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Starkes El Niño bis 2028? UN warnt: Klimakrise bricht Hitze-Rekorde

Ein Mann wäscht sich an einem öffentlichen Wasserhahn nahe dem Fluss Ganges an einem heißen Sommertag in Prayagraj in Indien, Mittwoch, 27. Mai 2026.
Ein Mann wäscht sich an einem öffentlichen Wasserhahn nahe dem Fluss Ganges an einem heißen Sommertag in Prayagraj, Indien, Mittwoch, 27. Mai 2026. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
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Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Klimaforschende warnen: Durch ein starkes El‑Niño‑Phänomen in Verbindung mit der Erderwärmung droht eine ganze Reihe extremer Wetterereignisse.

In den nächsten fünf Jahren wird die Erde mit sehr großer Wahrscheinlichkeit immer wieder die als sicher geltende internationale Klimaschwelle überschreiten und dabei ihre bisherigen Hitzerekorde brechen – das zeigen neue Projektionen der Vereinten Nationen.

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Die Weltmeteorologieorganisation (WMO) rechnet zudem mit einer sich überhitzenden Arktis, die sich bis 2030 um fast 1,66 °C erwärmt, und mit gefährlicher Dürre samt möglicher Waldbrände im Amazonasgebiet – einem zentralen Baustein der natürlichen Abwehrkräfte der Erde gegen den menschengemachten Klimawandel.

Projektionen der UN-Klimabehörde und des britischen Wetterdienstes Met Office zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit bei 75 Prozent, dass die durchschnittliche globale Temperatur im Zeitraum 2026 bis 2030 mehr als 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau liegt. Diese Schwelle gilt seit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 als vereinbarte Obergrenze der Erwärmung, gemittelt über zwanzig Jahre.

Wie heiß werden die nächsten fünf Jahre?

Laut WMO liegt die Wahrscheinlichkeit bei 91 Prozent, dass mindestens eines der nächsten fünf Jahre die Marke von 1,5 °C überschreitet. Mit 86 Prozent ist zudem die Chance hoch, dass eines dieser Jahre den 2024 aufgestellten Rekord für das bislang heißeste Jahr überbietet.

Außerdem erwartet die WMO, dass die globale Durchschnittstemperatur in jedem Jahr bis 2030 um 1,3 bis 1,9 °C über dem Niveau der späten 1800er-Jahre liegen wird.

„Es ist wichtig zu betonen, dass 1,5 °C keine Klippe sind, von der wir plötzlich hinabstürzen“, sagt die Mitautorin des Berichts, Melissa Seabrook, Klimawissenschaftlerin beim britischen Met Office. „Jede weitere Erwärmung um 0,1 Grad hat spürbar schwerere Folgen.“

„Eine ganze Reihe extremer Wetterereignisse“

Ein UN-Wissenschaftsbericht zeigte einige Jahre später, dass ein Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze mehr Todesfälle, größere Gefahren und ein höheres Artensterben bedeutet. Auch wenn es nur um wenige Zehntelgrade geht: Manche Ökosysteme, etwa Korallenriffe und Gletscher, verkraften diese Belastung nicht.

Die Klimaforscherin Friederike Otto vom Imperial College London, die nicht an dem WMO-Bericht mitgearbeitet hat, warnt, dass ein ganzes Jahr oder mehr über 1,5 °C „eine ganze Palette extremer Wetterereignisse mit sich bringen wird, die alles übertrifft, was wir bisher erlebt haben“ – und dass Städte darauf völlig unzureichend vorbereitet sind.

Viele Menschen werden ihr Leben verlieren. Uns stehen heftige Preisschocks bei Lebensmitteln und deutlich intensivere Waldbrände bevor.
Friederike Otto
Professorin für Klimawissenschaften am Imperial College London

Europa ist von den UN bereits aufgefordert worden, „die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu beenden“, denn große Teile des Kontinents leiden weiter unter extremen Temperaturen. Sowohl Frankreich als auch das Vereinigte Königreich meldeten in dieser Woche den heißesten Maitag seit Beginn der Aufzeichnungen, selbst normalerweise kühlere Regionen wie Oslo verzeichneten Temperaturen, die deutlich über dem für diese Jahreszeit üblichen Klimamittel liegen.

„Diese Rekordhitze trägt klar die Handschrift des Klimawandels“, sagt Otto.

„Solche Temperaturen galten selbst im Hochsommer früher als außergewöhnlich. 35 °C im Vereinigten Königreich im Frühjahr sind eigentlich kaum vorstellbar. Doch die Wissenschaft ist eindeutig: Der Klimawandel macht solche Hitzewellen heißer, länger und viel häufiger.“

Ist El Niño schuld an den Rekordtemperaturen?

