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25 Millionen eingefroren: Verdacht auf russisches Geldwäschenetzwerk in Portugal

Behörden ermitteln gegen russische Unternehmen in Portugal
Behörden ermitteln gegen russische Unternehmen in Portugal Copyright  Ponte 25 de Abril
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Von Inês dos Santos Cardoso
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Ein russischer Geschäftsmann soll während seines Aufenthalts in Lissabon ein grenzüberschreitendes Geldwäschenetzwerk gesteuert haben. Die Ermittler sprechen von Bargeldströmen, Schließfächern und einer Provision von bis zu drei Prozent auf die transferierten Summen.

Die Staatsanwaltschaft hat 26 Ermittlungsverfahren wegen mutmaßlicher Verstöße gegen jene EU-Sanktionen eingeleitet, die die Europäische Union nach dem russischen Angriff auf die Ukraine gegen Russland verhängt hat. Das sagte eine offizielle Quelle aus der Generalstaatsanwaltschaft (PGR) der Wochenzeitung Expresso.

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Nach Angaben derselben Quelle wurden außerdem rund 25 Millionen Euro auf Bankkonten eingefroren. Die Gelder stehen im Verdacht, dazu genutzt worden zu sein, das Wirtschaftsembargo zu umgehen oder Geldwäsche zu ermöglichen – insbesondere über Luxusimmobilien.

Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft erklärten gegenüber Expresso, mehrere russische Unternehmen würden die EU-Sanktionen in Portugal umgehen. Dazu setzten sie portugiesische Geschäftsleute als formale Vertreter ein – also als Personen, die auf dem Papier als Verantwortliche auftreten, während die tatsächliche Kontrolle woanders liegt.

Laut dem portugiesischen Inlandsgeheimdienst SIS (Security Intelligence Service) sollen einige dieser Personen direkt oder indirekt mit dem Regime von Wladimir Putin verbunden sein.

Die Behörden gehen zudem davon aus, dass in manchen Fällen auch ukrainische Staatsbürger in Portugal diese Rolle übernehmen. Das könne, so die Einschätzung, weniger Verdacht erregen, weil die Nationalität nicht automatisch mit russischen Geschäftsinteressen in Verbindung gebracht werde.

Russischer Geschäftsmann soll Geldwäschenetzwerk geführt haben

Einer der untersuchten Fälle betrifft einen russischen Geschäftsmann, der vier Monate in Lissabon lebte. Bis Anfang 2025 soll er ein mutmaßliches "multinationales Geldwäscheunternehmen" geleitet haben, das in mehreren europäischen Ländern aktiv war. Für die Transfers habe das System 2 bis 3 Prozent Provision verlangt.

Nach den Ermittlungsangaben war das Netzwerk auch in Spanien tätig. Dort soll es mehrere Büros mit Schließfächern betrieben und täglich rund 300.000 Euro Bargeld bewegt haben. Den mutmaßlichen Leitern der russischen Organisation seien Quittungen ausgestellt worden, um die Transaktionen nach außen zu "legalisieren" bzw. formell zu belegen.

Vorwürfe zu Luxusimmobilien

Bereits 2022 prangerte der russische Forscher und Aktivist Georgi Alburow Investitionen in Luxusimmobilien in Cascais an. Cascais ist ein wohlhabender Küstenort westlich von Lissabon und ein bekannter Standort für hochpreisige Immobilien. Diese Investitionen sollen mit der russischen Vize-Ministerpräsidentin Tatjana Golikowa in Verbindung stehen, die als kremlnah gilt. Ihr Ehemann war früher Energieminister; ihr Sohn soll Kontakte zu Unternehmen gehabt haben, die Interessen in Portugal verfolgen.

Ebenfalls 2022 wurde in Lissabon die Luxuswohnung von Yulia Sereda durchsucht, einer ehemaligen Vizepräsidentin einer russischen Privatbank. Die Behörden blockierten eine Überweisung über 800.000 Euro, die für den Kauf einer Immobilie in Cascais bestimmt gewesen sein soll. Außerdem beschlagnahmten sie Dokumente sowie Geld aus einem Bankschließfach.

Russische Käufer zahlten teils deutlich höhere Quadratmeterpreise

In den vergangenen zehn Jahren haben russische Investitionen in den portugiesischen Immobilienmarkt zugenommen. In den Jahren 2019, 2023 und 2024 zahlten russische Käufer im Durchschnitt mehr pro Quadratmeter als Käufer anderer Nationalitäten. In der zweiten Hälfte des Jahres 2019 sollen Russen demnach etwa doppelt so viel gezahlt haben wie andere ausländische Käufer.

Sanktionen sollen schärfer verfolgt werden

Ein Entwurf für das portugiesische Gesetz zur Kriminalpolitik für die Jahre 2025 bis 2027 sieht vor, Verstöße gegen internationale Sanktionen vorrangig zu behandeln. Solche Fälle sollen mit ähnlicher Ernsthaftigkeit verfolgt werden wie terroristische Straftaten. Laut Expresso soll das verhindern, dass Portugal zur Umgehung von Beschränkungen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine genutzt wird. Zugleich soll damit die internationale Verpflichtung des Landes zur Durchsetzung von Sanktionen unterstrichen werden.

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