Im Interview mit Euronews berichtet Maksym Timschenko, der CEO des größten Energieversorgers der Ukraine, vom Überlebensmodus in seinem Land, denn fast 4 Jahre nach Beginn von Russlands Angriffskrieg geht die Zerstörung der Infrastruktur durch russische Attacken während des eiskalten Winters weiter.
Während Wolodymyr Selenskyj in Davos seinen US-Amtskollegen Donald Trump treffen sollte, dauern die russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur an - bei Dauerfrost im ganzen Land.
Zuletzt hatten mehr als 4.000 Gebäude in Kyjiw keine Heizung - darunter viele Hochhäuser - und fast 60 Prozent der ukrainischen Hauptstadt waren ohne Strom. Schon vor Wochen hatte Bürgermeister Vitali Klitschko die Bewohner und Bewohnerinnen von Kyjiw dazu aufgefordert, bei Familien, Bekannten oder in Datschen außerhalb der Großstadt unterzukommen. In einem Interview sagte Klitschko jetzt, dass 600.000 der 3,6 Millionen Einwohner die Hauptstadt seit dem 9. Januar verlassen hätten.
Der CEO des größten ukrainischen Energieversorgers DTEK, Maksym Timschenko, ist in Davos und hat mit Euronews darüber gesprochen, was ein Energie-Waffenstillstand für die Ukrainer und Ukrainerinnen bedeuten könnte.
"Zu welchem Preis?"
Maksym Timschenko (auch: Timchenko) verweist auf den Durchhaltewillen der Menschen in der Ukraine: "Wir haben drei Winter überstanden und werden auch den vierten Winter während des Krieges überstehen. Aber die Frage ist, zu welchem Preis? Wie groß sind die Leiden unseres Volkes? Die Lage ist also äußerst schwierig. Wir brauchen Unterstützung. Wir brauchen Hilfe. Und das ist der Grund, warum wir hier in Davos viele Treffen mit Energieunternehmen und anderen Interessengruppen haben, die uns in dieser Notsituation unterstützen können."
Timschenko spricht vom "Überlebensmodus": Tatsächlich leben wir jeden Tag, jede Woche, im Überlebensmodus, um diese Wintersaison zu überstehen."
In Kyjiw gibt es Suppenküchen im Freien. Und auch in der Nacht müssen die Bewohnerinnen und Bewohnern in der U-Bahn oder in anderen Bunkern Schutz vor russischen Raketen und Drohnen suchen.
"Kritische Infrastruktur schützen"
Der DTEK-Boss sagt, die Ukraine zeige auch anderen Ländern, wie wichtig es ist, die Energieinfrastruktur zu schützen. Russische Angriffe haben Kraftwerke und große Umspannwerke getroffen, die Beschaffung von Ersatzgeräten wie Transformatoren dauere oft Monate.
"Ein solches Ausmaß an Zerstörung hat es im Energiesystem der Ukraine in der modernen Geschichte noch nie gegeben. Deshalb ist es schwer zu verstehen. Nicht nur für die breite Öffentlichkeit, sondern auch für Energiespezialisten und CEOs. Ich habe ein Treffen mit den CEOs der weltweit größten Energieunternehmen. Und ich habe ihnen gesagt: Das ist die Situation in der Ukraine, und Sie müssen jetzt darüber nachdenken, wie Sie Ihre kritische Infrastruktur schützen können, wie Sie Ihre Kraftwerke schützen können, denn die Lage ist weltweit so instabil.“