Der Krieg gegen den Iran lässt das Interesse an Stecker-Solaranlagen wachsen; in Deutschland sind sie schon lange seit Jahren ein Renner.
Erneuerbare Energien federn den Energieschock durch den Krieg gegen den Iran teilweise ab. Europa arbeitet mit Hochdruck daran, seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern.
Eine aktuelle Analyse von SolarPower Europe zeigt: Die Nutzung von Solarenergie hat dem Kontinent seit dem 1. März täglich mehr als 100 Millionen Euro pro Tag gespart, weil weniger Gas importiert werden musste. Allein im vergangenen Monat kamen so 3 Milliarden Euro zusammen.
Expertinnen und Experten warnen: Bleiben die Gaspreise hoch, weil der Iran die Straße von Hormus unter Kontrolle hält – eine entscheidende Engstelle für fossile Brennstoffe, über die rund ein Fünftel der weltweiten Ölexporte läuft –, könnte die Solarkapazität Europa im Jahr 2026 Einsparungen von bis zu 67,5 Milliarden Euro bringen.
Angesichts der Rekordpreise investieren viele Europäerinnen und Europäer in saubere Energielösungen wie Wärmepumpen, Elektroautos und Solaranlagen. Wer sich jedoch keine Solaranlage für mehrere tausend Euro aufs Dach setzen kann, setzt verstärkt auf steckfertige Alternativen.
Was ist Stecker-Solar?
Typische Einsatzorte sind Balkone, Terrassen oder Garagen- und Schuppendächer. Stecker-Solaranlagen bestehen aus kleinen Modulen, die sich an Außenwände oder Geländer montieren lassen. In vielen europäischen Ländern liegen sie inzwischen im Supermarktregal oder lassen sich online bestellen.
Den erzeugten Strom speist man einfach über eine normale Steckdose ins Hausnetz ein – ähnlich wie bei einem Handy-Ladegerät. Zusätzliche Installationskosten fallen nicht an.
Gerade Mieterinnen und Mieter oder Menschen in Wohngemeinschaften sehen darin eine attraktive Alternative, wenn größere Dachanlagen nicht erlaubt sind.
Fachleute rechnen im Schnitt mit zwei bis sechs Jahren, bis sich die Anschaffung rechnet – je nach Preis, Größe und Standort. Läuft das System, bezieht der Haushalt weniger Strom aus dem Netz und die Rechnung fällt spürbar niedriger aus.
Deutschland führt bei Stecker-Solar
Deutschland hat den Trend zu Stecker-Solaranlagen schon lange vor dem Krieg der USA und Israels gegen den Iran aufgenommen. Zwischen 2022 und 2025 kamen mehr als eine Million solcher Systeme hinzu.
Ein wesentlicher Grund sind staatliche Anreize. Wer ein Stecker-Solargerät kauft, profitiert von Einspeisevergütungen – einem festen Preis für jede eingespeiste Kilowattstunde Strom.
„Kundinnen und Kunden hatten diesen Boom bereits ausgelöst und von der Politik erfolgreich eine einfachere Bürokratie eingefordert“, sagte 2024 ein Sprecher des deutschen Herstellers Meyer Burger.
„Maßnahmen wie die Abschaffung der Mehrwertsteuer haben die Beliebtheit von Balkonkraftwerken zusätzlich gesteigert.“
Hinzu kommt, dass Solarstrom und Batteriespeicher immer günstiger werden. In Deutschland haben sich die Preise für Balkonmodule in den vergangenen Jahren etwa halbiert; kleine Anlagen kosten inzwischen rund 200 Euro.
Größere Sets mit Speicher liegen unter 1.000 Euro, liefern dafür aber deutlich mehr Ökostrom.
Seit 2024 dürfen Mieterinnen, Mieter und Wohnungseigentümer ihre Balkonmodule selbst montieren. Kosten für Fachpersonal entfallen.
Nach Einschätzung von Expertinnen und Experten könnten Stecker-Solargeräte bis 2045 bis zu zwei Prozent des deutschen Strombedarfs decken – dem Jahr, in dem Deutschland klimaneutral sein will.
Europa holt bei Stecker-Solar auf
In vielen Ländern hat sich die Verbreitung jedoch verzögert – unter anderem aus Sicherheitsbedenken.
Zahlreiche Gebäude in Europa verfügen über veraltete, veränderte oder schlecht gewartete Elektroinstallationen. Oft muss deshalb erst eine Fachkraft prüfen, ob sich Stecker-Solaranlagen überhaupt gefahrlos betreiben lassen.
SolarPower Europe spricht von „schwer zu erfassenden“ Zahlen bei Stecker-Solar, sieht aber in ganz Europa ein deutliches Wachstum.
In allen siebenundzwanzig EU-Mitgliedstaaten mit Ausnahme von Schweden und Ungarn ist Stecker-Solar inzwischen legal. Belgien erlaubte selbst installierte Module bereits im April 2025. Spanien nutzt sein konstant sonniges Wetter ebenfalls verstärkt für solare Stromerzeugung.
Tornasol Energy, ein spanisches Unternehmen für Stecker-Solar, rüstete nach eigenen Angaben im Jahr 2025 mehr als 1.300 Haushalte mit Solarkits aus – die Kundschaft sparte damit über 620.000 Euro bei den Stromrechnungen, außerdem gelangten mehr als 14 Tonnen CO2 nicht in die Atmosphäre.
Seit der Gründung vor fünf Jahren hat Tornasol Energy nach eigenen Angaben mehr als 5.000 Haushalte mit Stecker-Solarkits ausgestattet.
Das Vereinigte Königreich ist das jüngste europäische Land, das Beschränkungen für Stecker-Solar aufhebt. Die Regierung kündigte an, den Ausbau günstiger Module voranzutreiben, die bald bei Händlern wie Lidl und Iceland erhältlich sein sollen.
„Der Krieg im Iran hat erneut gezeigt: Unser Einsatz für saubere Energie ist entscheidend für unsere Energiesicherheit, damit wir uns aus dem Griff fossiler Märkte befreien, die wir nicht kontrollieren“, sagt der britische Energieminister Ed Miliband.
„Ob mit Solaranlagen, die bei Neubauten zur Standardausstattung gehören, oder mit Stecker-Solar, das man einfach im Laden kaufen kann – wir wollen sauberen Strom flächendeckend ausbauen und unserem Land damit mehr Energiesouveränität geben.“
Eine Analyse von Carbon Brief (Quelle auf Englisch) kommt zu dem Ergebnis, dass ein typischer Haushalt im Vereinigten Königreich mit Stecker-Solarmodulen über deren Lebensdauer von fünfzehn Jahren rund 1.100 Pfund – etwa 1.261 Euro – sparen kann.