Neue Analyse: Wärmepumpen haben im vergangenen Jahr Importkosten von rund 9,7 Milliarden Euro verhindert.
In ganz Europa boomen die Verkäufe von Wärmepumpen. Sie entlasten Haushalte von den drastisch gestiegenen Gaskosten im Schatten des Kriegs gegen Iran.
Laut einer neuen Analyse des Verbands European Heat Pump Association (EHPA) liefern die Wärmepumpen auf dem Kontinent inzwischen genauso viel Wärme wie mehr als 200 LNG-Tanker mit verflüssigtem Erdgas.
Das ist doppelt so viel wie 2025 aus dem Nahen Osten in die EU gelangt ist und entspricht rund sieben Prozent der gesamten jährlichen LNG-Importe der EU. Laut EHPA sparte dies allein 2025 Importkosten von 9,7 Milliarden Euro.
Wärmepumpen verändern Europas Heizsysteme
Im vergangenen Jahr wurden in 21 europäischen Ländern knapp drei Millionen Wärmepumpen verkauft. Sie gewinnen Energie aus Luft, Wasser oder dem Boden und wandeln sie in Wärme oder Kaltluft um. Damit steigt der Bestand auf 29,3 Millionen Geräte.
Laut Analyse ersetzen die 2,9 Millionen neuen Wärmepumpen allein 2,5 Milliarden Kubikmeter LNG, also rund 24 Prozent der EU-Importe aus dem Nahen Osten.
„Jede installierte Wärmepumpe macht Europas Energieversorgung ein Stück sicherer“, sagt Paul Kenny von der EHPA.
„LNG ist die teuerste Energiequelle und stammt von unzuverlässigen Lieferanten. Wärmepumpen können unseren Bedarf daran drastisch senken. Unsere neuen Daten zeigen, dass sich die Europäer schon jetzt von fossil betriebener Heizung abwenden.“
Kenny betont außerdem, die EU müsse sauberes Heizen nun so „einfach und erschwinglich“ wie möglich machen.
Die EU bereitet derzeit ein nichtgesetzliches Paket zur Elektrifizierung vor, das noch in diesem Monat vorliegen soll. Um den Einsatz von Wärmepumpen zu steigern, sollen die Mitgliedstaaten Steuern und Mehrwertsteuer auf klimafreundliches Heizen und Strom senken. Die Kommission prüft diesen Schritt bereits.
Viele europäische Länder fördern Wärmepumpen bereits finanziell, um sie erschwinglicher zu machen. Sogar England, das traditionell die geringste Verbreitung von Wärmepumpen hat, bietet inzwischen einen Zuschuss von 7.500 Pfund (rund 8.638,76 Euro) für die Installation – sofern bestimmte Kriterien erfüllt sind.
Wärmepumpen in Europa: welches Land liegt vorn?
Frankreich lag im vergangenen Jahr vorn und verkaufte beeindruckende 528.000 Wärmepumpen. Das Land verfügt inzwischen über die meisten installierten Wärmepumpen in Europa – rund sieben Millionen Geräte.
Italien folgt mit 423.000 verkauften Geräten im Jahr 2025 knapp dahinter. Malta (2.000), Luxemburg (3.000) und Zypern (5.000) bilden das Schlusslicht. Allerdings leben in diesen drei Ländern zusammen nur rund 2,5 Millionen Menschen – im Vergleich zu geschätzten 69 Millionen Einwohnern in Frankreich.
In Deutschland gab es den größten Zuwachs im Jahresvergleich: Die Zahl der Installationen stieg um 50 Prozent. Der Verkaufsboom setzte ein, nachdem das Land ein umstrittenes Gesetzesvorhaben zurückgezogen hatte, das Haushalte zum Austausch fossiler Heizkessel gegen klimafreundliche Alternativen verpflichtet hätte.
Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katherina Droege, deren Partei das ursprüngliche Gesetz 2023 eingebracht hatte, sprach von „einer vollständigen Abkehr von Deutschlands Klimazielen“.
Relative zur Bevölkerungszahl liegt Norwegen im Wärmepumpen-Vergleich vorne: Auf 1.000 Haushalte kommen dort 650 Installationen. Finnland folgt mit etwas mehr als 540 Wärmepumpen pro 1.000 Haushalte.
Die kühleren Länder widerlegen damit den verbreiteten Mythos, Wärmepumpen funktionierten bei niedrigen Temperaturen nicht. Selbst bei minus 30 Grad Celsius können sie noch effizienter sein als reine Elektroheizungen.