US-Truppenbewegungen von Al Udeid in Katar schüren Angst vor einem US-Iran-Konflikt. Ein Experte warnt vor Eskalation: "Man kann Iran nicht treffen und damit ist es erledigt", so der Professor. In diesem Fall erwarte er Gegenreaktionen des Iran.
Katar hat bestätigt, dass das US-Militär einige Angehörige vorsorglich aus dem Luftwaffenstützpunkt Al Udeid verlegt hat. Das spiegelt die wachsende Sorge am Golf wider, dass die Spannungen zwischen Washington und Teheran in einen offenen Konflikt kippen könnten, sagt ein führender Regionalexperte.
Im Gespräch mit Euronews sagte Professor Mehran Kamrava von der Georgetown University in Katar: Die Warnung des katarischen Außenministeriums, eine Eskalation wäre "katastrophal", sei eine treffende Einschätzung der aktuellen Risiken.
"Ich halte das für richtig", sagte Kamrava. "Angesichts der sich wandelnden geostrategischen Dynamik sehen wir eine sehr schwierige Gemengelage."
Katar betont, die Bewegungen in Al Udeid, dem größten US-Luftwaffenstützpunkt im Nahen Osten, seien Vorsichtsmaßnahmen und deuteten nicht auf eine unmittelbare Bedrohung hin. Wegen der zentralen Rolle der Basis ist das Land jedoch besonders exponiert, falls die Krise sich zuspitzt.
"Das ist äußerst beunruhigend, vor allem für uns, die in der Region leben", so Kamrava. Iran habe den Regierungen von Katar und Saudi-Arabien offiziell mitgeteilt, dass es amerikanische Ziele in diesen Ländern angreifen werde.
Experte: Iran muss auf Angriffe reagieren
Kamrava sagte, Irans Optionen hätten sich nach dem Zusammenbruch seiner sogenannten 'Achse des Widerstands' verengt. Das dränge Teheran zu direkteren Formen der Vergeltung. Zu dieser sogenannten Achse zählen auch Kräfte, die an Seiten der Hamas standen.
"Eines sehen wir: Seit die 'Achse des Widerstands‘ nicht mehr existiert, greift der Iran auf seine ballistischen Raketen zurück“, sagte Kamrava. "Er kann die Amerikaner nicht mehr auf einem entfernten Schauplatz bekämpfen. Er wird amerikanische Ziele direkt treffen."
Er warnte, sollten die Vereinigten Staaten Iran angreifen, hätte die Führung in Teheran kaum politischen Spielraum, nicht zu reagieren.
"Politisch kann es sich die iranische Regierung schlicht nicht leisten, nicht zu reagieren“, sagte Kamrava. Sie könne die innenpolitischen Kosten nicht tragen, wenn sie unfähig erscheine, zurückzuschlagen, heißt es weiter.
Er verwies auf frühere Konfrontationen, darunter die Tötung von General Qassem Soleimani im Jahr 2020 und die Angriffe im Juni 2025 auf iranische Nuklearanlagen. Vergeltung folgte jedes Mal.
Es gebe laut dem Professor keinen Grund anzunehmen, dass es diesmal anders wäre. „Im Gegenteil: Die Iraner dürften zeigen wollen, dass sie zu einem deutlich tödlicheren Schlag fähig sind."
Proteste entwickeln ein Eigenleben
Kamrava sagte, die Proteste hätten mit wirtschaftlichen Sorgen und dem Absturz des Rial - der nationalen Währung - begonnen und sich weiterentwickelt. Angetrieben würden sie durch Überreaktionen der Regierung und Ermunterung von außen.
"Proteste können ein Eigenleben entwickeln", sagte er. Regierungsnahe Demonstrationen wirken inzwischen größer. Die Ablehnung der Regierung und die Wut in der Bevölkerung sind jedoch landesweit äußerst verbreitet.
Kamrava sagte, nur eine nüchterne Abschätzung der Folgen könne weitere Eskalation verhindern.
"Man kann Iran nicht treffen und damit ist es erledigt", warnte er. "Wenn Iran getroffen wird, werden sie amerikanische Ziele in der Region angreifen. Mit dieser Realität müssen Entscheidungsträger sich auseinandersetzen."