Solarstrom ist in Afrika die günstigste Energiequelle. Neue Vorgaben für chinesische Importe könnten die Kosten jedoch deutlich steigen lassen.
Solaranlagen in Afrika dürften ab dem kommenden Monat teurer werden, weil China seine Rabattprogramme beendet.
Chinas Entscheidung, Mehrwertsteuer-Rückerstattungen auf den Export von Solarmodulen zu streichen, soll am ersten April in Kraft treten. Anfang des kommenden Jahres will das Land dann auch die Anreize für die Produktion von Batteriespeichern schrittweise auslaufen lassen.
Das könnte den Ausbau erneuerbarer Energien erschweren. Viele Länder wollen mit Solarstrom große Versorgungslücken schließen, sind dabei aber stark auf Technik aus China angewiesen. Fachleute gehen trotzdem davon aus, dass sich die Folgen insgesamt beherrschen lassen.
„Wir werden in Afrika vermutlich höhere Preise für Solarmodule sehen, weil die meisten Komponenten aus China kommen“, sagt Wangari Muchiri, Energieanalystin mit Schwerpunkt auf dem Sektor der sauberen Energie Afrikas. „Der Wegfall der Rückerstattung treibt die ohnehin hohen Kosten weiter nach oben – vor allem, wenn man Transport, Logistik und andere Einfuhrgebühren einrechnet.“
Schon heute zahlt Afrika deutlich mehr für Solartechnik als andere Regionen: wegen langer Transportwege, geringerer Importmengen und zusätzlicher Zölle.
Warum beendet China Steuervergünstigungen für Solarstrom?
Chinas Kurswechsel spiegelt tiefgreifende Verschiebungen wider: Der harte Wettbewerb unter den Herstellern im Land hat die Preise für Solarmodule von 0,22 Euro pro Watt im Jahr 2022 auf nur noch 0,06 Euro im Jahr 2025 gedrückt. Das befeuerte den weltweiten Solarboom, stürzte aber viele Unternehmen in die Verlustzone.
Manche chinesische Firmen hatten die Mehrwertsteuer-Rückerstattung fest in ihre Exportpreise einkalkuliert und die Subvention damit faktisch an ihre Auslandskunden weitergereicht. Doch Peking fährt diese Zahlungen nun zurück, um Überkapazitäten abzubauen und stärker auf Hightech-Produkte zu setzen.
Statt eines plötzlichen Preisschocks dürfte der Wegfall der Vergünstigungen die Preise nach und nach anheben und weltweit einen stabileren Preisboden einziehen.
„Die Änderungen sind bedeutend, aber nicht dramatisch“, sagt John van Zuylen, Geschäftsführer der Africa Solar Industry Association.
„Der jüngste Solarboom stützte sich komplett auf künstlich niedrige Preise aus China“, sagt van Zuylen. „Diese Phase endet jetzt.“
„Wenn eine strukturelle Vergünstigung wegfällt, haben Exporteure im Grunde drei Optionen: Sie schlucken die Mehrkosten, sie erhöhen die Preise oder sie fahren ihre Rabatte zurück“, so van Zuylen. „Afrikanische Länder werden das wahrscheinlich eher als allmählichen Preisanstieg spüren und nicht als einen einzigen, drastischen Sprung.“
Solarenergie ist in Afrika die günstigste Stromquelle
Auch mit moderaten Preisaufschlägen bleibt Solarstrom auf weiten Teilen des Kontinents konkurrenzfähig, sagt Muchiri. In Afrika ist er die günstigste Energiequelle.
„Selbst mit teureren Modulen bleibt Solarenergie deutlich günstiger als Alternativen wie Diesel“, sagt sie.
„Die Projektkosten steigen etwas, und die Baupipeline könnte sich verzögern – wegen Engpässen in den Lieferketten, geänderten Verträgen, Vorratskäufen und verstopften Transportrouten in Ländern, die stark von Importen aus China abhängen“, sagt Sonia Dunlop, Geschäftsführerin des Global Solar Council, eines Branchenverbands.
Batteriespeicher, die entscheidend sind, um Strom auch nach Sonnenuntergang zu liefern, dürften vor größere Probleme geraten, wenn die Anreize bis 2027 schrittweise auslaufen. Höhere Kosten treffen vor allem kleinere Nutzerinnen und Nutzer, sagt van Zuylen.
„Für Afrika sind Batterien wichtiger als Module“
„Für Afrika sind Batterien wichtiger als Module, weil erst die Speicherung Solarstrom für netzferne Anlagen und Notstromlösungen zuverlässig macht“, sagt er.
Basil Abia, Mitgründer des nigerianischen Energieforschungsunternehmens Truva Intelligence, sagt, „Batterien waren historisch gesehen teuer, deshalb entstanden viele Solaranlagen in Afrika ganz ohne Speicher.“
„Erst seit Kurzem sehen wir häufiger Systeme, die Solarstrom mit Batteriespeichern kombinieren“, so Abia.
Auch ohne Vergünstigungen bleiben Solarmodule laut Abia vergleichsweise erschwinglich. Zwischen 2024 und Anfang 2025 sind die Modulpreise stark gefallen – von rund 0,22 Euro pro Watt in den Vorjahren auf bis zu 0,06 Euro pro Watt.
Die Nachfrage nach Solarenergie wächst weiter. Sie deckt inzwischen rund drei Prozent der Stromerzeugung in Afrika und dürfte mit besseren Speichersystemen noch zulegen. Gleichzeitig macht die starke Abhängigkeit von Technik aus China deutlich, wie begrenzt die lokale Fertigung bisher ist.
„Die Abschaffung der Mehrwertsteuervergünstigung bremst Afrikas Energiewende, aber sie dreht sie nicht zurück“, sagt Abia. „Länder, die diesen Moment nutzen, um ihre eigene Produktion hochzufahren, werden gestärkt aus der Situation hervorgehen. Staaten, die das nicht tun, bleiben anfällig für die nächste industriepolitische Kurskorrektur in Peking.“