Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Weltwirtschaftsforum in Davos - überschattet von Trumps "neuer Weltordnung"

Polizisten gehen vor dem Haus der USA vor dem Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos, 17. Januar 2026
Polizisten gehen vor dem Haus der USA vor dem Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos, 17. Januar 2026 Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Aleksandar Brezar
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Beim Treffen der Spitzen aus Politik und Wirtschaft in Davos richten sich alle Augen auf US-Präsident Donald Trump, der am Mittwoch eine Grundsatzrede halten soll. Bundeskanzler Friedrich Merz indes plant ein Gespräch mit Trump. Thema: die angedrohten Zölle.

Das Weltwirtschaftsforum in Davos könnte in diesem Jahr anders sein als jemals zuvor. Zwar treffen sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft - wie jedes Jahr - im Schweizer Nobelskiort, doch die jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump erschüttern die Weltordnung, wie wir sie kennen.

Im sonst so ruhigen Davos wird auf dem Treffen von Staats- und Regierungschefs sowie Unternehmern eine grundlegende Neubewertung des bestehenden internationalen Systems erwartet, eine Art neue Weltordnung.

Alle Augen richten sich auf Donald Trump, der zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder an dem Weltwirtschaftsforum teilnimmt. Der US-Präsident sollte am Mittwoch seine mit Spannung erwartete Rede halten.

Trumps Pläne, das zu Dänemark gehörende Grönland zu einem Teil der USA zu machen, sowie seine Androhung von Zöllen gegen europäische Staaten, die sich dagegen ausgesprochen haben, überschatten das Treffen in Davos.

Die Europäer sagen, Trumps Forderungen zu Grönland untergraben die Grundlagen der NATO.

Am Sonntag gaben die Staats- und Regierungschefs von Großbritannien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen und Schweden eine gemeinsame Erklärung ab. Sie sprechen, von einer "gefährlichen Eskalation" und sagen, dass Trumps Zolldrohungen die transatlantischen Beziehungen untergraben.

Trump hat die USA im Blick, die Europäer erwarten Antworten

Trumps Grundsatzrede am Mittwoch dürfte sich trotz des internationalen Rahmens stark auf die Sorgen im eigenen Land konzentrieren.

Der US-Präsident steht zu Hause wegen Wohnungskrise unter Druck, und Trump will entgegenwirken, indem er "Initiativen zur Senkung der Wohnkosten" vorstellt. Zudem ist davon auszugehen, dass er "seine Wirtschaftsagenda anpreist, die die Vereinigten Staaten an die Weltspitze des Wirtschaftswachstums gebracht hat", so ein Beamter des Weißen Hauses.

Trump wird sich aber auch direkt an die europäischen Staats- und Regierungschefs wenden. Er werde "betonen, dass die Vereinigten Staaten und Europa die wirtschaftliche Stagnation und die Politik, die sie verursacht hat, hinter sich lassen müssen", so der Insider aus Washington.

Der US-Präsident hat mit Zöllen gegen europäische NATO-Verbündete gedroht, falls diese seinen Versuch, die US-Kontrolle über Grönland zu bekommen, nicht unterstützen. Als Reaktion darauf wurden einige europäische Soldaten nach Grönland entsandt.

Dänische Soldaten gehen im Hafen von Nuuk, Grönland, an Land, 18. Januar 2026
Dänische Soldaten gehen im Hafen von Nuuk, Grönland, an Land, 18. Januar 2026 AP Photo

Die Reihe von Schritten hat zu erheblichem Unbehagen unter Europas Staats- und Regierungschefs geführt, die den Vorstoß, die Kontrolle über die arktische Insel zu übernehmen, "ob sie wollen oder nicht", als Untergrabung der Grundlagen der NATO und Gefährdung einer jahrhundertealten Freundschaft betrachten, die im Zweiten Weltkrieg durch Feuer geschmiedet wurde.

Am Sonntag gaben das Vereinigte Königreich, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Norwegen und Schweden eine gemeinsame Erklärung ab, in der es heißt, dass Trumps Vorgehen in Bezug auf Grönland das Risiko einer "gefährlichen Abwärtsspirale" berge und die transatlantischen Beziehungen untergrabe - eine der am stärksten formulierten Botschaften der letzten Zeit an Washington.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte versuchte, die Gemüter zu beruhigen, indem er sagte: "Wir werden weiter an der Lösung der Grönlandfrage arbeiten, und ich freue mich darauf, ihn Ende dieser Woche in Davos zu sehen". Doch die Unruhe nimmt unterdessen weiter zu.

Was in Davos geschieht, bleibt nicht in Davos

Ein weiteres Problem ist der andauernde Angriffskrieg Russlands in der Ukraine, den Trump unbedingt beenden will.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der ebenfalls persönlich nach Davos reist, hofft auf ein Treffen mit Trump, um neue Sicherheitsgarantien für ein mögliches Waffenstillstandsabkommen mit Russland zu unterzeichnen. Auch die Staats- und Regierungschefs der G7 wollen über die Ukraine sprechen.

Zu Washingtons bisher größter Delegation in Davos gehören US-Außenminister Marco Rubio, der Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, die alle in der Ukraine-Frage eine Rolle gespielt haben.

Das Weiße Haus teilte zwar mit, dass keine bilateralen Treffen geplant seien, doch die Anwesenheit von Witkoff und Kushner - die als Schlüsselfiguren bei Verhandlungen mit Moskau und Kyjiw gelten - gilt laut Insidern als ein Indiz, dass ein Abkommen zwischen Trump und Selenskyj in Davos unterzeichnet werden könnte.

