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"Wenn man 100 Jahre wird" - Spahn plant deutlich spätere Rente

Unionsfraktionsvorsitzender Jens Spahn erklärte, das Renteneintrittsalter müsse deutlich angehoben werden, um der Demografie entgegenzuwirken.
Unionsfraktionsvorsitzender Jens Spahn erklärte, das Renteneintrittsalter müsse deutlich angehoben werden, um der Demografie entgegenzuwirken. Copyright  AP Photo
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die deutsche Erwerbsbevölkerung ist die älteste in der EU. Unionsfraktionsvorsitzender Jens Spahn erklärte, das Renteneintrittsalter müsse deutlich angehoben werden, um der Demografie entgegenzuwirken. Wie viel länger müssen wir arbeiten?

Laut Unionsfraktions-Chef Jens Spahn muss sich die Rente der Demografie anpassen. "Wenn man 100 wird, kann man nicht mit Mitte 60 aufhören zu arbeiten", sagte der CDU-Politiker der Berliner Morgenpost.

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Demnach müsse das Renteneintrittsalter im Einklang mit der Lebenserwartung weiterhin steigen. "Jedes zweite heute neugeborene Mädchen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit 100 Jahre alt werden", erklärte Spahn.

Laut Statistischem Bundesamt betrug die Lebenserwartung bei Geburt 2024 für Frauen 83,5 Jahre und für Männer 78,9 Jahre. Bis die durchschnittliche Lebenserwartung auf hundert Jahre steigen würde, müsste noch einige Zeit vergehen. Derzeit nimmt sie für beide Geschlechter um etwa 0,1 Jahre pro Jahr zu.

Eine von der Bundesregierung beauftragte Rentenkommission werde Spahn zufolge allerdings Vorschläge für die Erhöhung des Renteneintrittsalters machen.

Ab wann darf Deutschland in Rente?

Ältere Menschen gehen immer später in Rente.Derzeit wird das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Im Jahr 2029 sollen Rentner dann spätestens bis zu diesem Alter arbeiten.

Das durchschnittliche Renteneintrittsalter lag im Jahr 2024 nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung bei Altersrenten für Frauen und Männer bei 64,7 Jahren. 2004 hatte es für Frauen bei 63,0 Jahren und für Männer bei 63,1 Jahren gelegen.

Grund dafür ist unter anderem die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters. Doch bereits jetzt arbeiten mehr Menschen im Alter als früher: Knapp 16 Prozent haben im Jahr 2024 mit 68 Jahren noch gearbeitet, zehn Jahre zuvor waren es nur 11 Prozent.

Zwar sind ältere Menschen häufiger erwerbstätig als früher, allerdings gehen nach Ergebnissen des Mikrozensus 2024 nach wie vor viele von ihnen vorzeitig in den Ruhestand. Die Gründe hierfür sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts vielfältig.

Sie reichen von gesundheitlichen Einschränkungen über versicherungsrechtliche Besonderheiten wie langjährige Beitragszahlungen oder Frühverrentungsangeboten von Unternehmen bis hin zum Wunsch nach mehr Freizeit.

Mehr Lebensarbeitszeit

Weil die Menschen immer älter werden, ist es Spahn zufolge notwendig, dass sie auch länger arbeiten. Denn der Anteil, den sie mit ihrer Erwerbstätigkeit finanzieren, würde sonst immer größer werden.

Die Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahren tatsächlich immer weiter gestiegen. Nur während der Coronapandemie gab es drei Jahre lang einen leichten Rückgang - inzwischen ist die Lebenserwartung wieder deutlich angestiegen. Frauen erreichen nach Angaben des Statistischen Bundesamts bereits seit einiger Zeit mindestens ihren 80. Geburtstag, während die Männer im Durchschnitt knapp darunter liegen.

Das zieht nach sich, dass die Dauer des Rentenbezugs sich weiter ausdehnt. Im Jahr 2024 haben Rentner etwa 20,5 Jahre lang finanzielle Unterstützung über die Versichertenrente erhalten. 2004 war diese Rentenbezugsdauer noch bei etwa 4 Jahren weniger, bei 16,9 Jahren.

Hinzu kommt die demografische Entwicklung. Auf die Generation der Babyboomer folgen deutlich kleinere Geburtenjahrgänge, die indirekt die Rente ihrer Vorgängergeneration mitfinanzieren. Im Jahr 2024 kamen auf eine Person im Erwerbsalter 3,3 Personen im Rentenalter ab 67 Jahren. Je nach Prognose könnte eine Person im Jahr 2050 etwa vier bis fünf Personen mittragen müssen.

EU-Höchstwert: Ein Viertel der Erwerbstätigen über 55 Jahre alt

Deutschland hat damit im EU-Vergleich die älteste Erwerbsbevölkerung. Nach Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat waren hierzulande im Jahr 2024 von den rund 40,9 Millionen Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren gut 9,8 Millionen zwischen 55 und 64 Jahre alt. Das entsprach einem Anteil von knapp einem Viertel (24,0 Prozent). EU-weit machten ältere Erwerbstätige rund ein Fünftel (20,1 Prozent) der Erwerbstätigen aus.

Wie das Alter finanzieren?

Ein Großteil der Einkünfte von Rentnern kommt jedoch aus Alterseinkünften. Diese machen bei Personen im Ruhestand ab 65 Jahren durchschnittlich 92 Prozent des Einkommens aus. 5 Prozent stammten laut neuesten Angaben der EU-SILC-Statistik aus Vermögen.

Auch Spahn setzt auf die private Altersvorsorge. Diese möchte er mit der aktuellen Bundesregierung stärken. Bis Mitte 2026 soll die sogenannte "Alterssicherungskommission" ihre Ergebnisse vorlegen, sie hat Anfang des Jahres ihre Arbeit aufgenommen.

Darin geht es insbesondere darum, die gesetzliche Rentenversicherung langfristig finanziell tragfähig, aber auch generationengerecht zu machen. Nach Vorlage der Ergebnisse, voraussichtlich im Juni 2026, wertet die Regierung diese aus und kann auf dieser Basis Gesetze vorbereiten.

Die Kommission liefert bis Mitte 2026 einen Bericht mit Reformvorschlägen, und danach beginnt der politische Gesetzgebungsprozess, der mehrere Monate bis Jahre dauern kann.

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