Streit um Energiewende: Politiker fordern zentrale Rolle für erneuerbare Energien, doch ein Mega-Solarpark stößt auf Widerstand.
Die Pläne für den Bau der wohl größten Solaranlage Europas stehen nach monatelanger Prüfung nun auf der Kippe.
Der Fall für erneuerbare Energien wirkt zugleich stärker denn je. Der Krieg gegen den Iran treibt die Öl- und Gaspreise weiter in die Höhe. Jüngste Analysen zeigen: Solarenergie, inzwischen als günstigste Form sauberer Energie eingestuft, hat Europa im vergangenen Monat durch geringere Importe fossiler Brennstoffe Einsparungen von rund drei Milliarden Euro gebracht.
Doch der Ausbau von Anlagen für erneuerbare Energien sorgt zunehmend für Streit. Viele Europäerinnen und Europäer sehen Windräder und Solarfelder kritisch, wenn sie große Teile der freien Landschaft einnehmen.
Großprojekt in England: Plan für Europas größte Solaranlage
Die Botley-West-Solaranlage wurde erstmals im September 2022 vorgestellt. Sie soll bis Herbst 2029 ans Stromnetz gehen.
Die Anlage in der englischen Grafschaft Oxfordshire könnte 840 Megawatt saubere Energie liefern – genug für rund 330.000 Haushalte. Das entspräche etwa 1,2 Prozent des britischen Ausbauziels für Solarstrom bis 2035.
Photovolt Development Partners (PVDP), das Unternehmen hinter dem Projekt im Wert von achthundert Millionen Pfund (rund 916,43 Millionen Euro), verspricht zusätzlich eine Senkung der CO₂-Emissionen und mehr Versorgungssicherheit.
PVDP sagt zu, die biologische Vielfalt auf den Flächen um mindestens siebzig Prozent zu steigern. Anwohnerinnen und Anwohner fordern das Unternehmen trotzdem auf, das Vorhaben zu verkleinern. Sie sorgen sich um die Auswirkungen auf die natürliche Umgebung.
Ian Hudspeth, früherer Chef des County Council von Oxfordshire und Bewohner eines betroffenen Gebiets, warnt vor einem „Ozean aus Glas und Stahl“ in der Landschaft.
Gegnerinnen und Gegner haben die Initiative Stop Botley West gegründet. Sie befürchten, dass die vielen Solarmodule den Ackerbau in der Region beeinträchtigen. Außerdem verlaufe der derzeitige Plan zu dicht am UNESCO-Welterbe Blenheim Palace.
Die Gruppe warnt zudem vor dem Verlust von Lebensräumen für Wildtiere, einem höheren Überschwemmungsrisiko und einer „beispiellosen“ Veränderung des Landschaftsbilds.
Nick Eyre vom Environmental Change Institute der Universität Oxford hält viele Sorgen um die Lebensmittelproduktion jedoch für „stark übertrieben“.
„Wir können Lebensmittel deutlich effizienter produzieren, wir wissen, wie das geht“, sagt er der BBC (Quelle auf Englisch). „Zum Vergleich: Ein Prozent der Fläche des Vereinigten Königreichs besteht aus Golfplätzen. Ich höre niemanden sagen, Golfplätze seien eine Gefahr für die Ernährungssicherheit.“
Botley West: Kommt das Projekt?
Im Februar übergaben Planungsinspektoren ihren Bericht zum Projekt Botley West an Energieminister Ed Miliband. Nach britischem Planungsrecht muss innerhalb von drei Monaten – also bis zum 10. Mai – eine Entscheidung verkündet werden, sofern nicht eine neue Frist festgelegt wird.
Die britische Regierung hat nun bestätigt, dass sich die Entscheidung über die Solaranlage um vier Monate bis zum 10. September verzögert.
„So kann mein Ministerium beim Antragsteller weitere Informationen einholen und anderen beteiligten Stellen genug Zeit geben, diese zu prüfen“, erklärte Martin McCluskey, Minister für Energieverbraucher.
„Die Festlegung einer neuen Frist greift der Entscheidung über eine Genehmigung oder Ablehnung des Projekts nicht vor“, betonte er.
Professor Alex Roger, Vorsitzender von Stop Botley West, erklärte: „Wir begrüßen die Entscheidung des Energieministers, zusätzliche Informationen vom Antragsteller anzufordern und genug Zeit für deren Prüfung durch Interessengruppen wie unsere Bürgerinitiative Stop Botley West einzuplanen.“
Euronews Earth hat PVDP um eine Stellungnahme gebeten.