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UNO-Chef fordert KI-Konzerne zu Transparenz über Umweltbilanz auf

UN-Generalsekretär António Guterres spricht auf einer Pressekonferenz beim EU-Gipfel in Brüssel am 19. März 2026.
UN-Generalsekretär António Guterres gibt auf dem EU-Gipfel in Brüssel am 19. März 2026 eine Erklärung vor der Presse ab. Copyright  AP Photo/Omar Havana, File
Copyright AP Photo/Omar Havana, File
Von Ruth Wright mit AP, AFP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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UN-Studie: Rechenzentren verbrauchen 2025 mehr Strom als fast alle Staaten, mit Ausnahme von nur zehn Ländern

UN-Generalsekretär António Guterres fordert KI-Unternehmen auf, ihre ökologische Bilanz offenzulegen. Er betont, dass fossile Energieträger die Klima- und Energiekrisen antreiben.

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Europa ächzt unter der zweiten Hitzewelle binnen zwei Monaten. In dieser Lage zeichnete Guterres in einer Rede in London ein düsteres Bild eines Planeten, der gerade seine elf heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt hat.

„Das Klimachaos beschleunigt sich vor unseren Augen“, sagte Guterres. Die Energiekrise, angeheizt durch den Krieg im Nahen Osten, zeige zugleich „den Irrsinn einer Welt, die von Kohlenwasserstoffen abhängig ist“.

„Unsere Welt steht offensichtlich vor einer Geschichte von zwei Krisen“, so Guterres mit Anspielung auf den britischen Schriftsteller des neunzehnten Jahrhunderts, Charles Dickens, und seinen Roman „A Tale of Two Cities“ („Eine Geschichte aus zwei Städten“).

An der Oberfläche wirkten diese Krisen voneinander getrennt. In Wahrheit hätten sie aber denselben zerstörerischen Ursprung: fossile Brennstoffe, sagte er bei der London Climate Action Week, einer jährlichen Zusammenkunft von Entscheidungsträgern, Unternehmenschefs und Nichtregierungsorganisationen.

Guterres stellt Initiative für KI-Umwelttransparenz vor

Guterres forderte die Unternehmen der Künstlichen Intelligenz ausdrücklich auf, offenzulegen, welche klimawirksamen Emissionen sie verursachen und wie viel Wasser und Fläche sie für ihren Betrieb beanspruchen.

Guterres, dessen Amtszeit als Generalsekretär am 31. Dezember 2026 endet, legte dazu die Initiative „AI Environmental Transparency“ vor. Er plädierte dafür, dass KI-Unternehmen die Folgen ihrer immer gefragteren Technologie messen und veröffentlichen. Kritiker führen diese Auswirkungen als Argument an, das rasante Wachstum von Rechenzentren zu begrenzen.

Rechenzentren sind riesige Serverhallen, die KI und andere digitale Dienste antreiben. KI-Firmen stehen zunehmend unter Druck – von Regierungen ebenso wie von Gemeinden an Standorten mit Rechenzentren –, mehr Transparenz zu schaffen und branchenweit einheitlicher zu berichten.

Eine UN-Studie aus diesem Monat kommt zu dem Ergebnis, dass diese Anlagen 2025 mehr Strom verbrauchten als fast alle Staaten der Welt; nur zehn Länder lagen darüber. Bis 2030 könnten sie mehr Energie benötigen als alle Staaten außer fünf, so die Analyse.

Laut Studie werden Wasserverbrauch, Energieeinsatz und Umweltverschmutzung im Zusammenhang mit KI innerhalb von nur vier Jahren doppelt so hoch sein wie heute. Die für KI nötigen Rechenzentren standen 2025 für rund eineinhalb Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Bis 2030 dürfte ihr Anteil auf fast 3 Prozent steigen.

„Trotz dieser offensichtlichen Sorgen bleiben viele Gemeinden über die Umweltfolgen der Infrastruktur, die vor ihrer Haustür entsteht, im Unklaren“, sagte Guterres.

Nach Ansicht von Guterres sollten KI-Unternehmen zusagen, ihre Anlagen spätestens bis 2030 mit Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind- und Solarenergie zu betreiben.

