Wellen von bis zu zwölf Metern und Hagelschauer: Mallorca wurde zuletzt von einer Kaltfront getroffen. Doch taugt die Insel trotz der Unwetter als Zufluchtsort im Winter? Ein Blick auf die Prognosen.
In der vergangenen Woche zeigten sich die Urlaubsinseln Mallorca und Menorca von einer Seite, an die man beim Gedanken an mediterrane Wärme und Strandurlaub kaum zuerst denkt: Heftige Hagelschauer, Sturm und ungewöhnlich tiefe Temperaturen.
Zu Beginn der Woche verwandelte dichter Hagel in der Nacht zum Mittwoch Teile des Nordens der Insel in eine weiße Landschaft, wie die Mallorca Zeitung berichtete.
Nur wenige Tage später setzte sich das unbeständige Wetter fort. Eine weitere Schlechtwetterfront erreichte Mallorca in der Nacht zum Freitag und brachte kalten Nordwind, Regen, Schnee und erneut Hagel. Am Morgen zogen dunkle Wolken über die Serra de Tramuntana, vor Deià bildete sich sogar eine Wasserhose.
Die Windböen erreichten bis zu 90 Kilometer pro Stunde, die Temperaturen sanken in der Nacht teils deutlich unter 10 Grad. In höheren Lagen der Gemeinden Sóller, Bunyola und Escorca fielen erste Schneeflocken, im Flachland wurde stellenweise Hagel registriert. Stellenweise habe es aufgrund des Wetters sogar Stromausfälle gegeben.
"Monsterwellen" – Besucher sollten Küstenbereiche meiden
Neben den eindrucksvollen Bildern brachte die Wetterlage auch deutliche Risiken mit sich. Bereits seit Mittwochabend galt für Teile der Insel die Warnstufe Orange des spanischen Wetterdienstes AEMET. Im Norden und Nordosten Mallorcas wurden Wellenhöhen von bis zu zehn Metern erwartet, vor Menorca sogar bis zu zwölf Metern. AEMET mahnte zur Vorsicht: "Seien Sie wachsam und informieren Sie sich regelmäßig über die aktuelle Wettervorhersage. Es kann zu Schäden an Personen und Eigentum kommen, insbesondere an gefährdeten Personen oder in exponierten Lagen."
Die Warnstufe Orange entspricht dem zweithöchsten Alarm von drei Stufen. In den betroffenen Gebieten wurden Windböen von rund 75 Kilometern pro Stunde prognostiziert, die laut Mallorca Zeitung "Monsterwellen" auslösen konnten. Später wurden sogar Böen von bis zu 90 Kilometern pro Stunde gemessen - Windstärken, die den Stufen 8 bis 9 der zwölfteiligen Orkanskala entsprechen und vor allem Küsten und erhöhte Lagen belasten. Behörden rieten davon ab, Strände oder gefährdete Küstenabschnitte aufzusuchen.
Vor dem Winter in Deutschland fliehen?
Viele Menschen überlegen gerade jetzt, ob Mallorca im Dezember als mildes Winterziel geeignet ist. Die jüngsten Wetterkapriolen zeigen jedoch, dass auch auf den Balearen der Spätherbst nicht durchgehend stabil verläuft. Ein Blick in die Klimadaten hilft einzuordnen, was realistisch ist - und wie wahrscheinlich Schnee oder Hagel überhaupt sind.
Laut Aemet erleben das Inselinnere und die Küsten so gut wie nie Schnee. In einigen Regionen im Osten kommt es im Durchschnitt an ein bis drei Tagen pro Jahr zu Schneefall. Deutlich häufiger ist er im Nordwesten im Tramuntana-Gebirge: Dort werden in höheren Lagen jährlich rund zehn bis 15 Schneetage registriert. Laut einem früheren Bericht der Mallorca Zeitung trat Schnee meist Ende Februar oder Anfang März auf, wenn Kaltfronten besonders häufig über die Insel ziehen.
Die Dezemberwerte laut Climate-Data.org liegen üblicherweise bei zwölf bis 14 Grad am Tag, rund 6,5 Sonnenstunden und etwa 42 Millimetern Niederschlag im Monatsmittel. Wetter2.com nennt für Dezember 2025 ähnliche Temperaturbereiche - zwischen zwölf und 16 Grad - sowie drei bis acht mögliche Regentage. Schneefall ist nicht vorgesehen. Für die kommenden zwei Wochen werden wechselhafte Bedingungen prognostiziert: teils bewölkt, teils Regen, an einzelnen Tagen Sonne und bis zu 18 Grad.
Nach aktuellem Stand sind im Dezember 2025 weder Schnee noch Hagel zu erwarten. Wer milde Temperaturen sucht und mit gelegentlichen Schauern leben kann, findet auf Mallorca weiterhin ein geeignetes Winterziel.
Entspannung zum Monatsbeginn
Zum Wochenende hin kündigt sich nun ein weiterer Wetterwechsel an. Laut Aemet soll am Sonntag eine Kaltfront vom Festland auf die Balearen treffen. Wie Sprecher Miquel Gili am Freitag erklärte, werden bereits am Vormittag dichte Wolken und erste Regenfälle erwartet.
Die Niederschläge stehen im Zusammenhang mit einer zunehmenden „Instabilität“, die sich von der iberischen Halbinsel her ausbreitet. Langanhaltender Regen wird jedoch nicht erwartet. Zwar könnten einzelne Schauer kräftig ausfallen, das Tief ziehe aber rasch weiter. Mit dem Regen verändern sich auch die Temperaturen: Die nächtlichen Tiefstwerte steigen leicht, die Tageshöchstwerte gehen etwas zurück. Zudem dreht der Wind im Laufe des Vormittags von Südwest auf Nord.
Zum Monatsbeginn am Montag bleibt das Wetter wechselhaft. Vor allem am Vormittag sind weitere Regenfälle möglich. Der Wind weht zunächst mäßig aus nördlicher Richtung und dreht später auf West.