Ukrainische Drohnen haben nach russischen Angaben ein Ölterminal in der Region Krasnodar beschädigt und Brände ausgelöst. Damit setzt Kyjiw seine Angriffe auf Russlands Energie-Infrastruktur fort – Anlagen, die für den Export und damit für wichtige Kriegseinnahmen von Bedeutung sind.
Moskau hat erneut Stahl auf ukrainische Städte regnen lassen: In der Nacht schickte Russland 83 Drohnen in den Himmel, darunter 50 iranische Shahed-Modelle.
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurden 55 Drohnen abgeschossen oder anderweitig unschädlich gemacht. 25 Drohnen erreichten ihre Ziele – an zwölf verschiedenen Orten.
Bei russischen Angriffen in den Regionen Dnipropetrowsk und Cherson kamen zwei Menschen ums Leben. Sieben weitere wurden verletzt, darunter ein Kind. In Saporischschja wurden drei Personen verletzt.
Der Gouverneur der Region Cherson, Olexandr Prokudin, erklärte: "Das russische Militär hat kritische und soziale Infrastruktur sowie Wohngebiete in der Region getroffen. Dabei wurden unter anderem zwei Wohnhäuser und sechs Privathäuser beschädigt. Die Besatzer zerstörten zudem eine Gaspipeline und Privatautos. Die russische Aggression forderte zwei Tote und fünf Verletzte."
Am Morgen des 15. Februar hatten Verbraucher in mehreren Stadtteilen von Odessa kein fließendes Wasser. Grund war ein Notstromausfall in Anlagen des Wasserversorgungssystems.
Allein in der vergangenen Woche seien über der Ukraine rund 1300 russische Drohnen abgeschossen worden, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Außerdem habe Russland mehr als 1200 gelenkte Bomben und 50 Raketen eingesetzt – fast alle davon ballistische.
Am 15. Februar seien zudem die Regionen Odessa, Donezk, Saporischschja und Sumy getroffen worden, schrieb Selenskyj in einem Facebook-Posting.
"Wie zuvor ist das Hauptziel dieser Schläge der Energiesektor. Die Russen kombinieren ihre Angriffe absichtlich so, dass sie unsere Kraftwerke, Umspannwerke und unser Netz zerstören. Viele Angriffe richten sich gegen die Infrastruktur von Wohnhäusern. Unsere Soldaten schießen einen erheblichen Teil der Raketen ab, aber leider nicht alle."
Ukrainischer Schlag gegen russische Ölanlagen
Ein ukrainischer Drohnenangriff hat Brände in einem russischen Schwarzmeerhafen ausgelöst. Das teilten Behörden am Sonntag mit – einen Tag vor neuen Gesprächen über ein Ende des inzwischen fast vier Jahre andauernden Krieges.
Der Gouverneur der Region Krasnodar, Veniamin Kondratjew, erklärte, im Dorf Wolna am Schwarzen Meer nahe der von Moskau annektierten Krim seien ein Öllagertank, ein Lagerhaus und Terminals beschädigt worden.
In Wolna liegt der Hafen Taman, der für den Transport von Öl, Kohle und Getreide genutzt wird.
Kondratjew zufolge wurden zwei Menschen verletzt. Mehr als 100 Feuerwehrleute seien im Einsatz gewesen, um "mehrere Brände" zu löschen.
Der ukrainische Generalstab bestätigte, das Ölterminal "Tamanneftegaz" nahe Wolna in der russischen Region Krasnodar zerstört zu haben.
Drohnenkrieg trifft auch den Luftverkehr
Nach dem Drohnenangriff wurden ab dem Abend Einschränkungen im Flugverkehr verhängt. Betroffen waren die Flughäfen Krasnodar, Sotschi und Gelendschik. Auch die Airports in Wladikawkas, Grosny, Magas und Wolgograd wurden über Nacht geschlossen. Bis Sonntagmorgen seien alle Beschränkungen aufgehoben worden, teilte ein Sprecher der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazija mit.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Luftabwehr habe 68 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört. Die Drohnen seien über dem Asowschen und dem Schwarzen Meer sowie über Gebieten der Regionen Krasnodar und Stawropol, über der annektierten Krim und der Region Kursk unterwegs gewesen.
Mit ihren Langstreckenangriffen auf russische Energieanlagen will die Ukraine Moskau Einnahmen aus dem Ölexport entziehen. Diese gelten als zentrale Finanzquelle für die Fortsetzung der Invasion. Russland wiederum versucht, das ukrainische Stromnetz lahmzulegen. Immer wieder werden dadurch Zivilisten von Heizung, Strom und fließendem Wasser abgeschnitten. Beamte in Kyjiw sprechen von dem Versuch, "den Winter zu instrumentalisieren".
Angriffe am Vorabend der Friedensgespräche
Die Attacken ereigneten sich am Vorabend einer neuen Gesprächsrunde: Unter der Schirmherrschaft der USA sollen russische und ukrainische Gesandte am Dienstag und Mittwoch in Genf verhandeln. Die Gespräche finden kurz vor dem vierten Jahrestag der russischen Großinvasion statt, am 22. Februar.
Präsident Wolodymyr Selenskyj deutete an, dass es weiterhin offene Fragen zu künftigen Sicherheitsgarantien für die Ukraine gebe. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz sagte er zudem, es sei unklar, ob das von den USA vorgeschlagene Konzept einer Freihandelszone im Donbass umsetzbar sei. Russland fordere dies von Kyjiw als Bedingung für Frieden.
Selenskyj erklärte, die Amerikaner wollten rasch zu einem Abschluss kommen. Das US-Team wolle alle die Ukraine betreffenden Abkommen gleichzeitig unterzeichnen. Die Ukraine verlange hingegen, Sicherheitsgarantien vorab zu fixieren.
EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas sagte, Russland hoffe, auf diplomatischem Weg zu erreichen, was es auf dem Schlachtfeld nicht geschafft habe. Moskau setze darauf, dass die USA am Verhandlungstisch Zugeständnisse machten. Kallas betonte jedoch am Sonntag in München, zentrale russische Forderungen lägen in europäischer Zuständigkeit – darunter die Aufhebung von Sanktionen und die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte.
"Wenn wir einen dauerhaften Frieden wollen, brauchen wir auch Zugeständnisse von Russland", sagte sie.
Frühere US-Versuche, einen Konsens für ein Kriegsende zu erreichen, brachten bislang keine Lösung. Dazu zählen auch zwei Verhandlungsrunden in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Strittig bleiben Kernfragen – etwa die Zukunft des Donbass, des industriellen Zentrums der Ukraine, das weitgehend von russischen Truppen besetzt ist.