Während Washington von einem erfolgreichen Einsatz spricht und Anklage gegen Nicolás Maduro erhebt, weist die venezolanische Regierung dies zurück. In Venezuela selbst reagieren Regierung und Bevölkerung gespalten.
Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump sind US-Streitkräfte gegen eine "schwer befestigte militärische Anlage" vorgegangen, um Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro "der Justiz zuzuführen".
Bei einer Pressekonferenz auf seinem Anwesen Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida erklärte Trump, die Vereinigten Staaten wollten Venezuela "so lange regieren, bis ein sicherer und geordneter Übergang möglich ist". Wer diese Aufgabe konkret übernehmen solle, werde derzeit noch entschieden. Ziel sei es, das Land unter anderem über das Ölgeschäft wirtschaftlich zu stabilisieren und wieder aufzubauen. Auch der Einsatz von Bodentruppen schloss Trump nicht ausdrücklich aus.
Den Militäreinsatz verglich Trump mit früheren US-Operationen, unter anderem gegen den Iran. Nach seinen Angaben seien dabei alle militärischen Fähigkeiten Venezuelas "außer Gefecht gesetzt" worden.
Zugleich erklärte er, die USA seien auf eine weitere militärische Eskalation vorbereitet gewesen. Man habe mit einer zweiten Angriffswelle gerechnet, diese sei nun jedoch vermutlich nicht mehr notwendig. Der erste Einsatz sei so erfolgreich verlaufen, dass derzeit kein weiterer Angriff geplant sei. Gleichwohl betonte Trump, man sei für eine zweite, deutlich größere Operation vorbereitet.
Maduro bezeichnete Trump in seiner Rede erneut als "illegitimen Diktator" und machte ihn für die Einfuhr großer Mengen illegaler Drogen in die Vereinigten Staaten verantwortlich. Zudem warf er ihm vor, das sogenannte "Cartel de los Soles" kontrolliert zu haben.
Maduro wegen Narco-Terrorismus angeklagt
Maduro und seine Ehefrau müssten sich nun vor US-Gerichten verantworten. Nach Angaben des Präsidenten wurden beide im südlichen Bezirk von New York wegen mutmaßlichen Narco-Terrorismus angeklagt.
Auf seiner Plattform Truth Social veröffentlichte Trump ein Bild, das nach seinen Worten Nicolás Maduro an Bord des US-Kriegsschiffs USS Iwo Jima zeigen soll. Zu sehen ist eine Person mit Augenmaske und Kopfhörern in einem grauen Trainingsanzug.
Gegenüber dem US-Sender Fox News sagte Trump zudem, er habe die nächtliche Festnahme "wie eine Fernsehsendung" verfolgt. Er lobte das Vorgehen der US-Kräfte und sprach von einer außergewöhnlichen militärischen Leistung.
Venezuela: Ziele nur teilweise erreicht
Die venezolanische Regierung stellt den Erfolg des US-Angriffs unterdessen infrage. Innenminister Diosdado Cabello erklärte, das Ziel der Vereinigten Staaten sei nur teilweise erreicht worden. Das Land sei ruhig geblieben, die Bevölkerung habe nicht wie von den USA erwartet reagiert.
Venezuela kündigte daraufhin einen massiven Einsatz seiner Streitkräfte an. Verteidigungsminister Vladimir Padrino sprach von Angriffen auf venezolanisches Staatsgebiet, auch auf Wohngebiete. Angaben zu möglichen Verletzten und Toten würden derzeit zusammengetragen.
Die Regierung in Caracas spricht von Todesopfern infolge der US-Angriffe. Vizepräsidentin Delcy Rodríguez verurteilte das Vorgehen scharf und erklärte im Staatsfernsehen, Soldaten, Beamte und Zivilisten seien getötet worden. Konkrete Zahlen nannte sie nicht.
US-Präsident Donald Trump erklärte dagegen, es habe auf US-Seite keine Todesopfer gegeben, lediglich einige Verletzte.
Gemischte Reaktionen in der Bevölkerung
In der Hauptstadt Caracas versammelten sich unterdessen Anhänger der Regierung zu einer Kundgebung. Sie forderten die Freilassung Maduros und sprachen von einer "Entführung". Bürgermeisterin Carmen Meléndez führte einen Marsch an und rief zum Widerstand gegen das Vorgehen der USA auf.
Zugleich zeigen sich die Reaktionen in der Bevölkerung uneinheitlich. Einwohner von Caracas äußerten laut Angaben von CNN-Reportern unterschiedlich zu der Festnahme Maduros. Einige verbanden damit die Hoffnung auf einen politischen Neuanfang. "Es sollte eine positive Veränderung für alle Venezolaner geben", sagte etwa der Motorradfahrer Ronald Galuee. Nun sei die Zeit für einen Übergang gekommen.
Andere reagierten abwartend. Man müsse zunächst hören, wie sich die Regierungsvertreter äußerten, sagte ein Händler. Wieder andere äußerten Sorge vor einer weiteren Eskalation. Der Bäcker Franklin Jimenez erklärte, die Festnahme Maduros durch die USA könne den Konflikt weiter verschärfen. Er rief dazu auf, dem Appell der Regierung zu folgen und das Land zu verteidigen.
Tausende Menschen, die protestiert oder sich öffentlich gegen Maduros Wiederwahl ausgesprochen hatten, wurden festgenommen und zu langen Haftstrafen verurteilt.
Erst vor wenigen Wochen verabschiedete die ebenfalls von Maduro-Anhängern dominierte Nationalversammlung ein Gesetz, das jede Unterstützung der US-Seeblockade als "Verrat" einstuft.