Scharfe Worte aus Washington: Trump attackiert Kanzler Merz wegen dessen Nein zu einem Iran-Einsatz. Die Bundesregierung weist die Kritik zurück – und setzt weiter auf Distanz.
US-Präsident Donald Trump hat in einer Kabinettssitzung gegen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geschossen. "Die Ukraine ist nicht unser Krieg", sagte Trump, was er dem "Head of Germany" mitgeteilt habe. Namen nannte Trump nicht, spielte aber wohl auf Merz an.
Hintergrund ist eine klare Distanzierung des Bundeskanzlers von Forderungen Trumps, sich an dem Krieg gegen den Iran zu beteiligen. Bei seinem Besuch in Norwegen vor rund zwei Wochen sagte Merz: "Deutschland ist nicht Teil dieses Krieges, und wir wollen es auch nicht werden." Vergangene Woche konkretisierte Merz seinen Standpunkt bei seiner Regierungserklärung: "Wir hätten abgeraten, diesen Weg so zu gehen", so Merz über die Angriffe Israels und der USA.
Auch weitere deutsche Regierungsmitglieder erteilten Trumps Wunsch nach Unterstützung Absagen, darunter Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). "Es ist nicht unser Krieg", so Pistorius.
Zuvor hatte Trump Unterstützung der NATO in der Straße von Hormus verlangt. Sollte es "keine Reaktion geben oder sollte die Reaktion negativ ausfallen, wird das, denke ich, sehr schlecht für die Zukunft der NATO sein", so Trump zur Financial Times.
"Es ist nur angemessen, dass diejenigen, die von der Meerenge profitieren, dazu beitragen, dass dort nichts Schlimmes passiert", erklärte Trump weiter. Interesse hatte der US-Präsident etwa an Minensuchbooten, von denen auch Deutschland mehrere besitzt. Durch die Straße von Hormus verkehrt ein signifikanter Teil des weltweiten Öl- und LNG-Handels.
Deutsche Regierung gibt sich nicht besorgt
Vor Journalisten sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius, die deutsche Regierung stehe in engem Kontakt mit der US-Regierung. Trumps Äußerung sei keine, "die uns den Schlaf raubt". Zudem sei der Ukraine-Krieg ein Krieg, der die "Weltordnung und auch die amerikanische Dominanz in Europa, Amerikas Führungsrolle in Europa infrage stellt. Insofern stelle ich es anheim, daraus Schlüsse zu ziehen, ob man das zu einem Problem für seine eigenen Interessen macht oder nicht."
Es gebe einen gewissen Grundton zwischen den USA und Deutschland, "der eine vernünftige Zusammenarbeit möglich macht. Auf dieser Basis wird auch miteinander gearbeitet. Sie können sich sicher sein, dass die Arbeitsebenen im engen Kontakt miteinander stehen und dass dabei konstruktiv miteinander umgegangen wird", erklärte Kornelius weiter.
Bereits zweimal besuchte der Transatlantiker Friedrich Merz den US-Präsidenten im Weißen Haus in Washington, D.C. Im Vergleich zu Treffen mit anderen Staats- und Regierungschefs verliefen die Besuche von Merz ruhig. Beide hätten eine solide Arbeitsbeziehung, so der ehemalige Trump-Berater Kenneth R. Weinstein zum ZDF. Zum inneren Kreis gehöre Merz allerdings nicht dazu. An erster Stelle stehe bei Trump NATO-Generalsekretär Mark Rutte, gefolgt von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Selbst der finnische Präsident Alexander Stubb komme vor Merz, so Weinstein.