Der Kreml hat die Wachstumsprognose für die Wirtschaft Russlands deutlich gesenkt., Die enormen Kosten des Krieges gegen die Ukraine und die westlichen Sanktionen setzen Wladimir Putin unter Druck.
Das russische Wirtschaftswachstum schwächt sich nach Ansicht des stellvertretenden Ministerpräsidenten Alexander Novak in diesem Jahr deutlich ab. Die Prognose des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung der Russischen Föderation vom vergangenen September sah ein Wachstum des BIP von 1,3 % vor. Doch jetzt hat der Kreml diese Zahl deutlich nach unten korrigiert: von 1,3 % auf 0,4 %.
Gleichzeitig äußerte der Minister die Hoffnung, dass Russland demnächst "eine Phase der Erholung des Wachstums von 1,4 % im Jahr 2027 und von 2,4 % im Jahr 2029" erleben wird. Dies soll vor allem durch die Lockerung der Geldpolitik erreicht werden.
Die revidierte Inflationsprognose für Russland liegt laut Novak bei 5,2 Prozent im Jahr 2026; für 2027 wurde sie bei 4 Prozent belassen. Die russische Zentralbank prognostiziert für 2026 eine Inflation zwischen 4,5 und 5,5 %.
Russlands größte Bank, die Sberbank, schätzt, dass die russische Wirtschaft im Jahr 2026 um 0,5-1 % wachsen wird; ihre Inflationsprognose liegt bei 6-6,5 %.
Im April verbesserte der Internationale Währungsfonds seine Prognose für die russische Wachstumsrate des BIP um 0,3 Prozentpunkte auf 1,1 %.
Die erschwerte Situation können auch die weltweit steigenden Ölpreise nicht retten. Alexander Novak zufolge schafft die derzeitige Krise im Nahen Osten zwar die Voraussetzungen für ein Wachstum der Exporteinnahmen sowohl für Öl und Gas als auch für eine Reihe anderer Rohstoffe, doch wird dieser Effekt nicht als langfristig angesehen. "Der Anstieg der Exportpreise führt zu einem Anstieg der Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse, und dies trägt zur Stärkung des Rubels bei", erklärte der stellvertretende Regierungschef.
Die EU-Sanktionen zeigen Wirkung
Eine wachsende Zahl makroökonomischer Indikatoren deutet darauf hin, dass Russlands Wirtschaft unter der Last der Kosten des Kriegs gegen die Ukraine allmählich an seine Grenzen stößt. Im Jahr 2021, dem Jahr vor Kriegsbeginn, beliefen sich die russischen Militärausgaben auf insgesamt 65 Mrd. US-Dollar bzw. 3,6 % des BIP. Im vergangenen Jahr erreichten sie 190 Milliarden Dollar - das waren 7,5 % des BIP.
Seit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die Europäische Union ständig Druck auf Russland ausgeübt, um dessen Fähigkeit zur Kriegsführung zu untergraben.
Nach 20 gegen Moskau verhängten Sanktionspaketen hat Brüssel Risse in der russischen Wirtschaft festgestellt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die westlichen Partner wiederholt aufgefordert, den Druck aufrechtzuerhalten und darauf hingewiesen, dass die Sanktionen Wirkung zeigen.
Wie Euronews bereits berichtete, haben sich in den vergangenen Monaten die Spannungen in der russischen Wirtschaft verstärkt und begonnen, das Image der Unbesiegbarkeit, das der Kreml aufgebaut hat, zu untergraben.
Nach Angaben des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung schrumpfte die russische Wirtschaft zwischen Januar und März um 0,3 Prozent, das ist der erste Rückgang seit Anfang 2023.
Im gleichen Zeitraum stieg das Defizit des Staatshaushalts auf 60 Milliarden Dollar (51 Milliarden Euro) und übertraf damit das Ziel für das gesamte Jahr.
Die Inflation verharrt bei fast 6 Prozent bei einem exorbitanten Zinssatz von 14,5 Prozent. Der Aktienmarkt hat seit März an Boden verloren, obwohl es weltweit eher aufwärts ging. Die russische Zentralbank hat wegen des Mangels an Arbeitskräften Alarm geschlagen.
Selbst Präsident Wladimir Putin hat zugegeben, dass die Dinge nicht so gut laufen wie erhofft. Im April forderte er seine Mitarbeiter auf zu erklären, "warum die Entwicklung der makroökonomischen Indikatoren derzeit nicht den Erwartungen entspricht". Putin verlangte, "zusätzliche Maßnahmen zur Wiederherstellung des Wachstums vorzustellen".