Die Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Lena Kotré will bei einer sogenannten Remigrationskonferenz in Portugal sprechen. Auch dabei ist der Österreicher Martin Sellner, den der Verfassungsschutz als rechtsextremistisch einstuft. Die AfD-Spitze will nicht, dass ihre Politiker mit ihm auftreten.
"Kommt mit mir nach Portugal zur Remigrationskonferenz!", erklärt die AfD-Landtagsabgeordnete aus Brandenburg Lena Kotré in einem Video in den sozialen Medien. Die 38-jährige Anwältin nennt sich selbst auch "Innen- und Remigrationspolitische Sprecherin" ihrer Partei. Dabei fordert sie mit ihrer geplanten Rede in Porto die AfD-Spitze heraus.
Denn einer der Hauptredner beim sogenannten Remigrationsgipfel der extremen Rechten in Portugal ist der führende Kopf der Identitären Bewegung (IB) in Europa Martin Sellner. Die Ideen des 37-jährigen Österreichers hat der deutsche Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft. In mehreren europäischen Ländern war Sellner in der Vergangenheit mit Einreiseverboten belegt.
Eigentlich bemühen sich die Vorsitzenden der Alternative für Deutschland darum, sich von den Identitären abzusetzen, um nicht als rechtsextremistische und damit verfassungsfeindliche Partei verboten zu werden. Aber ähnlich wie Björn Höcke in Thüringen sieht Lena Kotré das offenbar anders. Auch bei der Landtagsfraktion in Erfurt, war Martin Sellner 2026 zu Gast - ganz offiziell, wie das ZDF berichtete.
Zu dem Treffen in Porto kommen auch der 2024 wegen Leugnung des Holocaust und rassistischer Beleidigungen verurteilte Belgier Dries Van Langenhove, die 29-jährige rechte Influencerin Eva Vlaardingerbroek aus den Niederlanden sowie der 77-jährige Vordenker der extremen Rechten aus Frankreich Jean-Yves Le Gallou.
Lena Kotré (AfD) saß schon zuvor mit Sellner auf einer Bühne
Die Führung der AfD in Berlin soll laut Medienberichten bereits - nach der Berichterstattung über ein mutmaßlich geheimes Remigrationstreffen in Potsdam - die Politiker der Partei intern dazu aufgefordert haben, nicht auf Veranstaltungen mit Sellner aufzutreten. Zehntausende hatten in Deutschland damals gegen diese Veranstaltung für "Remigration" demonstriert. Offenbar hält sich Lena Kotré nicht an die Empfehlungen der Parteispitze.
Denn im vergangenen Januar war die AfD-Landespolitikerin - deren Ehemann für die AfD im Bundestag ist - bereits auf einer Podiumsdiskussion mit Martin Sellner in Vetschau im Spreewald. Eingeladen hatte sie Sellner. Zuvor war die Debatte als AfD-Veranstaltung geplant - mit Sellner als Gast, das hatten die Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla dann aber laut Medienberichten verhindert.
Rechtsextremer Aktivist Martin Sellner sieht AfD auf seiner Linie
Offiziell benutzt die AfD weiterhin den Begriff der "Remigration", aber anders als der österreichische Identitäre beteuert die Partei ihre "rechtstaatstreue und gesetzeskonforme Haltung". Die AfD schreibt auf ihrer Internetseite: "Wir waren schon immer für die Abschiebung von vollziehbar Ausreisepflichtigen und hatten auch nie jemals eine Abschiebung deutscher Staatsbürger in irgendeinem Programm gefordert."
Sellner erklärt auf Nachfrage von Euronews, sein Konzept zur Remigration wolle wirtschaftlichen und kulturellen Druck auf nicht assimilierte Staatsbürger der europäischen Staaten ausüben, damit diese die jeweiligen Länder wieder verlassen. Auf die Frage von Euronews, welche Parteien seinen Ideen zur Remigration am nächsten stehen, nennt Martin Sellner zuerst die AfD, noch vor der österreichischen FPÖ und "Restore Britain".
Der Sprecher der Fraktion "Europa der Souveränen Nationen" (ENS) im Europaparlament teilte Euronews mit, dass kein EU-Abgeordneter der AfD am Remigrationsgipfel in Porto teilnehmen werde. Allerdings steht der slowakische ENS-Abgeordnete Milan Mazurek auf der Rednerliste. Er war wegen Hassreden gegen Roma verurteilt worden, und dadurch der erste Politiker, dem sein Mandat im Parlament von Bratislawa wegen eines Verbrechens entzogen wurde.
Die brandenburgische Politikerin Lena Kotré kündigt an, sie werde in Portugal darüber sprechen, "wie Remigration bei uns in Deutschland in den Sprachgebrauch gefunden hat und wie wir Remigration durchsetzen können."
Die Pressestelle der AfD in Berlin hat trotz mehrfacher Anfragen bis Redaktionsschluss die Frage nicht beantwortet, was die Partei-Spitze über die Teilnahme der Landtagsabgeordneten Lena Kotré am Remigrationsgipfel der extremen Rechten in Portugal denkt.