuen Volkspartei.

Die russischen Parlamentsfraktionen gelten als "Systemopposition". Sie unterstützen zu fast 100 Prozent die Politik des Kremls, insbesondere den Krieg in der Ukraine.

"Ich möchte Ihnen für Ihre gefestigte Position auf der internationalen Bühne besonders danken. Es ist ganz klar, dass die Vertreter aller Fraktionen eine Einheitsfront bilden. Sie können diese militärische Terminologie gut gebrauchen", bemerkte Putin.

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