Strom- und Gaspreise unterscheiden sich in Europa stark. Nach Kaufkraft bereinigt tragen Haushalte in Mittel- und Osteuropa die höchste Last.
Die Energiepreise für Privathaushalte in Europa sind nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine Anfang 2022 stark gestiegen. Rund ein Jahr später haben sie sich zwar wieder stabilisiert, liegen laut dem Household Energy Price Index (HEPI) aber weiterhin über dem Vorkrisenniveau.
Für Haushalte mit geringem Einkommen sind die Energiekosten besonders entscheidend, weil sie einen größeren Teil ihres Budgets dafür ausgeben. Im EU-Durchschnitt entfallen laut Eurostat 4,6 % der gesamten Haushaltsausgaben auf Strom, Gas und andere Brennstoffe.
Die Preise unterscheiden sich in Europa jedoch deutlich, wie der von Energie-Control Austria, MEKH und VaasaETT erstellte HEPI zeigt.
Welche europäischen Hauptstädte verzeichnen Anfang 2026 also die höchsten und welche die niedrigsten Strom- und Gaspreise für private Haushalte?
Zum Stichtag 2. Januar 2026 reichten die Endkundenpreise für Haushaltsstrom von 8,8 c€/kWh in Kyjiw bis 38,5 c€/kWh in Bern; der EU-Durchschnitt lag bei 25,8 c€/kWh.
Berlin (38,4), Brüssel (36,5), Dublin (36,5), London (36,4) und Prag (36,4) zählen zu den teuersten Städten für Haushaltsstrom.
Neben Kyjiw bieten Budapest (9,6), Podgorica (11,1) und Belgrad (11,6) die günstigsten Strompreise für Haushalte.
In den Hauptstädten Mittel- und Osteuropas liegen die Strompreise im Allgemeinen niedriger, eine Ausnahme bildet Prag.
Auch in den Hauptstädten der fünf größten Volkswirtschaften Europas übersteigen die Strompreise regelmäßig den EU-Durchschnitt – so auch im Januar 2026.
Warum die Strompreise so stark auseinandergehen?
Länderspezifische Unterschiede hängen stark von der Ausgestaltung der jeweiligen Strommärkte ab. HEPI-Expertinnen und -Experten verweisen auf unterschiedliche Energiemixe – etwa den Anteil von Erdgas oder erneuerbaren Energien – sowie auf Beschaffungswege der Versorger, Preisstrategien und Quersubventionen.
Auch Steuern und Netzentgelte Kosten spielen eine große Rolle. Sie können die Rangfolge und das Preisniveau stark verschieben, wie am Beispiel der deutschen Hauptstadt deutlich wird.
In Kaufkraft gemessen verschieben sich die Ranglisten
Rechnet man die Strompreise in Kaufkraftstandards (PPS) um, verschieben sich die Ranglisten deutlich. PPS ist eine künstliche Rechnungseinheit, die allgemeine Preisniveaus ausblendet und so einen faireren Vergleich ermöglicht.
Auf PPS-Basis reichen die Strompreise von 10,9 in Oslo bis 49 in Bukarest.
Zu den auffälligsten Verschiebungen gehört Bern: In Euro gerechnet noch die teuerste Stadt, fällt die Schweizer Hauptstadt in PPS auf Rang 22 zurück. Luxemburg-Stadt rutscht von Platz 17 in Euro auf Rang 26 in PPS ab. Bukarest steigt dagegen von Rang elf in Euro auf den Spitzenplatz in PPS, Riga klettert von Platz 14 auf Rang fünf.
Diese Verschiebungen zeigen: Viele osteuropäische Hauptstädte haben zwar niedrigere Nennstrompreise, doch die geringere Kaufkraft macht Strom für Haushalte dort zu einer größeren Belastung.
Umgekehrt wirken west- und nordeuropäische Städte nominell teuer, erscheinen in PPS gerechnet aber vergleichsweise erschwinglich.
Stockholm liegt bei Gas mit an der Spitze
Im Januar 2026 lagen die Endkundenpreise für Erdgas in Privathaushalten zwischen 1,6 c€/kWh in Kyjiw und 35 c€/kWh in Stockholm. Innerhalb der EU war der Preis in Stockholm mehr als 13-mal so hoch wie in Budapest, wo Gas 2,6 c€/kWh kostete.
Amsterdam liegt mit 17,4 c€/kWh auf Platz zwei. Damit sind die Gaspreise in Stockholm doppelt so hoch wie beim Zweitplatzierten.
Der HEPI-Bericht erklärt dies mit der Struktur des schwedischen Gasmarkts. Im ganzen Land gibt es nur rund 77.000 Gaskundinnen und -kunden in Privathaushalten, etwa 50.000 davon hängen am isolierten Gasnetz in Stockholm.
Bern (15,8), Lissabon (13,8), Rom (13,6), Paris (12,8), Wien (12,7), Dublin (11,7) und Prag (10,7) zählen ebenfalls zu den teureren Städten; ihre Gaspreise liegen über dem EU-Durchschnitt von 10,6 c€/kWh.
Nach Angaben von HEPI bestimmen Faktoren wie Beschaffungswege und Preisstrategien, Wetter- und Temperaturverlauf, Füllstände der Gasspeicher, die Vernetzung der Märkte, Quersubventionen und die Tarifstruktur die Preisunterschiede.
In PPS gerechnet bleibt die schwedische Hauptstadt bei den Gaspreisen für Haushalte die teuerste. Die Werte reichen von 3,6 in Budapest bis 28,5 in Stockholm.
Die Ranglisten in Euro und in PPS unterscheiden sich in mehreren Ländern deutlich. Auffällig sind etwa Bern, das von Platz drei in Euro auf Rang sechs in PPS fällt, Luxemburg, das von Rang 13 in Euro auf 24 in PPS zurückgeht, und Berlin, das von Platz elf auf Rang 18 abrutscht.
Sofia steigt von Rang 15 in Euro auf Platz fünf in PPS. Vilnius verbessert sich von Rang 17 in Euro auf 11 in PPS, Bukarest klettert von Platz 23 auf Rang 17.
Die Anpassung an die Kaufkraft zeigt: Städte mit niedrigen offiziellen Gaspreisen zählen oft zu den teuersten, sobald das Einkommensniveau berücksichtigt wird. Westliche und nordeuropäische Hauptstädte mit hohen nominalen Preisen wirken dagegen in relativer Betrachtung häufig günstiger.
Budapest und Stockholm bilden wichtige Ausnahmen von diesem Muster.