Fast alle kurzfristigen Prognosen gehen davon aus, dass sich bald ein starker El Niño ausbildet – eine natürliche Erwärmung von Teilen des zentralen Pazifiks, die das Wetter weltweit verändert und die globalen Temperaturen in die Höhe treibt.

Der WMO-Bericht geht davon aus, dass dieses Phänomen bis 2028 anhalten könnte. Deshalb werde das Jahr 2027 voraussichtlich den Hitzerekord von 2024 brechen, sagt Seabrook.

Ein starkes El-Niño-Ereignis „kann das Risiko von Waldbränden im weiteren Jahresverlauf deutlich erhöhen“, sagt Theodore Keeping vom Imperial College London. „In vielen Regionen der Welt hat die eigentliche Feuersaison noch gar nicht begonnen. Doch dieser frühe Start in Kombination mit dem erwarteten El Niño könnte bedeuten, dass uns ein besonders schweres Feuerjahr bevorsteht.“

Vegetationsbrände töten nicht nur unmittelbar Menschen. Sie verschlechtern über Hunderte Kilometer die Luftqualität und verursachen zahlreiche Gesundheitsprobleme. So starben bei den australischen Bränden 2019 zwar 33 Menschen direkt im Feuer, doch der Rauch führte in den folgenden sechs Monaten zu 417 zusätzlichen Todesfällen und Tausenden Krankenhausaufenthalten.

Einige Meteorologinnen und Meteorologen gehen davon aus, dass ein typisches El-Niño-Ereignis die globale Mitteltemperatur vorübergehend um etwa 0,1 bis 0,2 °C erhöht. Im Vergleich zu der durch den Menschen verursachten Erwärmung ist das jedoch gering: Der Klimawandel hat die globale Oberflächentemperatur bereits um rund 1,3 bis 1,5 °C über das vorindustrielle Niveau getrieben.

„El Niño ist ein natürliches Phänomen“, erklärt Otto. „Es kommt und geht. Die Klimakrise dagegen wird so lange schlimmer, wie wir fossile Brennstoffe verbrennen. Der Klimawandel ist also der eigentliche Grund zur Sorge.“

Europa stöhnt zwar unter glühender Hitze, doch einige Klimaforschende diskutieren, ob sich die Erderwärmung überhaupt beschleunigt. Seabrook nennt diese Debatte „offensichtlich ziemlich beunruhigend“, geht aber davon aus, dass die kommenden Temperaturdaten viele der optimistischeren Einschätzungen widerlegen könnten.

Rasante Erwärmung in der Arktis

Nicht nur der Mittelmeerraum muss sich auf weiter steigende Extremtemperaturen einstellen.

Die Projektionen basieren auf dem Mittelwert von rund 200 Durchläufen mit 13 verschiedenen Klimamodellen aus mehreren Ländern. Demnach erwärmt sich die Arktis 3,5-mal so schnell wie der Rest der Erde, weil dort immer weniger Eis und Schnee vorhanden ist, die Sonnenstrahlung ins All zurückwerfen, erläutert Seabrook.

Aufnahme vom 19. Juli 2007: Ein Eisberg schmilzt vor der Insel Ammassalik im Osten Grönlands.
Aufnahme vom 19. Juli 2007: Ein Eisberg schmilzt vor der Insel Ammassalik im Osten Grönlands. Copyright 2007 AP. All rights reserved.

Die Winter in der Arktis lagen im Zeitraum 2020 bis 2025 im Durchschnitt 1,2 °C über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Für die nächsten fünf Winter erwartet die WMO nach Angaben Seabrooks im Schnitt eine Erwärmung um 2,8 °C gegenüber diesem jüngsten Referenzwert.

Der Bericht sagt außerdem voraus, dass das Meereis in der Arktis im Sommer weiter zurückgeht.

Dramatische Warnung für den Amazonas

Für das Amazonasbecken erwartet der Bericht noch höhere Temperaturen und ungewöhnlich trockene Bedingungen. Das könnte verheerende Folgen für die dort lebenden Menschen und für den gesamten Planeten haben.

Die Bevölkerung ist in weiten Teilen auf den Amazonas als Wasserquelle angewiesen. Hitze und Trockenheit werden das Risiko von Bränden weiter erhöhen, sagt Seabrook. Damit droht der Amazonas, der heute noch große Mengen des klimaschädlichen Kohlendioxids aus der Atmosphäre aufnimmt, sich in eine Region zu verwandeln, die die Krise zusätzlich anheizt.

Für die Sahelzone in Afrika, die zuletzt unter extremer Trockenheit litt, prognostiziert der Bericht hingegen mehr Regen als üblich. Das könne zu Überschwemmungen führen, warnt Seabrook.

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