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Spanische Energiewende zahlt sich aus: Stromrechnungen sinken trotz Energiekrise

Solarpaneele in Betrieb in Los Arcos in der Provinz Navarra, Nordspanien, Freitag, 24. Februar 2023
Solaranlage in Betrieb in Los Arcos in der nordspanischen Provinz Navarra, Freitag, 24. Februar 2023. Copyright  AP Photo/Alvaro Barrientos
Copyright AP Photo/Alvaro Barrientos
Von Ruth Wright
Zuerst veröffentlicht am
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Spanien setzt konsequent auf saubere Energie, wovon inzwischen im ganzen Land immer mehr Haushalte und Unternehmen profitieren.

In Spanien sind die Stromrechnungen gesunken. In vielen anderen Ländern sind sie seit der Energiekrise infolge des Ausbruchs des Iran-Kriegs dagegen gestiegen.

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Neue Analysen zeigen: Seit die Straße von Hormus im März faktisch geschlossen wurde, spart jeder Haushalt im Schnitt zehn Euro pro Monat bei der Stromrechnung. Dank des entschlossenen Umstiegs auf die saubere Energiewende haben erneuerbare Quellen seit 2019 den Einfluss fossiler Brennstoffe auf den Strompreis um 75 Prozent verringert.

Gas ist in der Regel die teuerste Quelle für Strom und treibt in jeder Stunde, in der es eingesetzt wird, die Preise nach oben. In Spanien wirkt Gas seit Beginn des Jahres 2026 nur noch in neun Prozent der Stunden preissetzend, nach 52 Prozent im Jahr 2021, so Berechnungen des unabhängigen Energie-Thinktanks Ember. Hauptgrund ist der Boom bei Wind- und Solarenergie, deren Erzeugung zwischen 2021 und 2025 um 37 Prozent zunahm.

„Das Wachstum von Wind- und Solarenergie wirkt wie ein Schutzschild gegen die Preisschocks globaler Krisen“, sagt Chris Rosslowe, Autor des Berichts. „Während die Gaspreise durch die Decke gehen, halten Erneuerbare die Stromkosten für spanische Haushalte und Unternehmen niedrig.“

Spanien vollzieht schnellen Kohleausstieg und setzt auf Sonne und Wind

Spanien gilt im europäischen Rennen um erneuerbare Energien als Vorzeigeland. Seit 2019 hat das Land seine Wind- und Solarkapazität verdoppelt und mehr als 40 Gigawatt zugebaut – mehr als jeder andere EU-Staat außer Deutschland, dessen Strommarkt doppelt so groß ist wie der spanische.

Im August 2025 speisten spanische Kraftwerke keinen Strom aus Kohle ins Netz ein. Vor gerade einmal zehn Jahren stammte noch ein Viertel der spanischen Stromproduktion aus Kohle.

Das zeigt, wie schnell Staaten ihre Energiequellen umstellen können, wenn sie es politisch wollen. „Man braucht nicht die spanische Sonne, um das zu schaffen, was Spanien erreicht hat. Jeder europäische Staat könnte seine eigenen Wind- und Solarressourcen besser nutzen und so die Abhängigkeit von teurem Gas verringern“, sagt Rosslowe.

Den meisten Europäerinnen und Europäern entgehen damit Einsparungen, die ihnen eigentlich zustehen. Im stärker von Gas abhängigen Italien lagen die Strompreise im Großhandel im März dieses Jahres im Schnitt bei 143 Euro je Megawattstunde und damit dreimal so hoch wie in Spanien mit 42 Euro. Seit Anfang März 2026 zählen die spanischen Großhandelspreise durchgehend zu den niedrigsten in Europa.

Insgesamt hat die EU seit Beginn des Iran-Kriegs ihre Importe fossiler Brennstoffe erhöht und sich damit eine zusätzliche Energierechnung von 60 Milliarden Euro aufgehalst. „Weniger als fünf Prozent, also zwei Milliarden Euro, flossen in Maßnahmen zur Elektrifizierung – die einzige strukturelle Investition, die die Verwundbarkeit heute senkt und die Energieversorgung von morgen stärkt“, sagt Alice Moscovici, Forscherin am europäischen Thinktank Jacques-Delors-Institut.

Spaniens befristete Steuersenkung entlastet Stromkundinnen und -kunden

Der von Ember dokumentierte Anstieg der europäischen Großhandelspreise für Gas um 60 Prozent seit Beginn des Iran-Kriegs hat einen klaren Gewinner: die großen Fossilkonzerne. Eine Greenpeace-Studie vom März 2026 errechnete, dass die Ölunternehmen in der EU jeden Tag zusätzlich 81,4 Millionen Euro Gewinn einstreichen. Viele Fachleute fordern deshalb eine Übergewinnsteuer auf diese Extraprofite.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur entfielen im vergangenen Jahr 28 Prozent der Stromrechnung eines durchschnittlichen europäischen Haushalts auf Steuern und Abgaben. Viele halten das für besonders unfair, weil Strom deutlich höher besteuert wird als fossile Energieträger – obwohl diese die Haupttreiber der Klima- und Naturkrise sind. In Spanien lagen die Steuern auf Strom 2025 beim 4,2-Fachen der Abgaben auf fossiles Gas, in Deutschland beim 3,2-Fachen.

Spanien versucht, dieses Ungleichgewicht zu korrigieren. Befristete Steuersenkungen zwischen März und Mai 2026 senkten eine typische monatliche Stromrechnung im Haushalt um acht Euro. Das verschaffte Verbraucherinnen und Verbrauchern Luft und setzte zugleich Anreize für mehr Elektrifizierung – den Schlüssel, um Spaniens Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu verringern.

Spanische Stromrechnungen könnten noch niedriger sein

Im April 2025 versank ganz Spanien in einem massiven Stromausfall. Chaotische Szenen zeigten Familien, die nur bei Kerzenschein zu Hause saßen. Der Verkehr kam ins Stocken, Tausende blieben in U-Bahntunneln stecken, Geschäfte mussten schließen, Handytelefonate und Kartenzahlungen waren nicht mehr möglich. Es gab Verletzte und Tote. Ein 472-seitiger Bericht kam zu dem Schluss, dass eine Reihe von Spannungsschwankungen den Blackout auslöste.

Die spanische Regierung ließ sich von dem Blackout und der breiten Kritik jedoch nicht ausbremsen. Zwischen Mai 2025 und Februar 2026 kamen im Schnitt 1,3 Gigawatt Wind- und Solarkapazität pro Monat hinzu – mehr als die durchschnittlichen 1,2 Gigawatt in den zwölf Monaten davor.

Der Blackout hatte allerdings zur Folge, dass das Netz im Modus „verstärkte Überwachung“ betrieben wird, um die Stabilität zu sichern. Würde diese Maßnahme wegfallen, könnten die Rechnungen noch niedriger ausfallen. Andere Schritte zur Netzstabilisierung sind hingegen positiv für die Verbraucherinnen und Verbraucher.

Laut dem Ember-Bericht „hat die spanische Regierung ein weiteres Paket von Notmaßnahmen beschlossen, um die Widerstandsfähigkeit des Stromsystems zu verbessern“. Dazu gehört, den Einsatz von Batteriespeichern an bestehenden Anlagen mit erneuerbaren Energien zu erleichtern, indem zusätzliche Umweltprüfungen entfallen.

„Mit mehr Erneuerbaren und besserer Integration dieser Speicher sollte die Rolle von Gas im spanischen Stromsystem weiter schrumpfen – und damit auch sein Einfluss auf die Preise.“

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