13.500 Norweger erhalten Post von den Streitkräften: Im Krisen- oder Kriegsfall könnten bestimmte private Vermögenswerte beschlagnahmt werden. Eine Maßnahme, die zeigt, wie ernst Oslo den Ernstfall plant.
Tausende von Norwegern werden voraussichtlich Briefe vom Militär erhalten, in denen sie darüber informiert werden, dass ihre Häuser, Fahrzeuge, Boote und Maschinen im Kriegsfall beschlagnahmt werden können.
"Die Beschlagnahmungen sollen sicherstellen, dass die Streitkräfte in einer Kriegssituation Zugang zu den für die Verteidigung des Landes erforderlichen Ressourcen haben", so das Militär in einer Erklärung.
Für das Jahr 2026 werden rund 13.500 vorbereitende Inanspruchnahmen ausgestellt. Die Zahl erklärt sich daraus, dass Norwegens Streitkräfte gezielt Eigentümer von Ressourcen identifiziert haben, die im Ernstfall militärisch nützlich wären.
Die Briefe haben in Friedenszeiten keine praktischen Auswirkungen. Sie sollen die Eigentümer lediglich darüber informieren, dass das Militär ihre Güter im Falle eines Konflikts übernehmen kann, heißt es in der Erklärung.
Der Antrag ist für ein Jahr gültig.
Nationale Ressourcendatenbank
Die Streitkräfte arbeiten im Beschlagnahmungssystem eng mit Behörden und weiteren Akteuren der Gesamtverteidigung zusammen. So wird koordiniert, dass Bezirke und Gemeinden im Ernstfall die Ressourcen bekommen, die sie für ihre Bereitschaftsaufgaben brauchen. Grundlage dafür ist eine nationale Ressourcendatenbank der Streitkräfte, die verfügbare Mittel erfasst und die Abstimmung mit staatlichen Stellen ermöglicht.
"Die Bedeutung der Vorbereitung auf Krisen und Kriege hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen", sagte der Leiter der Logistikorganisation des Militärs, Anders Jernberg, in der Erklärung.
"Norwegen befindet sich in der ernstesten sicherheitspolitischen Situation seit dem Zweiten Weltkrieg. Unsere Gesellschaft muss auf sicherheitspolitische Krisen und im schlimmsten Fall auf einen Krieg vorbereitet sein", sagte er.
"Wir sind dabei, die militärische und zivile Bereitschaft massiv auszubauen."
Norwegen ist eines der Gründungsmitglieder der NATO und hat in den letzten Jahren seine Verteidigungsbereitschaft erhöht.
Das skandinavische Land hat eine Seegrenze und eine 198 Kilometer lange Landgrenze mit Russland im hohen Norden.