G7-Staats- und Regierungschefs haben sich drei Tage lang in Frankreich zu einem Gipfel zu Ukraine, Nahost und globalen Krisen getroffen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse.
Die Staats- und Regierungschefs der reichsten Volkswirtschaften der Welt sowie mehrere Partnerländer sind im französischen Évian-les-Bains zusammengekommen. Sie haben über die drängendsten globalen Konflikte beraten – vom Krieg in der Ukraine bis zur fragilen Waffenruhe im Nahen Osten.
Am häufigsten war von "Annäherung" die Rede. Viele Diplomaten zeigten sich erleichtert, dass die hochrangige Konferenz deutlich reibungsloser verlief als der vorherige Gipfel und dass US-Präsident Donald Trump sich kooperativ gab.
Euronews ordnet die wichtigsten Ergebnisse des G7-Gipfels ein und trennt sie vom Lärm rund um die jüngsten internationalen Entwicklungen.
G7: Geschlossen hinter der Ukraine
Die Ukraine geht womöglich als größte Gewinnerin des Treffens hervor. Sie erhält eine deutliche Unterstützungszusage der westlichen Staats- und Regierungschefs, obwohl Präsident Wolodymyr Selenskyj kein umfassendes bilaterales Gespräch mit Trump erreichen konnte.
Die G7-Staats- und Regierungschefs sagten zu, Lieferungen von Luftverteidigungssystemen zu beschleunigen, die ukrainische Energieinfrastruktur weiter zu unterstützen und die Sanktionen gegen Russland zu verschärfen.
Sie zeigten sich außerdem "bereit zu prüfen", ob sie der Ukraine Lizenzen für die militärische Produktion erteilen. Für Kyjiw ist das entscheidend, denn das Land braucht dringend die US-gefertigten Patriot-Abwehrsysteme, um die anhaltenden russischen Angriffe abzuwehren.
US-Präsident Trump erklärte lediglich, er wolle sich den Vorschlag "ansehen". Verglichen mit seiner früheren kategorischen Absage ist das bereits ein Fortschritt.
Trump kündigte zudem an, Washington könne "bald" die Sanktionen gegen russisches Öl und Gas wieder in Kraft setzen. Die USA hatten sie in den vergangenen Wochen vorübergehend ausgesetzt, um die durch den Krieg im Iran ausgelöste Energiekrise etwas zu entschärfen.
Erstmals sagte der US-Präsident zudem, nicht die Ukraine, sondern Russland müsse "ein Abkommen schließen".
Naher Osten rückt in den Mittelpunkt
Die Lage im Nahen Osten bestimmte weite Teile der Gespräche. Kurz vor dem Gipfel hatten die USA und Iran ein Rahmenabkommen zur Ausarbeitung eines Friedensvertrags angekündigt, dessen Details am Rande des G7-Treffens bekanntwurden.
Aus Trumps Sicht ist der Kern des Pakts, dass Teheran niemals Atomwaffen erwirbt und die Straße von Hormus wieder zollfrei öffnet. Im Gegenzug würde Iran die Aufhebung aller Sanktionen und die Freigabe seiner eingefrorenen Vermögenswerte erreichen.
Westliche Staats- und Regierungschefs begrüßten die Grundsatzerklärung deutlich enthusiastischer als Trumps Verbündete in den USA. Sie hoffen auf eine rasche Wiederöffnung der Straße von Hormus, deren Blockade die Energiepreise in die Höhe getrieben und ihre Volkswirtschaften belastet hat.
In für ihn ungewohnt kritischen Worten meinte Trump, Israel könne im Kampf gegen die Hisbollah "besser abschneiden". Er rief zu Zurückhaltung im Süden Libanons auf und deutete sogar an, Syrien könne Irans Stellvertretermiliz effektiver zerschlagen und dabei weniger zivile Opfer verursachen.
China: das unausgesprochene Thema
China war bei diesem G7-Gipfel das sprichwörtliche große Thema, über das kaum jemand direkt sprechen wollte.
Die Debatte am Mittwoch über "ausgewogenes, geteiltes und nachhaltiges Wachstum" diente im Grunde als diplomatische Chiffre. Gemeint war der gemeinsame Versuch, die Schockwellen zu bändigen, die Pekings staatsgelenktes, subventionsintensives Wirtschaftsmodell weltweit auslöst.
"Globale Ungleichgewichte können sich negativ auf die Wirtschaft auswirken, vor allem in den ärmsten Ländern, obwohl die meisten von ihnen nicht zu diesen Ungleichgewichten beitragen", heißt es in der gemeinsamen Erklärung zum Abschluss der Beratungen – ein kaum verhohlener Hinweis auf China.
"Wir erkennen zudem an, wie wichtig abgestimmtes Handeln ist, um wachsende und dauerhafte globale Ungleichgewichte zu verringern. Der Abbau dieser Ungleichgewichte könnte helfen, ein nachhaltigeres und ausgewogeneres Wachstum zu erreichen."
