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Europäische Börsen geben nach: Lagarde warnt vor Iran-Kriegsschock weit über Erwartungen

James Denaro in der Mitte und Dilip Patel links arbeiten auf dem Parkett der New York Stock Exchange in New York. 25. März 2026
James Denaro (Mitte) und Dilip Patel (links) arbeiten auf dem Parkett der New York Stock Exchange in New York, 25. März 2026. Copyright  AP Photo/Seth Wenig
Copyright AP Photo/Seth Wenig
Von Una Hajdari mit AP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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EZB-Chefin Christine Lagarde warnt: Anleger unterschätzen die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs. Die Börsen in Europa, Asien und an der Wall Street geben nach.

Die europäischen Börsen sind am Freitag schwächer in den Handel gestartet. Damit widersprachen sie den vorbörslichen Erwartungen von Kursgewinnen. Viele Anleger bleiben skeptisch, ob es im Irankrieg zu einer Waffenruhe kommt.

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Der paneuropäische Index Stoxx Europe 600 lag gegen 13.00 Uhr MEZ 1,14 % im Minus. Der deutsche DAX gab 1,33 % nach, der französische CAC 40 verlor 0,82 %, der britische FTSE 100 0,48 %.

Der Euro Stoxx 50 büßte 1,18 % ein, der spanische IBEX 35 1,12 %.

Der verhaltene Start kam trotz einer Entscheidung von US-Präsident Donald Trump: Er verlängerte die Pause für Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur um zehn Tage bis zum 6. April.

Vorbörslich hatten US-Futures noch auf Aufschläge von bis zu 0,4 % bei den wichtigsten Indizes hingedeutet. Zum Handelsauftakt überwogen dann jedoch die Verkäufer.

Drei Hauptszenarien

Der weitere Verlauf des Konflikts ist unklar. Das weltweite Strategie-Team der UBS hat daher drei mögliche Szenarien und deren Folgen für Inflationserwartungen und Ölpreise durchgerechnet.

In einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht, auf den sich Market Watch beruft, beschreibt das Team eine Entspannung in der kommenden Woche als naheliegendste Variante.

„Dies wäre demnach nur ein vorübergehender Preisschock und würde die Wachstumsaussichten wohl kaum stärker beeinträchtigen.“

Im zweiten Szenario kommt der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus für fünf Wochen ins Stocken. Das Angebot würde um zehn Millionen Barrel Öl pro Tag zurückgehen. Die Preise könnten auf bis zu 120 Dollar je Barrel steigen, bevor sie sich bis zum dritten Quartal mit einer Normalisierung des Angebots wieder in Richtung 100 Dollar bewegen.

Die Inflation in der EU würde im zweiten Quartal im Jahresvergleich auf 3,2 % klettern. Das schmälert die Wachstumsaussichten um 0,2 Prozentpunkte. Die USA als Nettoexporteur von Rohöl wären weniger stark betroffen.

Das dritte und drastischste Szenario sieht eine zweimonatige Einschränkung der Ölexporte durch die Straße von Hormus vor. Der Ölpreis würde dann auf 150 Dollar je Barrel steigen.

Die Inflation in Europa und den USA würde auf 3,6 beziehungsweise 3,5 % steigen. Das Wachstum im zweiten Quartal ginge in den USA um 60 Basispunkte zurück, in Europa um 20 bis 30 Basispunkte.

Lagarde warnt: Märkte zu optimistisch

EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnt, die Finanzmärkte unterschätzten die Schwere der wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs. Anleger wollten offenbar nicht wahrhaben, wie lange die Störungen anhalten könnten.

Im Gespräch mit dem Magazin The Economist nannte Lagarde den Konflikt „einen echten Schock“, der „wahrscheinlich über das hinausgeht, was wir uns derzeit vorstellen können“.

Sie stellte sich gegen den Optimismus an den Märkten. Fachleute sähen wegen des Ausmaßes der Schäden an der Energieinfrastruktur keine schnelle Rückkehr zur Normalität. „Die meisten sprechen tatsächlich von Jahren“, betonte sie.

Zugleich warnte Lagarde, die wahren wirtschaftlichen Folgen zeigten sich erst nach und nach. Folgewirkungen in den Lieferketten seien an den Märkten noch nicht vollständig eingepreist.

Als Beispiel nannte sie Helium, von dem ein großer Teil durch die Straße von Hormus transportiert wird. Der knappe Rohstoff ist unverzichtbar für die Chipproduktion, was sich in den Preisen für Halbleiter noch kaum niederschlage.

„Wir erfahren fast stückweise, Tag für Tag, welche Folgen es tatsächlich haben wird.“

Die mahnenden Worte folgten auf einen schwierigen Handelstag an der Wall Street am Donnerstag.

Der S&P-500-Index verlor 1,7 % – der stärkste Tagesrückgang seit Januar. Der Dow Jones Industrial Average gab 1 % nach, der technologielastige Nasdaq Composite sackte um 2,4 % ab.

Asiens Börsen drehen ins Minus

Auch in Asien gaben die Kurse breit nach. In Südkorea führte der Kospi die Verluste mit einem Minus von 1,8 % an. Taiwans Taiex büßte 1,2 % ein, der indische Sensex 1,1 %.

Japans Leitindex Nikkei 225 verlor 0,2 %, der australische S&P/ASX 200 0,4 %. Eine Ausnahme bildete Hongkongs Hang Seng, der leicht um 0,6 % zulegte.

Die Ölpreise zogen am Freitag wieder an. Brent-Terminkontrakte legten um fast 2 % zu und kosteten damit über 110 Dollar je Barrel. Die US-Referenzsorte stieg um mehr als 1,5 % und notierte knapp unter 96 Dollar.

Die Straße von Hormus ist seit Beginn des Kriegs weitgehend geschlossen. Iran betont jedoch, die Sperre gelte nur für feindliche Schiffe. Nach Angaben von Lloyd’s List Intelligence zahlen einige Reedereien die Durchfahrt inzwischen in Chinas Währung Yuan.

Gold verteuerte sich um 1,3 % auf 4.431,80 Dollar je Feinunze (3.838 Euro). Silber stieg um 2,1 % auf 69,39 Dollar (60,09 Euro). Der Euro wurde bei 1,1540 Dollar gehandelt, nach zuvor 1,1527 Dollar.

Spirituosenfusion und G7

In der Unternehmenswelt haben die Getränkekonzerne Pernod Ricard und Brown-Forman, der Besitzer des Jack-Daniel’s-Whiskys, bestätigt, dass sie Fusionsgespräche aufgenommen haben.

Ein Zusammenschluss würde den weltweit zweitgrößten Spirituosenhersteller mit dem größten Produzenten von amerikanischem Whiskey vereinen. Beide Unternehmen kämpfen mit einer anhaltenden Flaute in der Branche.

Die G7-Außenminister setzten am Freitag in Frankreich ihren zweiten Beratungstag fort. Ganz oben auf der Agenda stehen die Kriege im Iran und in der Ukraine.

Südafrika bleibt dem Treffen fern. Das Land war als Beobachter eingeladen, doch Frankreich zog die Einladung zurück, nachdem die USA mit einem Boykott gedroht hatten.

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