Nach nächtlichen Spannungen mit Steinwürfen auf Polizei geht der illegale Rave am Cenajo-Stausee in Albacete in Tag 3 – Teilnehmer feiern bis Dreikönig.
Was als geheimes Treffen europäischer Gruppen in sozialen Netzwerken begann, entwickelte sich binnen kurzer Zeit zu einer massiven Pilgerfahrt. Fast 1.000 Lieferwagen und Wohnmobile aus Ländern wie Belgien, Frankreich und dem Vereinigten Königreich sammelten sich ab Dienstag in Cordovilla, einem Stadtteil von Tobarra im Südosten Spaniens. Die Guardia Civil wurde auf die Bewegung aufmerksam und versuchte, die Versammlung mit einem sofortigen Einsatz zu verhindern. Doch die Organisatoren reagierten flexibel und änderten ihre Pläne noch im Laufe des Tages.
In den frühen Morgenstunden des 31. Dezember löste sich der Konvoi auf und setzte sich in Richtung des Cenajo-Stausees in Bewegung, wobei er das Gemeindegebiet von Férez durchquerte. Bereits während der Fahrt kam es zu ersten schweren Zwischenfällen.
Nach Angaben der Asociación Unificada de Guardias Civiles bewarfen mehrere Teilnehmer Fahrzeuge der Guardia Civil mit Steinen; dabei wurden Beamte verletzt. Die Polizeigewerkschaft übte scharfe Kritik an der mangelnden Vorbereitung der Behörden auf eine Veranstaltung, die seit Wochen in privaten Online-Gruppen organisiert worden war.
Derzeit sind rund 300 Einsatzkräfte vor Ort, die Straßen und Zufahrten kontrollieren. Die Strategie beschränkt sich jedoch darauf, weitere Anreisen zu unterbinden. Eine Räumung ist bislang nicht geplant, und die elektronische Musik läuft ununterbrochen weiter. Die Teilnehmer haben Vorräte für mehrere Tage mitgebracht und wiederholen gebetsmühlenartig dieselbe Botschaft: Sollte man sie hier vertreiben, werde man an einem anderen Ort weiterfeiern.
Geteilte Meinungen in den umliegenden Dörfern
In den umliegenden Gemeinden gehen die Meinungen auseinander. Einige Anwohner ziehen es vor, die Situation nicht weiter zu dramatisieren, solange es zu keinen Störungen kommt. „Solange sie niemanden belästigen“, meint ein Bewohner. Ein anderer erklärte sogar, er würde „auf ein Bier vorbeischauen“, sofern alles ruhig bleibe.
Andere zeigen sich hingegen besorgt über mögliche Umweltschäden, insbesondere falls der Rave – wie von mehreren Teilnehmern angekündigt – bis zum Dreikönigstag andauert. Die empfindliche Natur rund um den Stausee könnte durch Müllansammlungen und den Verkehr abseits ausgewiesener Wege erheblich beeinträchtigt werden.
Der Polizeieinsatz soll auch in den kommenden Stunden fortgesetzt werden. Bislang haben die Behörden ihre Vorgehensweise nicht angepasst, und es ist unklar, ob sich dies ändern wird, sollte die Veranstaltung über das Wochenende hinaus andauern.