Ein technischer Defekt an einem Funkmast nahe Athen könnte die Ursache für die stundenlange Sperrung des Luftraums über Griechenland gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft klärt weitere Gründe für den Totalausfall.
Die Athener Staatsanwaltschaft hat nach dem massiven Flugchaos in Griechenland wegen des Verdachts einer gefährlichen Beeinträchtigung des Flugverkehrs Ermittlungen aufgenommen. Im Fokus steht ein schwerer Ausfall der Funk- und Kommunikationssysteme im Athener Luftraumsektor, der den Flugverkehr am Sonntag stundenlang nahezu komplett lahmgelegt hat.
Der Leiter der Athener Staatsanwaltschaft, Aristides Koreas, hat eine dringende Voruntersuchung angeordnet, um zu klären, wie es zu dem Ausfall kommen konnte und ob strafbares Fehlverhalten vorliegt. Betroffen waren alle griechischen Flughäfen; Flüge wurden umgeleitet oder ganz gestrichen, Tausende Passagiere strandeten.
Nach Angaben der Zivilluftfahrtbehörde kam es gleichzeitig auf mehreren Funkfrequenzen zu starkem „Rauschen“, das offenbar aus der Telekommunikationsinfrastruktur stammte und die Kommunikation zwischen Fluglotsen und Piloten im Raum Athen fast unmöglich machte. Die Systeme waren ab etwa 17 Uhr wieder voll funktionsfähig, wonach sich der Luftverkehr schrittweise normalisierte.
Cyberangriff wohl ausgeschlossen
Im Zentrum der technischen Untersuchung steht ein Defekt an einem Funkmast westlich von Athen, der die zentrale Funkverbindung der Kontrollzentren beeinträchtigt haben soll. Sabotage und ein Cyberangriff werden von den Behörden nach aktuellem Stand weitgehend ausgeschlossen, die genaue Ursache wird aber weiter geprüft.
Verkehrsminister Christos Dimas betonte im Staatsfernsehen, es habe zu keiner Zeit ein Risiko für die Flugsicherheit gegeben, kündigte jedoch „Konsequenzen“ und eine lückenlose Aufklärung an. "Ja, Köpfe werden rollen", antwortete er sogar auf eine Frage von Reportern. Er stellte klar, dass Fluggäste Anspruch auf Entschädigung bei Annullierungen und Verspätungen haben und dass auch Fluggesellschaften ihre Rechte prüfen können.
Der Fluglotsenverband wirft den Behörden vor, mit völlig veralteten Systemen zu arbeiten; der Verkehrsminister hält dem entgegen, dass die Technik zwar älter sei, aber weiterhin den geltenden europäischen Standards entspreche. Zugleich betont er, dass mit der EU-Kommission bereits ein konkreter Aktions- und Modernisierungsplan vereinbart worden sei. Dieser soll schrittweise bis 2028 umgesetzt werden, um die Flugsicherung grundlegend zu erneuern.