76 Mitglieder einer Großfamilie bei israelischem Luftangriff getötet

Ein Palästinenser trauert um einen Familienangehörigen, Chan Junis , 23 Dezember 2023
Ein Palästinenser trauert um einen Familienangehörigen, Chan Junis , 23 Dezember 2023 Copyright AP Photo/Mohammed Dahman
Von Christoph DebetsAP
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Unter den Getöteten befinden sich auch ein UN-Mitarbeiter, seine Ehefrau und seine Kinder. Israel kündigte an den Fokus seiner Offensive auf den Süden des Gazastreifens zu legen.

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Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen sind 76 Mitglieder einer Großfamilie getötet worden. Dies berichteten Rettungskräfte am Samstag, einen Tag nachdem der UN-Chef erneut gewarnt hatte, dass es in Gaza keinen sicheren Ort mehr gebe und dass Israels anhaltende Offensive „massive Hindernisse“ für die Verteilung humanitärer Hilfe schaffe.

Der Angriff am Freitag auf ein Gebäude in Gaza-Stadt gehörte zu den tödlichsten im Krieg zwischen Israel und der Hamas, der mittlerweile in die zwölfte Woche geht, sagte Mahmoud Bassal, ein Sprecher des Zivilschutzes von Gaza.

Er legte eine unvollständige Liste der Namen der Getöteten vor – 16 Haushaltsvorstände der Familie al-Mughrabi – und sagte, zu den Toten gehörten auch Frauen und Kinder.

Unter den Toten waren Issam al-Mughrabi, ein langjähriger Mitarbeiter des UN-Entwicklungsprogramms, seine Frau und ihre fünf Kinder.

„Der Verlust von Issam und seiner Familie hat uns alle tief betroffen. Die Vereinten Nationen und die Zivilbevölkerung in Gaza sind kein Ziel“, sagte Achim Steiner, der Leiter der Agentur. „Dieser Krieg muss enden.“

Israel hatte den Krieg begonnen, nachdem Hamas-Kämpfer am 7. Oktober die Grenze überquerten und etwa 1.200 Menschen töteten und etwa 240 Geiseln nahmen. Israel hat geschworen, den Kampf fortzusetzen, bis die Hamas in Gaza zerstört und von der Macht entfernt und alle Geiseln befreit sind.

Mehr als 20.000 Palästinenser getötet

Mehr als 20.000 Palästinenser wurden seither im israelischen Krieg zur Zerstörung der Hamas getötet und mehr als 53.000 verletzt, so die Gesundheitsbehörden in Gaza.

Israel macht die Hamas für die hohe Zahl ziviler Todesopfer verantwortlich und verweist auf die Nutzung überfüllter Wohngebiete für militärische Zwecke und die Hamas-Tunnel unter den Siedlungen. Seit dem 7. Oktober hat die israelische Luftwaffe tausende Angriffe geflogen. Konkrete Angaben zu den Angriffen, einschließlich einer Erörterung der beabsichtigten Ziele gibt es von israelischer nicht.

Israels Luft- und Bodenoffensive war eine der verheerendsten Militärkampagnen der jüngeren Geschichte. Fast 85 % der 2,3 Millionen Einwohner Gazas wurden vertrieben, weite Teile der winzigen Küstenenklave dem Erdboden gleichgemacht.

Einem Bericht der Vereinten Nationen und anderer Organisationen zufolge hungern diese Woche mehr als eine halbe Million Menschen in Gaza – ein Viertel der Bevölkerung.

Israel verlagert Fokus nach Süden

Israel hat sich bisher dem internationalen Druck zur Reduzierung der Kampfhandlungen widersetzt. Ser Sprecher der israelischen Streitkräfte, Flottillenadmiral Daniel Hagari, sagte am späten Freitag, dass man die Bodenoffensive „auf weitere Gebiete des Streifens mit Schwerpunkt auf dem Süden“ ausweiten würden.

Er sagte, die Operationen würden auch in der nördlichen Hälfte des Gazastreifens fortgesetzt, einschließlich Gaza-Stadt, dem ursprünglichen Schwerpunkt der israelischen Bodenoffensive. Die Armee gab an, an mehreren Orten in Gaza-Stadt Luftangriffe gegen Hamas-Kämpfer durchgeführt zu haben.

Die Armee gab am Samstag außerdem bekannt, dass sie mehr als 700 mutmaßliche Militante aus Gaza zur weiteren Befragung nach Israel überstellt habe, darunter mehr als 200 in der vergangenen Woche, und lieferte damit seltene Details zu einer umstrittenen Politik, die Massenverhaftungen palästinensischer Männer vorsieht.

Palästinenser haben über solche Razzien in Gebieten im nördlichen Gazastreifen berichtet, in denen israelische Bodentruppen über die Kontrolle verfügen. Sie sagen, dass dabei typischerweise alle Teenager und Männer betroffen seien, die an einem Ort gefunden würden, der von Truppen durchsucht werde.

Einige der freigelassenen Häftlinge sagten, sie seien bis auf die Unterwäsche ausgezogen, geschlagen und tagelang festgehalten worden, mit nur minimaler Versorgung mir Trinkwasser. Das Militär hat die Vorwürfe der Misshandlung Gefangener zurückgewiesen und erklärt, dass diejenigen, die keine Verbindungen zu Militanten hatten, schnell freigelassen wurden.

Israel gibt an, in den letzten drei Wochen Tausende von Hamas-Kämpfern getötet zu haben, darunter etwa 2.000, hat jedoch keine Beweise vorgelegt, die diese Behauptung stützen könnten. Es heißt, 139 seiner Soldaten seien bei der Bodenoffensive getötet worden.

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