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Merz: Russland eskaliert mit "Oreschnik"-Angriff

Ein Wohngebäude wird nach einem russischen Angriff in Kiew, Ukraine, am 9. Januar 2026 beschädigt.
Ein Wohngebäude wird nach einem russischen Angriff in Kiew, Ukraine, am 9. Januar 2026 beschädigt. Copyright  AP Photo
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Von Sasha Vakulina
Zuerst veröffentlicht am
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Die Ukraine stuft den russischen Einsatz der Hyperschallrakete Oreschnik gegen zivile Infrastruktur als mögliches Kriegsverbrechen ein. Großbritannien, Deutschland und Frankreich verurteilten den Angriff als "inakzeptabel".

Aus Großbritannien, Deutschland und Frankreich kam scharfe Kritik am russischen Angriff auf die Ukraine mit der ballistischen Mittelstreckenrakete "Oreschnik". Der Einsatz der Waffe wurde in den drei Ländern als "eskalierend und inakzeptabel" bezeichnet.

Der britische Premierminister Keir Starmer machte in einem Telefonat mit den französischen und deutschen Regierungschefs deutlich, dass Moskau den Angriff mit frei erfundenen Vorwürfen zu rechtfertigen versuche. Das teilte ein Sprecher der britischen Regierung mit.

In einem Beitrag auf X schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), dass Russland mit Einsatz der "Oreschnik" eskaliert, während die Ukraine, Europa und die USA sich für Frieden einsetzen. Er bekräftige, dass "wir an der Seite der Ukraine stehen".

In der Nacht auf Freitag hatte Russland die Rakete abgefeuert und damit Ziele der kritischen Infrastruktur im westukrainischen Lemberg angegriffen. Die Stadt liegt nur rund 60 Kilometer von der Grenze zur EU und NATO entfernt.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha kündigte an, Kyjiw werde auf den Raketeneinsatz mit internationalen Schritten reagieren. Geplant seien unter anderem eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats sowie ein Treffen des Ukraine NATO Rats.

"Ein solcher Angriff in unmittelbarer Nähe zur EU- und NATO-Grenze stellt eine ernsthafte Gefahr für die Sicherheit des europäischen Kontinents dar und ist ein Test für die transatlantische Gemeinschaft", schrieb Sybiha in einem Beitrag auf X. Russland müsse mit klaren und entschlossenen Antworten auf sein rücksichtsloses Vorgehen rechnen.

Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas wertete den "Oreschnik"-Angriff als gezielte Machtdemonstration. Die Rakete sei "als Warnung an Europa und die USA gedacht", erklärte sie ebenfalls auf X. Präsident Wladimir Putin strebe ihr zufolge keinen Frieden an, vielmehr reagiere Russland auf diplomatische Bemühungen mit weiterer Zerstörung.

Moskau bestätigte den Einsatz der "Oreschnik" und erklärte, der Angriff sei eine Reaktion auf einen angeblichen ukrainischen Versuch gewesen, im vergangenen Monat die Residenz Putins anzugreifen. Sowohl die Ukraine als auch die USA wiesen diese Darstellung zurück.

Nach Angaben amerikanischer Regierungsvertreter kam auch die CIA zu dem Schluss, dass Kyjiw nicht auf Putins Anwesen gezielt habe. US Präsident Donald Trump bekräftigte ebenfalls, dass ein solcher Angriff nicht stattgefunden habe.

Scharfe Worte kamen derweil aus dem Kreml. Putins Berater Kirill Dmitrijew, zugleich einer der wichtigsten Unterhändler Russlands gegenüber den USA, griff Kallas auf X persönlich an. Die Plattform ist in Russland offiziell verboten.

"Kaja [Kallas] ist nicht besonders klug oder sachkundig“, schrieb Dmitrijew. Selbst sie müsse jedoch wissen, dass es keine Luftabwehr gegen die Hyperschallrakete "Oreschnik" mit Mach 10 gebe.

Russlands zweiter Oreshnik-Angriff

"Oreschnik", aus dem russischen Übersetzt "Haselnussbaum", zählt zu den Waffensystemen Russlands, deren militärisches Potenzial der Kreml seit geraumer Zeit offensiv hervorhebt.

Die Rakete ist grundsätzlich in der Lage, mit nuklearen Sprengköpfen bestückt zu werden und wurde für Einsätze über deutlich größere Distanzen entwickelt.

Nach ersten Erkenntnissen war die am Freitag abgefeuerte "Oreschnik" jedoch mit trägen Sprengköpfen ausgestattet, was darauf hindeutet, dass der Einsatz vor allem symbolischen Charakter hatte.

Bereits im November 2024 hatte Moskau die "Oreschnik" erstmals eingesetzt, damals bei einem Angriff auf Dnipro. Russische Staatsmedien erklärten, die Rakete benötige lediglich elf Minuten, um einen Luftwaffenstützpunkt in Polen zu erreichen, und rund 17 Minuten bis zum NATO Hauptquartier in Brüssel.

Der Gouverneur der Region Lwiw teilte am Freitag mit, dass russische Angriffe eine Anlage der kritischen Infrastruktur beschädigt hätten. Weitere Details nannten die ukrainischen Behörden nicht.

In sozialen Netzwerken kursierten zudem unbestätigte Berichte, wonach ein großer unterirdischer Gasspeicher das Ziel des Angriffs gewesen sein soll. Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU veröffentlichte Fotos von Trümmerteilen einer "Oreschnik"-Rakete, die in der westukrainischen Region Lwiw entdeckt wurden.

Nach Angaben des SBU wird der Einsatz der Waffe gegen zivile Infrastruktur als mögliches Kriegsverbrechen nach Artikel 438 des ukrainischen Strafgesetzbuches untersucht.

Ein Foto des ukrainischen Sicherheitsdienstes zeigt ein mutmaßliches Fragment einer russischen Oreschnik-Rakete in der Region Lwiw
Ein Foto des ukrainischen Sicherheitsdienstes zeigt ein mutmaßliches Fragment einer russischen Oreschnik-Rakete in der Region Lwiw AP/Ukrainian Security Service

Kyjiw ohne Strom

Zeitgleich sind bei einem massiven russischen Raketen- und Drohnenangriff auf Kyjiw sind in der Nacht auf Freitag vier Menschen getötet und 24 verletzt worden. Unter den Todesopfern war auch ein Sanitäter, wie Bürgermeister Vitali Klitschko mitteilte.

Der Helfer sei bei einem Doppelangriff ums Leben gekommen, vier weitere Sanitäter seien verletzt worden, als sie Menschen im Stadtteil Darnyzkyj versorgten, sagte Klitschko. Der Beschuss hatte schwerwiegende Folgen für die Versorgung der Hauptstadt. Rund die Hälfte der Wohnhäuser, fast 6.000 Gebäude, war zeitweise ohne Heizung, bei Temperaturen von bis zu minus 16 Grad Celsius.

Während städtische Dienste damit begannen, Krankenhäuser und Entbindungsstationen wieder mit Strom und Wärme zu versorgen, rief Klitschko die Bevölkerung auf, wenn möglich vorübergehend andere Unterkünfte aufzusuchen. Der Angriff sei der bislang schwerste Schlag gegen die kritische Infrastruktur Kyjiws gewesen, sagte der Bürgermeister.

Auch die Wasserversorgung sei beeinträchtigt, Notstromsysteme seien aktiviert worden. Bewohner, die dazu in der Lage seien, sollten die Stadt vorübergehend verlassen und sich an Orte mit alternativen Energiequellen begeben, appellierte Klitschko.

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