„Schluss mit versteckten Kosten“, erklärte Guterres bei Europas größter unabhängiger Klimakonferenz. „Schluss damit, die Last auf jene abzuwälzen, die sie am wenigsten tragen können. Es ist Zeit für Ehrlichkeit.“

Stromhunger der KI wächst

Viele große Tech-Konzerne haben versprochen, ihre Aktivitäten künftig mit sauberer Energie zu betreiben, teils schon bis Ende dieses Jahrzehnts. Einige setzen dabei vor allem auf Solarstrom und Atomkraft, darunter die Branchenriesen Amazon und Google.

Doch der Wettlauf um den Einsatz von KI erschwert diese Zusagen und treibt die Emissionen von Treibhausgasen in die Höhe. Sie entstehen durch das Verbrennen von Öl, Kohle und Gas und heizen die Erde weiter auf. Zusätzlich bremsen regulatorische Hürden viele klimafreundliche Projekte.

Derzeit stammt nach Angaben der Internationalen Energieagentur rund 30 Prozent des Stroms, den Rechenzentren weltweit verbrauchen, aus Kohle. Erneuerbare Energien – vor allem Windkraft, Solarenergie und Wasserkraft – decken etwa 27 Prozent, Erdgas 26 Prozent und Atomkraft 15 Prozent. In den nächsten fünf Jahren dürften Erneuerbare nur etwa die Hälfte des zusätzlichen Strombedarfs abdecken.

Mit dem KI-Boom wächst auch die Hoffnung, sie könne Klimaschutz voranbringen. Viele, darunter Guterres, verweisen auf ihr Potenzial, die Energieeffizienz zu erhöhen und Verschmutzung sowie Emissionen zu senken.

UN schlägt weiter Alarm

Der UN-Chef drängt seit Langem auf entschlossene Klimaschutzmaßnahmen. Auch in diesem Jahr will er beim Weltklimagipfel COP in der Türkei erneut Staats- und Regierungschefs zusammenbringen, um neue Pläne auszuhandeln.

Die Regulierung von KI sei nur einer von mehreren Schritten, die nötig seien, um die Erderwärmung unter dem Limit von 1,5 Grad Celsius beziehungsweise 2,7 Grad Fahrenheit gegenüber vorindustrieller Zeit zu halten, sagte er am Dienstag. Dieses Ziel war 2015 im Pariser Klimaabkommen festgelegt worden.

Im vergangenen Jahr überschritt der Dreijahres-Durchschnitt der globalen Temperatur erstmals diese Schwelle.

„Jeder große Emittent muss sein Handeln beschleunigen“, forderte Guterres. „Und jedes Land muss mehr liefern, als es zugesagt hat.“

Er verlangte deutliche Kürzungen bei Methan, einem starken Treibhausgas, das für etwa ein Drittel der globalen Erwärmung verantwortlich ist und deutlich stärker wirkt als Kohlendioxid, sich jedoch schneller aus der Atmosphäre abbaut. Zudem müsse die Abhängigkeit von Kohle, Öl und Gas sinken, so Guterres.

Erneuerbare Energien legen weltweit zu, Hürden bleiben

Guterres verwies in seiner Rede auch auf positive Entwicklungen bei erneuerbaren Energien. Größere Anlagen senken die Kosten, die Technologien werden verbreiteter eingesetzt.

Die Erzeugung sauberer Energie – vor allem aus Sonne und Wind – wuchs im vergangenen Jahr schneller als die weltweite Stromnachfrage. 2025 überstieg der Anteil der Erneuerbaren erstmals in der modernen Geschichte ein Drittel des globalen Strommixes. Der Anteil der Kohlekraft sank gleichzeitig unter ein Drittel der Stromproduktion.

China bleibt Treiber der weltweiten Energiewende. In Europa geht die Stromproduktion aus fossilen Quellen insgesamt zurück.

Die USA unter Präsident Donald Trump setzen jedoch verstärkt auf Kohle, Öl und Gas und kürzen die Förderung für Erneuerbare sowie für umfassenden Klimaschutz. Das geschieht vor dem Hintergrund einer globalen Energiekrise, verschärft durch den US-Krieg im Iran, den Guterres als „Mutter aller Energieschocks“ bezeichnete.

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