Das Dokument fordert außerdem "Länder mit großen und anhaltenden Leistungsbilanzüberschüssen" – gemeint ist China – auf, "heimische Wachstumsquellen" zu stärken und "verzerrende Praktiken mit negativen Spillover-Effekten" zu vermeiden. Es verlangt zudem "koordiniertes Handeln" und "gezielte Maßnahmen", um diese Ungleichgewichte anzugehen, bleibt dabei aber vage.
Vorerst dürfte daher jeder G7-Partner seinen eigenen Kurs gegenüber China verfolgen.
Künstliche Intelligenz rückt ins Zentrum
Künstliche Intelligenz gehörte zu den großen Themen des Gipfels. Die Vorstandschefs von Anthropic, OpenAI und anderen führenden Tech-Konzernen nahmen am Mittwoch an einem Arbeitsmittagessen mit den Staats- und Regierungschefs teil, um darüber zu sprechen, wie sich KI nutzen lässt und Risiken zugleich begrenzt werden können.
Die jüngste Entscheidung Washingtons, ausländischen Staatsangehörigen den Zugang zu den leistungsstärksten Modellen von Anthropic zu verwehren, prägte die Diskussion. Westliche Partnerländer erkannten, dass auch sie jederzeit vom Zugang zu den fortschrittlichsten US-Technologien abgeschnitten werden könnten – wie alle anderen.
KI stand zudem im Mittelpunkt einer gemeinsamen Erklärung zur Online-Sicherheit von Kindern. Darin warnen die Staaten ausdrücklich vor Risiken durch dialogorientierte Chatbots und synthetisches kinderpornografisches Material.
G7-Mitglieder und Partnerländer sind sich weitgehend einig, dass Technologieunternehmen den Schutz von Kindern schon beim Design digitaler Dienste in den Mittelpunkt stellen sollen. Umstritten bleibt jedoch, ob Verbote bestimmter sozialer Medien der beste Weg sind.
G7 in Évian: Macron feiert diplomatischen Erfolg
Für den Gastgeber, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, verlief der Gipfel besonders günstig. Er sparte nicht mit Lob für die eigenen diplomatischen Erfolge.
Vor Beginn des Treffens gaben sich europäische Beamte noch deutlich pessimistischer. Sie bezweifelten, dass es zu gemeinsamen Erklärungen in den strittigsten Fragen kommen würde. Im Vorjahr in Kanada hatte der Gastgeber als Notlösung nur eine "Chair's Summary" veröffentlicht, nachdem Trump den Gipfel vorzeitig verlassen und das Familienfoto unvollständig gelassen hatte.
Diesmal verabschiedete die G7 insgesamt neun gemeinsame Erklärungen, darunter ein Papier zu Ukraine, Nahost und Indo-Pazifik.
"Dieser G7 fand in einem äußerst schwierigen Umfeld statt – mit globaler Zersplitterung, mehreren Krisen und Konflikten. Umso mehr konnte von unseren Gesprächen abhängen", sagte Macron auf der abschließenden Pressekonferenz, sichtlich zufrieden.
"Deshalb kann ich sagen: Dieser G7 ist objektiv ein Erfolg. Er war ein Moment der Einheit, des gehaltvollen Austauschs und einer echten Zusammenarbeit unter den hier versammelten Staats- und Regierungschefs."
Macron sprach von einem "Évian-Moment", der alle Staats- und Regierungschefs in der Ukraine-Frage zusammengebracht habe.
Offene Mikrofone sorgen für Wirbel
Der G7-Gipfel punktete mit perfekter Organisation vor der traumhaften Kulisse von Évian-les-Bains. Trotzdem kam es zu einer Reihe bemerkenswerter Protokollpannen.
Mikrofone blieben großzügig offen, sodass Journalistinnen und Journalisten intime Gespräche der Staats- und Regierungschefs mithören konnten. So war auch der Spaziergang von Macron und Selenskyj durch den Garten zu hören, bei dem der französische Präsident den Ukrainer fragte: "Sind Sie heute Abend frei?"
Später wurde Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni, bekennende Raucherin, dabei ertappt, wie sie ihren Kolleginnen und Kollegen erzählt, sie habe "vor einem Monat" aufgehört.
"Sie haben aufgehört? Bravo!", reagierte Ursula von der Leyen.
Die Szene verbreitete sich rasant im Netz und brachte Meloni persönliche Glückwünsche des Generaldirektors der Weltgesundheitsorganisation ein.
In einem weiteren offenen-Mikrofon-Moment witzelten Deutschlands Friedrich Merz und Kanadas Mark Carney darüber, Macron habe seine Uhr auf dem Tisch liegen lassen.
"Gib mir die Uhr, wenn er nicht da ist", warf Trump ein.