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"Mütterchen Russland" zahlt mit galoppierender Inflation für den Krieg

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Von su  mit dpa
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„Zamestim“ steht für "wir ersetzen", zusammengestellt aus den Anfangsbuchstaben von Marken, die Russland verlassen haben
„Zamestim“ steht für "wir ersetzen", zusammengestellt aus den Anfangsbuchstaben von Marken, die Russland verlassen haben   -   Copyright  AP Photo/Dmitri Lovetsky

Mehr Inflation, weniger Wirtschafts-Output – darauf müssen sich Russlands Bürger einrichten. Elvira Nabiullina, Präsidentin der russischen Zentralbank, beschrieb die aktuelle Lage im Land als „kolossale Unsicherheit“ und stellte fest, dass es höchstwahrscheinlich notwendig ist, sich auf eine weitere Beschleunigung der Teuerungsrate vorzubereiten.

Elvira Nabiullina, Präsidentin der russischen Zentralbank:

„Das Angebot geht stärker zurück als die Nachfrage, was einen hohen Inflationsdruck erzeugt. Im Allgemeinen werden die Verbraucherpreise in diesem Jahr unserer Prognose zufolge um 18-23 Prozent steigen. Der Abbruch etablierter wirtschaftlicher Verbindungen wird sich in diesem Jahr negativ auf die Dynamik des Bruttoinlandsprodukts auswirken. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts BIP wird 8-10 Prozent betragen, wobei der tiefste Punkt im vierten Quartal liegen wird.“

"SCHWIERIGE PERIODE STRUKTURELLER VERÄNDERUNGEN"

Zuvor hatte Nabiullina den Beginn einer „schwierigen Periode struktureller Veränderungen“ in der russischen Wirtschaft angekündigt und dies mit den internationalen Sanktionen begründet. Die Zentralbank erwartet erst im Jahr 2024 wieder ein Wachstum der Volkswirtschaft.

Die Zentralbankerin räumte auch Probleme mit staatlichen Zahlungs-Verpflichtungen ein, besteht aber darauf, dass keine Zahlungsunfähigkeit droht. Das Finanzministerium verfüge ihrer Meinung nach über alle Mittel, um fällige Schulden zu bezahlen.

Nabiullinas Dilemma: Sie muss einerseits die wachsende Inflation bekämpfen und gleichzeitig der schwächelnden Wirtschaft auf die Sprünge helfen. Senkt sie die Zinsen, hilft sie zwar der Konjunktur, verstärkt aber den Preisauftrieb. Hebt sie die Zinsen an,

bremst sie die Wirtschaft.

LEITZINS-ZICKZACK

Nach Beginn des russischen Einmarschs in der Ukraine Ende Februar hatte sie den Leitzins auf 20 Prozent verdoppelt, um einen Rubel-Absturz zu verhindern. Ab April wurde er in zwei Schritten wieder auf 14 Prozent zurückgenommen.

Eines hat die auch im Ausland hoch angesehene Notenbank-Präsidentin bisher jedenfalls geschafft: Sie hat den Rubel stabilisiert. Zum Wochenschluss kletterte er zum Euro auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Ein Grund für die Rubel-Stärke könnte sein, dass die russische Zentralbank einen Zwangsumtausch in Rubel für Exporteinnahmen eingeführt hat.

Mitten in der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise wegen des Krieges gegen die Ukraine bestellte Präsident Wladimir Putin Nabiullina im März 2022 für eine dritte Amtszeit zur Chefin der russischen Zentralbank.

su mit dpa