In vielen Teilen Europas sollen die Temperaturen in den hohen 30er-Bereich klettern – es ist bereits die zweite Hitzewelle innerhalb eines Monats.
Geschlossene Schulen, Alkoholverbote und gestrichene Züge: Die sich verschärfende Hitzewelle in Europa legt das öffentliche Leben lahm.
Die Temperaturen sollen in Teilen von Spanien auf bis zu 45 °C steigen. Dort hat am Sonntag die erste offizielle Hitzewelle des Jahres 2026 begonnen, mit roten und orangefarbenen Wetterwarnungen im ganzen Land.
Mehr als die Hälfte von Frankreich steht ebenfalls auf Alarmstufe Rot. Das Land erlebt bereits das zweite extreme Hitzeereignis dieses Jahres; schon am Wochenende wurden hitzebedingte Todesfälle gemeldet. Auch das Vereinigte Königreich warnt vor großer Hitze, im Süden werden Höchstwerte von 38 °C erwartet. Deutschland, Italien, Portugal und die Schweiz gehören zu den weiteren Staaten, die unter Extremtemperaturen leiden.
„Vom Menschen verursachter Klimawandel hat die Grundlage für dieses Ereignis geschaffen. Er lädt die Atmosphäre mit zusätzlicher Wärme auf und macht extreme Temperaturen deutlich heftiger, als sie es früher gewesen wären“, erklärt Akshay Deoras, leitender Forscher am National Centre for Atmospheric Science der University of Reading im Vereinigten Königreich, der französischen Nachrichtenagentur AFP.
Mehr als 62.000 Menschen starben in Europa im Jahr 2024 an den Folgen der Hitze – es war das bislang heißeste Jahr auf dem Kontinent. Fachleute warnen, dass diese Zahl weiter steigen wird, wenn die Temperaturen noch zunehmen.
Am stärksten gefährdet sind ältere Menschen, kleine Kinder und Personen mit Vorerkrankungen. Hinzu kommen Hunderttausende Saisonkräfte, die im Freien arbeiten – die meisten von ihnen sind Migrantinnen und Migranten.
Frankreich schließt Schulen: Hitzewelle greift um sich
In Frankreich blieben heute, Montag, 22. Juni, 845 Schulen geschlossen; weitere 1.800 lassen ihre Schülerinnen und Schüler früher nach Hause gehen, wie AFP meldet.
Das geschieht nur eine Woche, nachdem Bildungsminister Édouard Geffray vorgeschlagen hat, Prüfungen auf kühlere Tageszeiten zu verlegen, weil Hitzewellen im Land immer früher und immer heftiger auftreten. Er hatte angeregt, Prüfungstermine zu verlegen, damit sie nicht in die heißesten Stunden des Tages fallen.
Seitdem haben die Regionalbehörden in Île-de-France eine Unterstützung von einer Million Euro für 500 Prüfungszentren angekündigt. Sie sollen damit Kühltechnik wie Ventilatoren und Sprühnebelsysteme anschaffen.
Im Vereinigten Königreich gibt es bislang keine flächendeckenden Schließungen. Einige Schulen lockern jedoch ihre Uniformvorschriften, um den Schülerinnen und Schülern mehr Komfort zu bieten, und führen Risikoanalysen durch, um Kinder und Lehrkräfte zu schützen.
Der britische Climate Change Committee (CCC) fordert inzwischen, dass in allen Schulen innerhalb der nächsten 25 Jahre Klimaanlagen eingebaut werden, da mit noch extremeren Hitzewellen gerechnet wird. Klimaanlagen können bei großer Hitze Leben retten, tragen jedoch selbst zum Problem bei, weil sie CO₂ und klimaschädliche Kältemittel freisetzen.
Frankreich und Belgien kürzen Zugverkehr
Pendlerinnen und Pendler in Paris und in Belgien müssen zu Wochenbeginn mit ausgedünnten Zugverbindungen rechnen. So sollen Pannen und blockierte Gleise verhindert werden.
Verbogene Schienen, Böschungsbrände und durchhängende Oberleitungen gehören zu den Gefahren für die Eisenbahn, wenn die Temperaturen steigen.
Im Großraum Île-de-France wurde am Montag jeder zehnte Zug gestrichen, um die überhitzte Bahninfrastruktur zu schützen. Regionalpräsidentin Valérie Pécresse riet laut AFP von nicht unbedingt nötigen Fahrten ab und forderte die Menschen auf, möglichst im Homeoffice zu arbeiten.
Auch einige Bahngesellschaften im Vereinigten Königreich passen ihren Fahrplan an. In den heißesten Stunden des Tages fahren weniger Züge, die Fahrten dauern etwas länger. Grund ist, dass sich Schienen bei großer Hitze ausdehnen und verformen können. Erreicht die Temperatur bestimmte Werte, müssen Züge deshalb langsamer fahren, um den Betrieb sicher zu halten, erklärt der Betreiber Great Western Railway (GWR).
Badewarnungen und Alkoholverbote
Das jährliche Straßenmusikfest Fête de la Musique fand in Frankreich trotz der Hitze am Wochenende statt. Die Regierung untersagte jedoch in Gebieten mit Alarmstufe Rot den Alkoholkonsum im öffentlichen Raum, um das Risiko von Dehydrierung zu senken. Einige Veranstaltungen wurden abgesagt oder in geschlossene Räume verlegt, um die Menschen vor der Hitze zu schützen.
In Paris suchten Feiernde Abkühlung im Canal Saint-Martin, der seit dem 17. Juni zum Baden freigegeben ist. Die Behörden mahnen jedoch zu großer Vorsicht beim Schwimmen in Flüssen und Seen, nachdem sowohl Frankreich als auch Deutschland am Wochenende einen deutlichen Anstieg von Ertrinkungsfällen gemeldet haben.
Schwimmerinnen und Schwimmer sollen nur bewachte Zonen mit Rettungsschwimmern nutzen, nicht in natürliche Flüsse mit starker Strömung springen und das Risiko eines Kälteschocks ernst nehmen. Empfohlen wird, langsam ins Wasser zu gehen, damit sich der Körper an den Temperaturunterschied gewöhnen kann.
Frankreich: Waldbrände erzwingen Evakuierungen
Die große Hitze verschärft zudem die Gefahr von Waldbränden und Dürre in den betroffenen Ländern. Die Böden sind seit der Hitzewelle im Mai weiterhin ausgedörrt. Dadurch steigen die Temperaturen an der Oberfläche schneller als üblich, und es gibt reichlich vertrocknete Vegetation, die den Flammen Nahrung bietet.
Im französischen Département Cher, das seit Sonntag unter Hitzewarnstufe Rot steht, ist die Gefahr bereits Realität: Ein Feuer zerstörte 25 Hektar Anbauflächen und zwang rund 50 Menschen zur Flucht, berichtet AFP.