Kongresszentrum, in dem das Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos stattfindet, 18. Januar 2026
Kongresszentrum, in dem das Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos stattfindet, 18. Januar 2026 AP Photo

Mitgliedschaft im "Board of Peace" für Gaza kostet 1 Mrd. Dollar

In der Zwischenzeit erwägt Trump Berichten zufolge eine erste Sitzung des "Board of Peace" für den Gazastreifen in Davos. In den vergangenen Tagen hatte er die ersten Mitglieder dieses Gremiums bekannt gegeben.

Gegen einen Beitrag in Höhe von 1 Milliarde Dollar (863 Millionen Euro) sollen sich die Auserwählten eine ständige Mitgliedschaft im von Trump geleiteten "Board of Peace" erkaufen. Für eine dreijährige Ernennung sei kein Beitrag erforderlich, so ein US-Beamter, der unter der Bedingung der Anonymität über die Charta sprach, die nicht öffentlich gemacht wurde. Der Beamte sagte, das gesammelte Geld werde für den Wiederaufbau des Gazastreifens verwendet werden.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat eine Einladung zur Mitarbeit in dem Gremium angenommen, sagte Außenminister Péter Szijjártó am Sonntag im staatlichen Rundfunk. Orbán ist einer der vehementesten Unterstützer Trumps in Europa.

Auch Jordanien, Griechenland, Zypern und Pakistan erklärten, sie hätten Einladungen erhalten. Kanada, die Türkei, Ägypten, Paraguay, Argentinien und Albanien haben bereits mitgeteilt, dass sie eingeladen wurden, und ein indischer Beamter gab bekannt, Delhi habe ebenfalls eine Einladung erhalten. Es war nicht klar, wie viele Länder insgesamt angesprochen wurden.

In den Briefen, die am Freitag an die Staats- und Regierungschefs der Welt verschickt wurden und in denen sie als "Gründungsmitglieder" eingeladen wurden, erklärte Trump, dass das Board of Peace "einen kühnen neuen Ansatz zur Lösung globaler Konflikte verfolgen" werde.

Kritiker meinen, dass das Gremium ein Versuch des US-Präsidenten sein könnte, eine Alternative zur UNO zu schaffen, die unter Trumps persönlicher Kontrolle stünde.

Weitere Fragen betreffen die Zukunft Venezuelas nach der blitzartigen US-Militäroperation, mit der Nicolás Maduro abgesetzt wurde, und die Teil von Trumps Ansatz gegenüber dem Land ist, das er als Amerikas "Hinterhof" bezeichnet.

Und dann ist da noch der Iran: Berichten zufolge hat Trump eine Intervention gegen das Regime in Teheran wegen der Niederschlagung der Massenproteste in letzter Minute abgesagt.

Auch wenn Washington vielleicht schon entschieden hat, dass die Zeit des Ayatollahs an der Macht vorbei ist, könnte die Anwesenheit des iranischen Außenministers Abbas Araghchi in Davos darauf hindeuten, dass Gespräche am Rande der Konferenz anstehen.

Was will Trump der Welt sagen?

Das Forum hat sich in der Vergangenheit als unangenehm für Trump erwiesen. Bei seinem ersten Auftritt in Davos im Jahr 2018 gab es gelegentlich Buhrufe. Im Jahr 2020 kehrte er zurück und kritisierte "Untergangspropheten" in Sachen Klima und Wirtschaft.

Fenster des Kongresszentrums, in dem das WEF in Davos stattfindet, am 18. Januar 2026
Fenster des Kongresszentrums, in dem das WEF in Davos stattfindet, am 18. Januar 2026 AP Photo

Davos könnte sich für Trumps Ambitionen als entscheidend erweisen, und die Tatsache, dass die USA zwei Gebäude in dem Schweizer Skiort angemietet haben - eines davon ist eine Kirche -, ist ein weiterer Hinweis auf die Absicht Washingtons, sich wieder als "Anführer der freien Welt" zu etablieren.

Europa ist gleichzeitig mit einem schwachen Wirtschaftswachstum und dem andauernden Angriffskrieg Russlands in der Ukraine konfrontiert. Wie können sich die Europäer in diesem Kontext ohne die Sicherheitsgarantien der USA behaupten? Diese Frage stellt die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums in Davos vor eine entscheidende Herausforderung.

Merz will mit Trump über die angedrohten Zölle sprechen

Angesichts des Streits um Grönland warnte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) US-Präsident Donald Trump vor den wirtschaftlichen Auswirkungen geplanter Zölle. Diese würden meist von den Konsumenten im Importland bezahlt, sagte Merz in Berlin – und somit von den US-Verbrauchern.

In Europa gebe es breite Einigkeit, dass zusätzliche Zolldrohungen das transatlantische Verhältnis schwächten, sagte der Kanzler und verwies auf die Gefahr einer Eskalation durch mögliche Gegenmaßnahmen. Zugleich betonte Merz, dass US-Zölle auch Deutschland und Europa erheblich treffen würden. Deshalb strebe man eine Lösung an. Notfalls werde Deutschland seine nationalen Interessen schützen.

Merz sagte, er werde versuchen, mit Trump am Mittwoch Gespräche in Davos zu führen.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Hintergrund erklärt: Welche Zölle hat Trump Europa wegen Grönland angedroht?

"Hände weg von Grönland": Tausende protestieren in Dänemark

Davos: Hunderte protestieren gegen Trump und das Weltwirtschaftsforum