Mehr als 1.000 Wohnungen sind geplant, doch Artenschutzauflagen stellen das Projekt infrage.
Berlin steht vor einem ungewöhnlichen Konflikt zwischen Wohnungsnot und Artenschutz. Wie die Bild-Zeitung berichtet, könnte ausgerechnet eine kleine Echse den Bau des ersten Wohn-Wolkenkratzers der Hauptstadt ausbremsen.
Geplant ist ein 167 Meter hoher Turm mit mehr als 1.000 Wohnungen an der Warschauer Brücke. Doch direkt neben dem Baugelände lebt eine streng geschützte Art, die Zauneidechse. Gutachter haben berechnet, dass der geplante Turm große Teile ihres Lebensraums verschatten würde. Es geht um mehr als 1.300 Quadratmeter Fläche, auf denen künftig weniger Sonne ankommt.
Auch Fledermäuse betroffen
Für die wärmeliebenden Tiere ist das ein Problem. Um das Projekt dennoch umzusetzen, sind umfangreiche Schutzmaßnahmen geplant. Ein aus PVC-Folie, 20 Zentimeter tief in die Erde eingegraber Zaun soll laut der Bild-Zeitung die Tiere vom Baugelände fernhalten. Zusätzlich werden Ersatzflächen mit Sand und Totholz geschaffen.
Auch andere Arten spielen eine Rolle: In den frühen Morgenstunden und am Abend muss die Baustelle zeitweise stillstehen, Kräne dürfen sich in der Dämmerung gar nicht bewegen. Der Grund sind Fledermäuse, die genau zu diesen Zeiten jagen und nicht mit Maschinen kollidieren sollen.
Selbst Biber spielen eine Rolle: Damit die Tiere gar nicht erst auf die Baustelle gelangen, muss das Gelände durchgehend gesichert sein, da sie nur wenige hundert Meter entfernt leben.
Während der Artenschutz eingehalten werden muss, fordern einige Politiker, dem Wohnungsbau mehr Gewicht zu geben. Angesichts steigender Mieten und knappen Wohnraums wächst der Druck, schneller zu bauen. Auf Bild-Anfrage betont der baupolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jan-Marco Luczak, dass in Berlin "tausende Wohnungen" fehlen.
"Dadurch steigen die Mieten und die Schlangen bei den Wohnungsbesichtigungen werden immer länger. Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnungsbau, das muss jetzt unbedingten Vorrang haben. Die Zauneidechse wird nach Millionen Jahren erfolgreicher Evolution bestimmt auch ganz ohne Behördenbescheid den Weg in die wärmende Sonne finden", so Luczak.