So leer waren Deutschlands Gasspeicher wohl noch nie – und die Bestände könnten weiter schrumpfen. Ende März erwartet der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches einen Füllstand von lediglich 13,1 %. Derzeit liegt er bei 21,64 %.
Es herrscht Ebbe in Deutschlands Gasspeichern. Hintergrund sind geänderte Vorschriften. Im Mai 2025 wurde der Mindestfüllstand herabgesenkt – von 40 % zum Stichtag 1. Februar auf 30 %. Diese Vorgabe wurde erfüllt.
Auch die Füllstände zum Stichtag 1. November, die dem Wintervorrat dienen, wurden gesenkt: von 90 % auf 80 %. Das Gesetz war eines der letzten, das unter der Ampel-Koalition in Kraft trat.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche teilte in einem Interview mit dem Handelsblatt gegen die Gasversorger aus: Sie hätten "gegen die Regierung gewettet" und dadurch die niedrigen Füllstände verursacht. EU-weit sind die Gasspeicher durchschnittlich zu 31,97 % befüllt, im Nachbarland Polen sogar zu 54,52 %.
Die Bundesregierung muss bei zu niedrigen Füllständen die fehlende Gasmenge selbst bezahlen, die nachgekauft werden muss, um die Vorgaben zu erreichen. Für die Gasversorger hätte das lukrativ werden können, denn ein Maximalpreis ist nicht festgelegt, so der Merkur.
Die Ministerin plant, sich künftig aus den Füllstandsvorgaben herauszuhalten. "Der Markt funktioniert", so Reiche. Ohne entsprechende Vorgaben würden sich die Gasversorger nicht mehr darauf verlassen, dass der Staat zu hohen Preisen nachkauft, weshalb sie die Speicher "ausreichend" befüllen würden.
Doch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht genau darin das Problem: "Die eigentliche Herausforderung liegt in der rechtzeitigen und ausreichenden Befüllung der Speicher vor dem nächsten Winter. Hierfür muss die Bundesregierung den entsprechenden Rahmen setzen", erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, in einer Pressemitteilung.
Von der Bundesnetzagentur gibt es zumindest vorerst Entwarnung: "Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet", heißt es. Die Behörde sieht derzeit nur eine geringe Gefahr einer angespannten Gasversorgung. "Ein sparsamer Umgang mit Gas bleibt angesichts des weiterhin erhöhten Preisniveaus für Haushaltskunden sinnvoll."