Grönland gehört seit dem 18. Jahrhundert zum Königreich Dänemark. Doch US-Präsident Donald Trump redet immer wieder darüber, dass die Insel für die Sicherheit der USA unerlässlich sei.
Der Einsatz des US-Militärs sei "immer eine Option", wenn US-Präsident Donald Trump Grönland annektieren und unter die Kontrolle Washingtons bringen wolle. Das erklärte das Weiße Haus am späten Dienstagabend.
Trump hatte die Idee, Grönland, das zum Königreich Dänemark gehört, schon während seiner ersten Amtszeit ins Spiel gebracht, aber nach der Militäroperation in Venezuela Anfang Januar, bei der Venezuelas Präsident Nicolás Maduro festgenommen wurde, hat der US-Präsident erneut gefordert, dass die USA Grönland übernehmen sollten. Dafür gebe es vor allem strategische Gründe.
"Präsident Trump hat deutlich gemacht, dass die Übernahme Grönlands eine nationale Sicherheitspriorität der Vereinigten Staaten ist, und dass es wichtig ist, unsere Gegner in der arktischen Region abzuschrecken", erklärte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, in einer Mitteilung.
"Der Präsident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu verfolgen, und natürlich ist der Einsatz des US-Militärs immer eine Option, die dem Oberbefehlshaber zur Verfügung steht."
Leavitts Äußerungen erregen Aufsehen, da sowohl Trumps neu ernannter Sondergesandter für Grönland, Jeff Landry, als auch der stellvertretende Stabschef des Weißen Hauses, Stephen Miller, angedeutet haben, dass ein militärisches Eingreifen nicht notwendig sein werde.
Mike Johnson: Militäreinsatz auf Grönland "nicht angemessen"
Auf die Frage, wie er zu einer militärischen Aktion in Grönland stehe, sagte der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, am Dienstag: "Nein. Ich halte das nicht für angemessen."
Grönland ist Teil von Dänemark
Die Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Deutschlands, Italiens, Polens, Spaniens und des Vereinigten Königreichs hatten gemeinsam mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen in einer Erklärung bekräftigt, dass die strategisch wichtige und an Bodenschätzen reiche arktische Insel "ihrem Volk gehört".
In ihrer Erklärung verteidigten sie die Souveränität Grönlands, das ein selbstverwaltetes Territorium Dänemarks und damit Teil des NATO-Militärbündnisses ist.
"Grönland gehört seinem Volk", hieß es. "Es ist Sache Dänemarks und Grönlands, und nur dieser beiden, über Angelegenheiten, die Dänemark und Grönland betreffen, zu entscheiden."
Der kanadische Premierminister Mark Carney brachte ebenfalls seine Unterstützung zum Ausdruck und kündigte einen Besuch der kanadischen Generalgouverneurin Mary Simon, die von den Inuit abstammt, und der Außenministerin Anita Anand Anfang Februar in Grönland an.
"Über die Zukunft Grönlands und Dänemarks entscheidet allein das dänische Volk", erklärte Carney, als er neben Frederiksen in der kanadischen Botschaft in Paris stand.
Ebenfalls am Dienstag sagte der Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, den Trump im Dezember zum US-Sondergesandten für Grönland ernannt hat, dass er, wenn es darum geht, ein Abkommen mit Grönland zu schließen, nicht daran interessiert sei, mit Leuten in Dänemark zu sprechen, die "ihre Position absolut klar gemacht haben".
Landry will nicht mit europäischen Diplomaten Beraten. Stattdessen wolle er direkt mit den Einwohnern Grönlands sprechen, sagte er.
"Ich möchte mit Menschen sprechen, die die Lebensqualität in Grönland verbessern wollen", sagte Landry in auf Fox News.
Er habe bereits E-Mails mit Grönländern ausgetauscht, die sich an ihn gewandt hatten.
"Sie sagen mir, dass sie gerne jagen, angeln und sich amüsieren. Ich denke mir, ihr gehört nach Louisiana. Ich werde es kulinarische Diplomatie nennen", scherzte Landry.
