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Milliardenschatz: Was passiert mit Deutschlands Goldreserven in den USA?

250-Gramm-Goldbarren mit einem Feingehalt von 999,9 in einem Tresorraum mit Schließfächern in München, Deutschland, am Freitag, dem 25. April  2025
250-Gramm-Goldbarren mit einem Feingehalt von 999,9 in einem Tresorraum mit Schließfächern in München, Deutschland, am Freitag, dem 25. April 2025 Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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In turbulenten Zeiten setzen viele Anleger auf Gold. Mehr als ein Drittel der Goldreserven des deutschen Staates lagert indes in den USA – ein Umstand, den Kritiker als riskant bewerten.

Deutschland besitzt die zweitgrößten Goldreserven weltweit, insgesamt 3350 Tonnen Gold im Wert von rund 400 Milliarden Euro.

Rund 37 Prozent davon werden bei der Federal Reserve in New York aufbewahrt.

Der Rest lagert in Frankfurt bei der Bundesbank und London. Im Detail: In Frankfurt am Main lagern mit rund 1.710 Tonnen knapp über 50 Prozent von Deutschlands Goldreserven. Bei der Bank of England in London liegen etwa 432 Tonnen – ungefähr 12,8 %.

Diese Lagerpraxis geht auf den Kalten Krieg zurück, als Sicherheits- und Stabilitätsüberlegungen im Vordergrund standen.

Das in New York gelagerte deutsche Gold ist als finanzielle Notreserve für extreme Krisenszenarien vorgesehen, etwa für Kriege, schwere Naturkatastrophen oder einen Bürgerkrieg im eigenen Land. In einem solchen Fall soll das Gold schnell und direkt in US-Dollar umtauschbar sein, beispielsweise bei einem möglichen Zusammenbruch des deutschen Wirtschaftssystems. Insgesamt lagern 1.236,2 Tonnen Gold – knapp 37 Prozent der deutschen Goldreserven – in den Tresoren der Federal Reserve Bank. Das entspricht einem Wert von über 150 Milliarden Euro.

Deutsches Gold in den USA: Kein kompletter Zugang

Kritiker bemängeln eine fehlende physische Kontrolle. Denn: Das deutsche Gold kann nicht einfach so "herausgenommen und inspiziert" werden. Das sind die Gründe:

Erstens: Juristische Kontrolle vs. physische Kontrolle: Deutschland besitzt das Gold rechtlich ("legal title"), aber es liegt in den Tresoren der Federal Reserve Bank (Fed) in New York. Die Fed ist eine US-Behörde, und die Lagerung unterliegt US-Recht. Deutschland kann nicht alles nach Belieben überprüfen.

Audits existieren, aber unter Auflagen: Es gibt Audits und Besichtigungen durch deutsche Vertreter – zum Beispiel können Mitarbeiter der Bundesbank stichprobenartig bestimmte Barren inspizieren. Aber diese Prüfungen sind streng reglementiert, auf bestimmte Bereiche oder Barren beschränkt und oft nur stichprobenartig. Ein vollständiges, unabhängiges Audit, wie man es vielleicht von einem deutschen Tresor gewohnt ist, ist nicht möglich.Zweitens, logistische Gründe:Die Tresore sind riesig und stark gesichert. Alles physisch prüfen wäre logistisch extrem aufwendig. Aber: Die US-Seite muss gewährleisten, dass die Goldbestände für alle Kunden der Fed sicher bleiben, nicht nur für Deutschland. Ein kompletter Rücktransport würde zudem enorme Kosten verursachen.

Nur Stichprobenprüfungen erlaubt

Deutschland kann das Gold also prüfen, aber nicht eigenständig komplett durchzählen oder jederzeit physisch kontrollieren. Man verlässt sich auf die Fed und auf kontrollierte Audits (Stichproben).

Die Lagerung eines großen Teils der Reserven in den USA wird teilweise als potenziell riskant eingeschätzt, besonders bei angespannten deutsch-amerikanischen Beziehungen oder globalen Krisen. Einige Politiker und Experten befürchten, dass Deutschland in Notfällen nur begrenzte Kontrolle über das Gold hätte.

Zudem herrscht der Eindruck, dass die genaue Lage, Bewegung und Sicherheit der Goldbarren nicht ausreichend nachvollziehbar ist.

Politische Debatten flammen insbesondere immer dann auf, wenn die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland angespannt sind oder Fragen zur finanziellen Unabhängigkeit aufkommen.

Einige Abgeordnete und öffentliche Stimmen plädieren dafür, das Gold nach Deutschland zurückzuholen, um Sicherheit, Unabhängigkeit und Vertrauen in die Reserven zu gewährleisten.

Neben Stephan Mayer, dem CSU-Außenpolitiker, der Bundesfinanzminister Lars Klingbeil bereits 2025 zur Prüfung der deutschen Goldreserven in New York aufforderte, setzt sich auch Markus Ferber (CDU/CSU – Europäisches Parlament) für regelmäßige physische Kontrollen und Transparenz der Goldreserven ein. Ferber verlangt, dass Vertreter der Bundesbank die Barren persönlich zählen und dokumentieren.

Öffentliche Stimmen, Pro und Contra

Auch Michael Jäger, der Präsident des Europäischen Steuerzahlerbunds, fordert eine Rückholung des Goldes aus den USA oder zumindest eine detaillierte Überprüfung und physischen Zugang zu den Beständen.

Was sind die Argumente derer, die dafür plädieren, das deutsche Gold wieder ins Land zurückzuholen? Sicherheit und Unabhängigkeit zählen dazu, d.h. dass die Bundesbank unabhängig von ausländischen Institutionen agieren könnte. Es bestünde keine Abhängigkeit von der Federal Reserve oder von politischen Spannungen zwischen Deutschland und den USA.

Im Fall eines geopolitischen Konflikts, eines Finanzcrashs oder Handelskonflikts wäre das Gold direkt verfügbar. Bei einem Zusammenbruch des internationalen Zahlungssystems oder starker Dollar-Schwankungen könnte Deutschland schneller reagieren.

Nicht zuletzt: Die politische Signalwirkung. Eine Rückholung würde die Stärke und Souveränität Deutschlands in internationalen Finanzfragen zeigen.

Die Argumente der Gegner einer Rückholung beziehen sich in erster Linie auf die Praxis.

1.236 Tonnen Gold physisch zu transportieren wäre extrem aufwendig und teuer. Es bestehen hohe Sicherheitsrisiken beim Transport. Deutschland müsste zunächst Hochsicherheits-Tresore in Deutschland bauen bzw. vorhandene erweitern.

Gold in den USA kann leichter als Sicherheit für internationale Kredite oder Finanzoperationen genutzt werden.

Und schließlich könnte ein abruptes Rückholen als Misstrauensvotum gegenüber den USA gewertet werden. Diplomatische Beziehungen würden damit eventuell unnötig belastet.

Grundsätzlich verweisen Bundesbank und Bundesregierung auf das Vertrauen in die US-Notenbank.

Übrigens: Der französische Präsident Charles de Gaulle ließ zwischen 1963 und 1966 über 3.000 Tonnen Gold der französischen Nationalbank per Schiff und Flugzeug nach Europa zurückführen. De Gaulle betrachtete damals die Konzentration von französischem Gold in US-Tresoren als potenzielles Druckmittel Washingtons. Seine Sorge: Im Krisenfall könnte das im Ausland gelagerte Gold eingefroren oder als Verhandlungsmasse eingesetzt werden.

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