Russlands sogenannte "Schattenflotte" versucht, die europäischen Sanktionen auf Rohöl, Benzin und Kerosin zu umschiffen. In der Statistik der dänischen Schifffahrtsbehörde tauchten sie fast jeden Tag im dänischen Gewässer auf.
Dänemark hat Daten veröffentlicht, die das Ausmaß der sogenannten russischen "Schattenflotte" greifbarer machen: Fast jeden Tag fuhren diese Tanker durch dänische Gewässer, wie aus Angaben der dänischen Schifffahrtsbehörde vom Mittwoch hervorgeht.
Die Tanker der russischen "Schattenflotte" umgehen europäische Sanktionen, fahren oftmals unter falscher Flagge und sind teilweise veraltet und nicht gewartet. "Im Jahr 2025 gab es 292 Fahrten mit von der EU sanktionierten Tankern in dänischen Gewässern", teilte die Behörde in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AFP mit.
Sanktionen gegen Russlands "Schattenflotte"
Russland hat Berichten zufolge eine Flotte alter Öltanker mit undurchsichtigen Eigentumsverhältnissen aufgebaut. Diese soll die Sanktionen umgehen, die von der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten und der G7-Gruppe wegen Moskaus großangelegtem Angriffskrieg in der Ukraine im Jahr 2022 verhängt wurden.
Die Sanktionen zielen darauf ab, Moskaus Einnahmen für seinen Krieg zu begrenzen. Dadurch wurden viele Tanker, die russisches Öl transportieren, von westlichen Versicherungs- und Schifffahrtssystemen ausgeschlossen.
Die alternden und schlecht gewarteten Tanker der "Schattenflotte" fahren vom Finnischen Meerbusen durch die Ostsee bis in dänische Gewässer. Sie transportieren hauptsächlich Rohöl sowie raffinierte Produkte wie Benzin und Diesel. Sollte ein Tanker kentern, besteht das Risiko einer Ölpest.
Aufgrund der EU-Sanktionsliste konnten die dänischen Behörden jedoch die Schiffe, die im vergangenen Jahr in ihren Gewässern auftauchten, überwachen und registrieren.
Tanker der "Schattenflotte" passierten fast jeden Tag dänisches Gewässer
Die EU listet 598 Schiffe auf, denen der Zugang zu europäischen Häfen und Seeverkehrsdiensten untersagt ist.
"Die dänischen Behörden überwachen die Schiffe in dänischen Gewässern genau und arbeiten auch eng mit gleichgesinnten Ländern im Ostseeraum zusammen", so die Schifffahrtsbehörde. "Darüber hinaus wurde eine Reihe konkreter Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit im Seeverkehr sowie den Schutz der Meeresumwelt und der Seeleute zu verbessern", heißt es weiter.
Einige Experten und Politiker vermuten, dass die Schiffe Sabotageakte verüben, die Teil eines "hybriden Krieges" Russlands gegen westliche Länder sind.
In Finnland wurden drei Besatzungsmitglieder des auf den Cook-Inseln registrierten "Schattenflotten"-Schiffs Eagle S angeklagt, im Dezember 2024 den Anker des Schiffes im Finnischen Meerbusen über den Meeresboden gezogen und dabei fünf Unterseekabel beschädigt zu haben.
Ein Gericht in Helsinki wies den Fall mit der Begründung ab, er liege außerhalb seiner Zuständigkeit.
Ende Januar ging die französische Marine an Bord eines sanktionierten Schiffes, bei dem es sich um einen russischen Öltanker unter falscher Flagge im Mittelmeer handeln soll.
Bereits im vergangenen Jahr hatte ein Tanker der sogenannten russischen "Schattenflotte" die Unterwasser-Gasleitung Balticconnector sowie die Energieleitungen Estlink2 im Finnischen Meerbusen beschädigt.