Weißes Haus will Position nicht ändern
Stephen Miller, der stellvertretende Stabschef des Weißen Hauses, sagte am Montag, dass Grönland Teil der Vereinigten Staaten sein sollte, trotz der Warnung Frederiksens, dass eine Übernahme durch die USA das Ende der NATO bedeuten würde.
"Der Präsident hat seit Monaten deutlich gemacht, dass die USA die Nation sein sollten, die Grönland als Teil unseres gesamten Sicherheitsapparates hat", sagte Miller am Montag in einem Interview mit CNN.
Die dänische Ministerpräsidentin hat gemeinsam mit dem grönländischen Regierungschef Jens-Frederik Nielsen Trumps erneute Forderung, die Insel unter US-Kontrolle zu stellen, entschieden zurückgewiesen.
Trump hat argumentiert, die USA müssten Grönland kontrollieren, um dessen Sicherheit angesichts der wachsenden Bedrohung durch China und Russland in der Arktis zu gewährleisten.
"Es ist im Moment von großer strategischer Bedeutung", sagte er auf dem Rückflug von Florida nach Washington vor wenigen Tagen.
"Grönland ist über und über mit russischen und chinesischen Schiffen bedeckt", behauptete Trump. "Wir brauchen Grönland für die nationale Sicherheit, und Dänemark ist nicht in der Lage, das zu tun".
Miller stellte im Interview am Montag die Frage, ob Dänemark die Kontrolle über Grönland behaupten könne.
"Was ist die Grundlage ihres territorialen Anspruchs", fragte Miller. "Auf welcher Grundlage halten sie Grönland für eine Kolonie Dänemarks?"
Er sagte aber auch, dass es nicht notwendig sei, darüber nachzudenken, ob die US-Regierung eine bewaffnete Intervention in Erwägung ziehe.
"Es gibt keinen Grund, in dem von Ihnen angesprochenen Zusammenhang über eine Militäroperation auch nur nachzudenken oder zu sprechen. Niemand wird die USA wegen der Zukunft Grönlands militärisch bekämpfen", sagte Miller.
Die strategische Bedeutung Grönlands
Grönland war jahrhundertelang eine Kolonie des dänischen Königreichs und wurde 1953 in das dänische Staatsgebiet eingegliedert.
Die US-Regierung erkannte zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Recht Dänemarks auf ganz Grönland an.
2009 wurde die Selbstverwaltung Grönlands gesetzlich verankert und damit auch das Recht auf Unabhängigkeit nach internationalem Recht anerkannt, eine Option, die von der Mehrheit der Grönländer befürwortet wird.
Grönland liegt vor der nordöstlichen Küste Kanadas und mehr als zwei Drittel seines Territoriums liegen innerhalb des Polarkreises. Aufgrund dieser Lage ist es seit dem Zweiten Weltkrieg von entscheidender Bedeutung für die Verteidigung Nordamerikas.
Das US-Verteidigungsministerium betreibt die abgelegene Raumfahrtbasis Pituffik im Nordwesten Grönlands.
Der Stützpunkt wurde 1951 nach einem Verteidigungsabkommen zwischen Dänemark und den USA errichtet und dient der Raketenwarnung, der Raketenabwehr und der Weltraumüberwachung für die USA und die NATO.
Grönland beobachtet einen Teil der GIUK-Lücke, benannt nach den Anfangsbuchstaben von Grönland, Island und dem Vereinigten Königreich (UK), wo die NATO russische Marinebewegungen im Nordatlantik überwacht.
Grönland verfügt auch über große Vorkommen an Mineralien der Seltenen Erden, die für die Herstellung von Computern und Smartphones bis hin zu Batterien, Solar- und Windkrafttechnologien benötigt werden, die die Abkehr von fossilen Brennstoffen vorantreiben sollten.
Der US Geological Survey hat dort außerdem potenzielle Offshore-Vorkommen von Erdöl und Erdgas identifiziert.